Review

Mit einer für eine Indie-Rock/Punk Band recht ungewöhnlichen Anzahl von Bandmitgliedern debütieren Kosmonovski dieses Jahr auf This Charming Man Records. Das Album trägt als Titel das recht ansprechende Wortspiel „Augen zu und Furcht“ und glänzt mit einem noch viel ansprechenderen Artwork an der Front; jedenfalls für diejenigen, die aufgrund dessen vielleicht doch etwas künstlerischen Freigeist erwarten.

Doch Kosmonovski agieren zum großen Teil abseits eines experimentellen Konzepts. Auf „Augen zu und Furcht“ erwartet den Hörer eine konsequente Mischung aus dynamischen Punk-Rhythmen und kreativen Riffs des Indie-Bereichs.

Und das muss man der Platte durchaus lassen: Die Jungs verstehen es, die Überschneidungen dieser beiden Genres auf einen Nenner zu bringen und können so beispielsweise Verse mit allerlei Varianten verfeinern. Gleiches gilt für die Melodien, die von den immer mitreißenden Drums getragen werden. Vor allem auch dann, wenn Kosmonovski abseits von Gitarre und Bass auch gerne mal den Orgelsound aus dem Ärmel schütteln. So kommen dann auch Songs wie „Kasino“ heraus, der seine Zuhörer ohne Weiteres einfach so mitnimmt und sie sich im Groove verlieren lässt.

Für den Rest der Platte gilt dies allerdings nicht, denn schnell wird klar, was Kosmonovski auf „Augen zu und Furcht“ fehlt: Wiedererkennungswert. Kaum ein Song stellt im Grunde das dar, wofür die Band musikalisch eigentlich steht. Vielmehr wirkt es wie eine Aneinanderreihung von Ideen, die anderweitig schon einmal gehört wurden – sei es die Rhythmik, die Akkorde oder die Arrangements betreffend. Alles präsent, was man so erwartet, aber nichts darüber hinaus. Wobei man fairerweise sagen muss, dass diese Ausführungen im Allgemeinen gut funktionieren und auch die Songs nie zu überladen wirken. Wer aber etwas Neues sucht, wird hier nicht wirklich fündig.

Kosmonovski (Copyright: Kosmonovski)

Auch textlich plätschert das Ganze nur so am Höre vorbei. Lyrisch wandelt man zwischen Wortspielen und Anschuldigungen hin und her – und auch hier gilt: nichts Halbes und nichts Ganzes.
Gut zu hören an „Nicht von gestern“ – gesprochene Texte über melodramatische Riffs und einem gemächlichen Beat; nichts, was nicht irgendwo schon einmal da gewesen wäre, da kann sich der Titel auch im weiteren Verlauf nicht retten.

Dann gibt es wiederum Songs, bei denen man anfangs wirklich aus seinem Sitz gerissen wird, wie in „Tempo“, der zu Beginn dieses leicht orientalisch klingende Gitarrenriff anstimmt und recht dynamisch loslegt. Darauf folgt aber leider nur einseitiger Punk.

„Augen zu und Furcht“ wird sicherlich seine Hörerschaft finden, allerdings ginge hier vonseiten der Band deutlich mehr. Potenzial und musikalische Ideen sind vorhanden, werden hier jedoch nur sparsam umgesetzt.

Video

Trackliste

01 Echo
02 Wut
03 Kleines Plädoyer
04 Nicht von gestern
05 Nie mehr
06 Tempo
07 Xanten
08 Augen zu und Furcht
09 Kasino

Details

Kosmonovski – Homepage
Kosmonovski – Facebook

Label: This Charming Man Records
Vö-Termin: 26.05.2017
Spielzeit: 35:29

Copyright Cover: This Charming Man Records



Über den Autor

Christopher