Review

Wie ein Phönix aus der Asche

Mit ihrem neuen Album „Staub und Tränen (Teil 1): Aus der Asche …“ zeigt die Ludwigsburger Band Krayenzeit, dass es sich noch zu kämpfen lohnt, selbst wenn man schon am Boden liegt.

Dass die Musiker wissen, wovon sie da musizieren, verdeutlicht auch die Presseinfo ihres Labels Trisol Music:

Wer Staub frisst, wird Gold ernten. Ziemlich plakative und dennoch treffende Zusammenfassung für das jüngste Krayenzeit-Opus „Staub und Tränen“. Sie sind durch die Hölle gegangen, waren mehr als einmal ganz am Boden, haben sich aufgerafft, gegenseitig aufgeholfen, sind weitergegangen. Diesen Weg weitermarschiert, von dem niemand weiß, wohin er führt. Man hofft, bangt, wünscht und träumt, dass es die Muse gut meint mit einem, dass es sich irgendwann alles auszahlt. Hat es. Tut es. Wie eine Auster, die aus etwas so profanem wie Sand eine kostbare, perfekte Perle formt, haben Krayenzeit die Rückschläge und Niederlagen, den Gegenwind und die eine oder andere emotionale Schieflage in pures Gold gewandelt. „Staub und Tränen“, der erste Teil eines mächtigen Geschwisteralbums, kündet von alledem.

Wer die Band schon einmal live erlebt hat, weiß zudem, wie mitreißend und inspirierend ihre Auftritte sind. Nun dürfen sich die Hörer auf ein weiteres Werk freuen, das exakt diese Eigenschaften besitzt.

Die Tracks

Die Scheibe wird mit einem extra angelegten „Intro“ eröffnet. Zu Beginn gibt es einen Sprechpart, welcher von mystischen, düsteren Klängen begleitet wird. Nachdem dieser zu Ende ist, kommen Flöte, Bläser und Streicher hinzu. Insgesamt erinnert der Track an einen epischen Soundtrack für einen Mittelalterfilm.

Durch seine fröhliche Melodie und den mehrstimmigen Gesang fällt der folgende Titel „Wir sind Geschichte“ gleich von Beginn an mitreißend und eingängig aus. In den Strophen bekommt der Song durch die tiefen Klänge der Streicher einen ernsteren Touch.

„Neue Helden“ wartet mit harten Gitarrenriffs auf und die Basedrum liefert einen Rhythmus, den man auch aus Metal-Songs kennt. Die Strophen sind thematisch ernst und kritisieren Politik, Extremisten und Gesellschaft. Der Refrain ist fröhlicher gehalten und animiert zum Mitsingen. Streicher und Drehleier ziehen sich durch den gesamten Song und verleihen dem Track den nötigen Folk-Sound.

Ebenfalls musikalisch relativ hart ist „Die Rabenfänger“. Bei diesem Titel hat man das Gefühl, dass der mehrstimmige Gesang den einstimmigen Gesang dominiert. Ebenso fällt das instrumentale Solo positiv auf.

Mit dem Track „Staub und Tränen“ schließt sich der Namensgeber des Albums an. Wie im „Intro“ sind zu Beginn mystische, düstere Klänge von Streichern und Bläsern zu hören. Ein epischer Sound erhebt sich und verursacht Gänsehaut. Nach gut einer Minute sind dann Gitarre und Bass vorherrschend, jedoch werden sie noch von Streichern und Bläsern begleitet. Die Vielseitigkeit dieses Songs ist kaum zu beschreiben, da so viele Elemente und Klänge zu erkunden sind. Man kann ihn nur als epische Hymne bezeichnen.

„Unsterblich“ ist wiederum eine Ballade, bei der der Gesang von akustischer Gitarre, Streichern und Orgel begleitet wird. Letztere Instrumente werden jedoch nur partiell eingesetzt. Die Gitarre zieht sich hingegen durch den gesamten Song.

Nachdem „Im Bund der Krähe“ mit hartem Folk-Rock-Sound auftrumpft, geht der tragisch instrumentierte Folgetrack „Durch den Sturm“ vor allem durch den zweistimmigen Gesang direkt ins Herz.

Anschließend wird es mit dem Folk-Song „Je länger, umso lauter“ wieder eingängig und tanzbar, ehe die Instrumentierung in „Willkommen im Nichts“ eine gewisse Komplexität aufweist, die im Laufe des über sechsminütigen Songs auf- und abgebaut wird.

Tanzbar wird es erneut mit dem Stück „Küss den Frosch“, das durch seinen Mix aus elektronischen Sounds und rockigen Klängen als Dance-Track in den Clubs einen festen Platz finden könnte.

Krayenzeit (Copyright: Heilemania)

Als mittelalterliche Weise kommt hingegen „Mein Bruder“ daher. An eine solche erinnern sowohl die Taktgebung als auch die Instrumentierung. Gepaart wird dies mit „modernen“ Instrumenten wie Bass und Schlagzeug. Vorrangig wird aber mit Lauten und Leiern zum Tanz aufgespielt.

Eine wunderschöne Klavierballade, die mit Streichern im Hintergrund begleitet wird, ist „Schwerelos“, der letzte Track auf dem Album. Im weiteren Songverlauf setzen auch noch Schlagzeug, Orgel und Synthesizer-Sound ein, was den Song zu einem fulminanten Abschluss bringt. Hier bedarf es nicht vieler Worte, um diesen Track zu beschreiben: Einfach nur schön.

Fazit

Das aktuelle Album „Staub und Tränen (Teil 1): Aus der Asche …“ wirkt bedeutend härter als die vorigen Werke der Band. Wie man es von Krayenzeit aber gewohnt ist, sind die Tracks mitreißend und sehr eingängig. Aber auch die eine oder andere Ballade darf nicht fehlen. Da zudem neue Instrumente benutzt wurden, wirken die Songs noch interessanter. Man darf gespannt auf den zweiten Teil sein.


Staub und Tränen-Teil 1: aus der Asche…

Video

Tracklist

01 Intro
02 Wir sind Geschichte
03 Neue Helden
04 Die Rabenfänger
05 Staub und Tränen
06 Unsterblich
07 Im Bund der Krähe
08 Durch den Sturm
09 Je länger, umso lauter
10 Willkommen im Nichts
11 Küss den Frosch
12 Mein Bruder
13 Schwerelos

Details

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Label: Trisol Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 22.01.2021
Spielzeit: 54:27

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem