Review

„Antiadore“, das letzte Studioalbum der Band Lacrimas Profundere, liegt bereits drei Jahre zurück, doch ungewöhnlich ist es nicht, dass sich die Truppe um Sänger Roberto Vitacca (seit 2007 für die Gruppe am Mikro) für ihre Outputs immer die nötige Zeit nimmt, um am Ende mit einem kleinen Opus aufzuwarten, das die Hörer in Staunen versetzt. Dem aktuellen Silberling namens „Hope Is Here“ gestanden die Süddeutschen ebenfalls eine ausreichende Reifezeit zu, was nicht zuletzt darin begründet liegt, dass die Band sich erstmals in ihrer 23-jährigen Bandgeschichte an ein Konzeptalbum gewagt hat. Protagonist Aramis streift einsam durch die Wälder – und ihn begleiten die Hörer auf zwölf eindrucksvollen Tracks, die sowohl die musikalischen Stärken und Trademarks als auch die sehr gefühlvolle und atmosphärische Seite der Band zeigen.

Dark- und Gothic Rock bzw. Metal und Melancholie sind die Schlagworte, die auch mit neuem Label SPV im Rücken ihren Bestand bei Lacrimas Profundere haben. Und dennoch heben sie sich mit „Hope Is Here“ auf ein neues Level.

Stark auf Atmosphäre fokussiert ist „Hope Is Here“ insgesamt sehr ruhig und bedächtig. Das sollte man wissen, bevor man sich hier auf die Suche nach feierbaren Ohrwürmern begibt, denn vielmehr ordnen sich die Melodien dem Inhalt und seiner Intention unter; auch auf die Gefahr hin, zukünftige Genreklassiker dadurch zu verpassen.
Nichtsdestotrotz finden auch eingängige, treibende Nummern ihren Platz auf dem Album. Jene verleihen dem musikalischen Geschehen immer wieder eine neue Dynamik und eine Portion Härte, vorrangig erzeugt durch druckvolle Gitarren und Drums. Der Stimmung des Werks tut dies keinen Abbruch; dafür sorgen vor allem die sanften und nahtlosen Übergänge von Song zu Song.

Auch die Produktion, sehr dicht und klar und an den nötigen Stellen zudem äußerst kraftvoll, unterstützt die Wirkung von „Hope Is Here“, in das der Hörer sich somit stets auf ein Neues gerne verliert. Zu entdecken gibt es dabei mit jedem weiteren Durchgang andere Details, denn an Abwechslung mangelt es trotz konsequentem Konzept ebenfalls nicht. Zwar in sich stringent und stimmig wirkend, sorgen beispielsweise Akustikgitarren und -songs (wie u.a. „Black Moon“) oder das Hörspielcharakter ausstrahlende Intermezzo „The Path of broken Homes“ für Extras, die Kontraste innerhalb der Veröffentlichung bilden und den Hörer nicht müde werden lassen, „Hope Is Here“ wieder und wieder zu lauschen.

Es ist außerdem kaum mehr erwähnenswert, dass Roberto Vitaccas Gesang eine Menge zum einladenden und atmosphärischen Charakter des Albums beiträgt. Seine Stimmfarbe und Intonation harmonieren nicht nur mit dem Lacrimas Profundere Stil, sondern transportieren auch die hier erzählte Geschichte mit all ihren Emotionen gelungen und glaubwürdig an die Hörer.

Lacrimas Profundere (Copyright: Christian Vogel)

Lacrimas Profundere (Copyright: Christian Vogel)

„Rock’n’Sad“ so beschreibt die Band selbst ihren Stil – und diese Bezeichnung trifft auf „Hope Is Here“ mehr denn je zu, mit dem Lacrimas Profundere vermutlich ihren eigenen Ansprüchen, auf jeden Fall aber den Erwartungen der Fans und ihrem Genre mehr als gerecht werden. Alles in allem setzt die Band mit ihrem elften Album ein fettes Ausrufezeichen in ihrer Diskografie und legt die Latte für weitere Veröffentlichungen selbst sehr hoch. Auf diesem Niveau weiterhin agierend, ist mit Lacrimas Profundere auch in den nächsten 23 Jahren noch zu rechnen. Man darf also gespannt sein, was das Quintett als nächstes aus dem Ärmel schüttelt.

Video

Tracklist

01 The Worship of counting down
02 My Halo Ground
03 Hope is here
04 Aramis
05 A million Miles
06 No man’s Land
07 Pageant
08 You, my North
09 Awake
10 The Path of broken Homes
11 Timbre
12 Black Moon

Details

Lacrimas Profundere – Homepage
Lacrimas Profundere – Facebook
Lacrimas Profundere – Twitter

Label: Oblivion / SPV
Vö-Termin: 12.08.2016
Spielzeit: 47:00

Copyright Cover: Oblivion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde