Review

Seit 1990 mischt Tilo Wolff nun schon mit seinem Projekt Lacrimosa in der Gothic-Szene mit.
In dieser Zeit veröffentlichte der Sänger und Songwriter, der mit der Finnin Anne Nurmi kurz nach der Gründung Lacrimosas eine Keyboarderin und Sängerin dazugewann, zahlreiche Alben, die immer mal wieder die deutschen Charts stürmten und auch international große Zustimmung erhielten. 

Nun steht eine weitere Veröffentlichung im Hause Lacrimosa und dem eigenen Label Hall of Sermon an: „Live in Mexico“ heißt der neue Silberling, und der Name lässt es bereits erahnen, es handelt sich dabei um ein neues Livealbum des Projekts, welches auf der Bühne u.a. von Bassist Yenz Leonhardt (ehemaliger bzw. aktueller Musiker von Bands wie Stormwarrior, Kongdom Come, Iron Savior, Savage Circus) unterstützt wird.

Damit liegt die inzwischen dritte Live-Scheibe von Lacrimosa vor, und nachdem „Lichtjahre“ bereits sieben Jahre zurückliegt, wurde es auch mal wieder Zeit, die Fans erneut in den Genuss ihrer Bühnenqualitäten kommen zu lassen.

Tilo Wolff (Copyright: Angst-im-Wald, Photography & Marketing for Music)

Tilo Wolff (Copyright: Angst-im-Wald, Photography & Marketing for Music)

Dies tun Lacrimosa mit einer beeindruckenden Songanzahl, denn zwei Rundlinge mit insgesamt 23 Tracks erwarten den Hörer auf „Live in Mexico“.

Die Titelauswahl gibt sich dabei sehr abwechslungsreich. Während vor allem aktuelle Tracks Eingang in die Setlist des hier wiedergegebenen Konzerts gefunden haben, stößt man immer wieder auch auf alte Klassiker der Band.
Spannend ist dies insofern, als dass man anhand der eingefangenen Zuschauerreaktionen merkt, wie Songs wie „Copycat“, „Der Morgen danach“ oder „Alles Lüge“ auch heute noch zünden und funktionieren.

Frenetisch steigt das Publikum nicht nur in den jeweiligen Refrain dieser Songs, sondern bereits in den Strophen singend mit ein.
Bewundernswert ist dies vor allem deshalb, da es sich um einen Auftritt in Mexiko handelt. Bedenkt man also, dass viele Texte Lacrimosas in deutscher Sprache verfasst sind, ist die Reichweite und Wirkung der Band und ihrer Musik im Ausland keineswegs zu verkennen. Die Textsicherheit der zu hörenden mexikanischen Menge macht dies deutlich.

Es bleibt jedoch dem eigenen Geschmack überlassen, ob teilweise einige Nummern nicht auf einem Studioalbum markanter geklungen haben als bei einer Liveperformance. „Alleine zu zweit“ ist solch ein Track, der auf der Bühne in vorliegendem Fall ein wenig seiner Melodie beraubt wird, die auf dem Album „Elodia“ intensiver zum Vorschein kommt. Dies mag jedoch vor Ort anders gewesen und auch ein rein subjektives Empfinden sein. Andererseits spricht diese Feststellung dafür, dass sich nicht nur Lacrimosa, sondern auch ihre Songs mit jedem Liveauftritt weiterentwickelt haben. Egal, wie man es finden mag, der Sound, der „Alleine zu zweit“ umgibt, spricht für die Begeisterung, die der Track bei den Mexikanern ausgelöst hat.

Die mehrfach angesprochenen Zuschauerreaktionen, die permanent gut zu hören sind und den Spannungs- und Stimmungsbogen des Konzertes widerspiegeln, sind deshalb so erwähnenswert, weil Lacrimosa sich für das Album „Live in Mexico“ dazu entschieden haben, die Produktion sehr authentisch ausfallen zu lassen.

Lacrimosa live (Copyright: Germán S. García)

Lacrimosa live (Copyright: Germán S. García)

Der Silberling besteht damit nicht aus einem seelenlosen Mitschnitt, indem einzelne Szenen des Abends harmonisch zusammen geschustert wurden, sondern „Live in Mexico“ liefert das vergangene Konzert direkt und in voller Länge. Soundtechnisch weist das Doppelalbum daher seine Ecken und Kanten auf, dafür steht das Ergebnis stellvertretend für jedes Konzert dieser Tournee und strotzt vor Authentizität.

„Live in Mexico“ ist somit ein unverfälschtes Konzerterlebnis für Daheim, mit dem Lacrimosa nicht nur ihren Fans ein Erinnerungsstück an einen wohl unvergesslichen Abend schenken, sondern sich auch selbst ein Konzertandenken schaffen. Insbesondere deutsche Fans kommen auf diese Art zudem in den Genuss, ein Liveerlebnis aus Mexiko dauerhaft mit Lacrimosa zu teilen.

Übrigens: Ganz schnell entschlossene Käufer werden zusätzlich belohnt, denn der Erstauflage liegt noch eine Bonus-DVD bei.

Tracklist

CD 01

01 Lacrimosa Theme
02 Ich bin der brennende Komet
03 Welcome to the show
04 Schakal
05 Alleine zu zweit
06 Alles Lüge
07 Not every pain hurts
08 Verloren
09 Ohne dich ist alles nichts
10 Weil du Hilfe brauchst
11 Apart
12 if the world stood still a day

 

CD 02

01 Feuerzug I & II
02 Der Morgen danach
03 Irgendein Arsch ist immer unterwegs
04 Liebesspiel/Fassade 3. Satz
05 Rote Sinfonie
06 Revolution
07 Durch Nacht und Flut
08 Stolzes Herz
09 Feuer
10 Lichtgestalt
11 Copycat

Details

Lacrimosa – Homepage
Lacrimosa – Facebook
Lacrimosa – Twitter

Label: Hall of Sermon
Vö-Termin: 18.07.2014
Spielzeit: tba

Copyright Cover: Lacrimosa / Hall of Sermon



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde