Review

Knasterbart sind eine Band, die sich dem „Gossenrock“ verschrieben haben. Die Musik besitzt einen sehr folkigen Einschlag und ist inhaltlich vor allem humoresk angelegt.

Dies erfährt man direkt am eigenen Leib, wenn man den Opener „Gossenhauer“ aus den Boxen dröhnen hört, denn bereits diese Nummer ist extrem partytauglich und lädt zum fröhlichen Grölen und Hopsen ein.

Aber Knasterbart liefern nicht nur stumpfe Partymucke, auch handwerklich wird einiges geboten. So sind die Musiker an ihren Instrumenten in der Tat sehr begabt, insbesondere die Geige fällt äußerst positiv auf, denn gerade bei diesem Instrument besteht das Risiko, dass sie einen ganzen Song zerstören kann, wenn sie schlecht gespielt wird.

Der Aufbau von „Gossenhauer“ ist gleichermaßen kreativ wie stimmig, immer wieder gibt es kleine Zwischenspiele, die für Auflockerung sorgen. Diese sind hervorragend in die Nummer integriert.
Zu guter Letzt bleibt noch der Refrain – und das im wahrsten Sinne des Wortes – denn diesen bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Ein großartiger Einstieg in diese Scheibe.

In exakt diesem Stil geht es dann mit „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ weiter. Dieser Song startet relativ balladesk, entwickelt sich im Verlauf allerdings stilistisch in Richtung des Irish Folk. Abermals ist es vor allem die Geige, die für diesen Eindruck sorgt. Sie steht ein wenig mehr im Vordergrund und unterstützt die anderen Instrumente schön.
Die Geschwindigkeit variiert stark, denn im Vergleich zu den Strophen ist der Refrain schnell und bricht ganz plötzlich los. Dieser Aufbau funktioniert gut, sodass auch „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ einen sehr guten Eindruck hinterlässt.

Knasterbart (Copyright: Knasterbart)

Knasterbart (Copyright: Knasterbart)

Wer glaubt, dass so viele Worte des Lobes nicht mehr steigerungsfähig sind, irrt. Denn der dritte Track „Gossenabitur“ ist ein Kracher in jeder Hinsicht. Der Refrain ist schon beim ersten Durchlauf sofort im Kopf und muss mitgebrüllt werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Drums ein wenig nach vorne gestellt werden, bleibt es ebenfalls nicht aus, dass man möglichst viele Extremitäten im Takt bewegt. Dieser Song sollte vor allem live amtlich zünden und dafür sorgen, dass Knasterbart das Publikum auf ihrer Seite haben. Ganz großes Kino!

„Mein Stammbaum ist ein Kreis“ ist nicht nur eine Nummer mit einem extrem amüsanten Titel, nein, auch musikalisch weiß dieser Song zu überzeugen. Zunächst fällt einem die recht spartanische Instrumentalisierung auf, bestehend aus einer Gitarre, mit der dieser Song startet. Im weiteren Verlauf erhöht sich nicht nur die Geschwindigkeit des Songs permanent, sondern auch die Anzahl der verwendeten Instrumente. Im Refrain eskaliert der Titel dann regelrecht und beruhigt sich hinterher wieder, ohne jedoch auf Geschwindigkeit zu verzichten.

Ich könnte jetzt noch hundert Wörter mehr über dieses Album schreiben, doch das würde den Rahmen sprengen. Ich komme daher zu der Erkenntnis, dass es sich bei „Branntwein für alle“ von Knasterbart definitiv um eines der besten Alben im Bereich des Folk Rock handelt, welches in letzter Zeit veröffentlicht wurde. Ein definitiver Kauftipp!

Video

Tracklist

01 Gossenhauer
02 Geteiltes Leid ist halbes Leid
03 Gossenabitur
04 Gossenabitanz
05 Branntwein für alle!
06 Jammerjule
07 Lieber widerlich als wieder nich
08 Gott will es
09 Kein Knaster im Knast
10 Mein Stammbaum ist ein Kreis
11 Hinterwäldlertanz
12 Ich trinke also bin ich
13 Knüppelkalle
14 Horst die Filzlaus

Details

Knasterbart – Homepage
Knasterbart – Facebook

Label: Banshee Records / Alive
Vö-Termin: 06.06.2014
Spielzeit: 57:51

Copyright Cover: Banshee Records / Knasterbart



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.