Review

Solo klingt sie schon recht verrückt und launisch, aber Kim Talon steht für ihre Platte „Bait Is For Sissies“ mit dem Projekt Kino Kimino nicht alleine da. Damit die Kombination aus krachendem Post-Punk, rockigen Attitüden und einem durchgeknallten Farbenspiel erst so richtig wirkt, finden sich Lee Ranaldo an der Gitarre und Steve Shelly an den Drums wieder. Durch einen Teil der Sonic Youth-Truppe kann man musikalisch einiges von „Bait Is For Sissies“ erwarten, zudem fehlt hier auch eine Spur Extravaganz nicht.

Natürlich fällt es schwer, den Sonic Youth Sound nicht innerhalb der zehn Tracks immer mal wieder herauszuhören. Allerdings bestechen Kino Kimino vor allem durch einen scheinbar bipolaren Charakter. Die hämmernden Rhythmen unter strammen Riffs und der sanfte, leicht exzentrische Gesang bilden einen harmonischen Kontrast, während sich all dies im Laufe des Albums zu einer farbenfrohen und ansprechenden Materie vermischt.

Einer der besten Songs des Albums, „Blood Bath“, veranschaulicht sehr gut, wie dieses Prinzip funktioniert und wie scheinbar verqueres Denken doch ansprechend sein kann. Der leicht grungige Sound während der Verse liegt schwer auf den Drums, bis dann im Refrain der komplette Sound einmal umkippt und poppige Rock-Klänge freilässt. Vor allem das Management des Tempos prägt diesen Titel.

Dann gibt es wiederum Songs wie „Loincloth“, die scheinbar gegen jede Möglichkeit ankämpfen, den Hörer an sich heranzulassen und dennoch das gewisse Etwas mit sich bringen. Mit „Caste Out“ beweisen Kino Kimino, wie freizügig und ausgelassen sie ihre Musik angehen können und diese einfach nur so daher zu fließen scheint; allerdings nicht ohne darauf zu verzichten, die Zuhörer immer wieder daran zu erinnern, wer hier entscheidet, welche Richtungen der Song einschlägt.

Die Band dafür als rebellisch zu betiteln, wäre vielleicht etwas hoch gegriffen. Vielmehr weist man hier eine Eigenart auf, die die Vorgaben für die Musik zwar wahrnimmt, ihnen aber auch gerne mal entwischt.
Dafür steht auch der weibliche Gesang, der in einem Moment die schönste Performance von sich geben kann und in einem anderen wieder völlig losgelöst wirkt. Definitiv eine Stärke des Albums, die im Ansatz mit einer Überschneidung von Kate Nash und Björk vergleichbar ist.

Kino Kimino (Copyright: Kino Kimino)

Kino Kimino (Copyright: Kino Kimino)

Dennoch hat man ab einem bestimmten Punkt auf „Bait Is For Sissies“ das Gefühl, die Band würde sich zurückhalten, noch eine weitere Grenze ihres Sounds zu überschreiten. Besonders gegen Ende wirken die Songs immer dünner und vorhersehbarer. „Grapes“ vereint beispielsweise eine Ballade mit düsteren und hawaiianischen Elementen, bringt aber im Endeffekt nichts Spannendes, das hängen bleiben möchte.

Diesbezüglich geht definitiv viel Potenzial verloren, welches durchaus in weitere zündende Songs hätte gesteckt werden können. Denn davon bieten Kino Kinimo eine Menge, auch wenn man diese erst nach einem weiteren Durchlauf der Platte entdeckt.
Außerdem sind dies genau jene Momente, die „Bait Is For Sissies“ zu einem Album voller Überraschungen, musikalischer Freiheiten und einem Energiebündel machen. Hauptsächlich verrückt, aber auch sympathisch.

Video

Trackliste

01 Passion
02 Pale Calico
03 Blood Bath
04 Rosy Rudiger
05 Loincloth
06 Caste Out
07 Chalk Like
08 Hide Your Kin
09 Grapes
10 Lace Them Taut

Details

Kino Kimino – Homepage
Kino Kimino – Facebook

Label: My Favourite Chords
Vö-Termin: 03.06.2016
Spielzeit: 34:04

Copyright Cover: My Favourite Chords



Über den Autor

Christopher