Review

Kid Ikarus aus Zürich stehen mit ihrer Musik für Post-Rock und starre Ambient-Elektronik, mit der sie auch dieses Jahr wieder an den Start gehen. Auf guten vierzig Minuten gibt „Playback Dreams“ die volle Breitseite aus schweren Gitarrenriffs, schleppenden Rhythmen, aber auch verzweigten Synthies und pumpenden Beats.

Bei dem Einstieg „Master Blaster“ handelt es sich nicht etwa um einen Techno-Trance-Hit, sondern einen Song, der mit krachendem Post-Rock bzw. Sludge versehen ist. Die Gitarren klingen düster, die Drums wiegen schwer und von der Elektronik ist kaum etwas vorhanden. Erst mit nachfolgendem „Endless Fun“ schlägt die Band erste elektronische Wellen. Hier dominiert der synthetische Sound und es ist vor allem die drückende Atmosphäre, die diese Titel ausmacht.

Mit mehr Retro-Trance-Sound geht es weiter auf „The Lizzzard Of Ozzz“, welcher gegen Ende besonders durch verrauschte Effekte auffällt. Wo Ikarus Kid zunächst gut anfingen, endet alles bald in Monotonie, ohne nennenswerte Momente. Gleiches gilt für „Easter Eggs“, ein kurzer Song, der mehr an ein Intro als an ein vollständiges Konstrukt erinnert.

„Playback Dreams“ macht es dem Hörer nicht gerade leicht, mit ihm warm zu werden. Die Songs sind teilweise sehr anspruchsvoll konstruiert, was auch die lange Laufzeit des einen oder anderen Titels widerspiegelt. Findet man sich aber in den Zusammenhang ein, kann man so manchen Arrangements etwas abgewinnen. „Soft Power“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie seltsam und zugleich ansprechend Kid Ikarus klingen können. Die Melodien sind weich, während die Snythies knarzen.

Doch es geht noch zugänglicher. Leichte House- und Klassik-Elemente zieren „Sweet Secrets“. Der neun Minuten lange Song verbindet dezenten Post-Rock mit geradlinigen Beats. Zeitlich getoppt vom Schlusslicht „Blaster Master“, das die Dinge mit einer harten Attitüde angeht. Lediglich die Riffs am Ende zeugen von einer gewissen Neutralität.

Kid Ikarus (Copyright: Kid Ikarus)

Kid Ikarus (Copyright: Kid Ikarus)

Es ist äußerst schwer, dieses Album einzuschätzen. „Playback Dreams“ wirkt auf der einen Seite herrlich verdreht und komisch, während es zugleich auch wieder sehr einseitig erscheint. Oft fehlt einfach der Wow-Effekt im Hirn, in das sich der eine oder andere Song festkrallen kann. „Endless Fun“, „Soft Power“ und „Sweet Secrets“ sind definitiv die stärksten Vertreter der Platte. Für den Rest kommt es auf den Geschmack der Hörer an, ob die größtenteils dröhnenden und bedrohlichen Sounds ansprechen werden.

Nichtsdestotrotz ist es so, dass Kid Ikarus hier viele Nerven treffen und auch ein Händchen für Melodien und interessante Arrangements haben. „Playback Dreams“ ist daher ein Album, das man sich zu Gemüte führen sollte, wenn man auf atmosphärischen Elektro-Sound steht, der gerne auch mal über die Stränge schlägt.

Trackliste

01 Master Blaster
02 Endless Fun
03 The Lizzzard Of Ozzz
04 Soft Power
05 Easter Eggs
06 Sweet Secrets
07 Blaster Master

Details

Kid Ikarus – Facebook

Label: Ikarus Records
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 41:24

Copyright Cover: Ikarus Records



Über den Autor

Christopher