Review

Mögt ihr es episch und doch ein wenig elektronisch – quasi cyber-blackmetallisch? Dann seid ihr bei Khadaver aus der Slowakei genau richtig. Sie sind seit 2006 unterwegs und in ihrer Heimat schon eine ziemliche Größe. Mit „Exstinctio Mundi“ erscheint nun ein Konzeptalbum dieser Band.

Anfangs braucht „Exstinctio Mundi“ ziemlich viel Zeit, um Interesse zu wecken. Die Riffs sind irgendwie merkwürdig und dennoch verspielt. Das aber nicht unbedingt positiv. Eher klingt das Ganze nach „versucht und nicht gekonnt“. Viel Epik trifft auf einen eher unausgewogenen Gesamtsound. Die Produktion ist demnach nicht ganz optimal, sodass es oft Passagen gibt, die nicht durchkommen.

Dafür ist die Orchester- und Synthesizer-Fraktion sehr gut dabei. Frontmann und Gitarrist Nihil Nix ist dafür zuständig und macht hier einen wirklich guten Job. Auch wenn sie oft etwas klischeebehaftet daherkommen, passen die Stücke meist gut zusammen.

Was eher nicht so geht, sind die Soli. Im Opener „Zeroborn“ wirken sie ziemlich „drüber“. Zum Glück kommen sie nicht allzu oft vor.

So oft die Band ihre schwachen Momente hat, so häufig werden Parts zu richtigen Sahnestückchen. „Incipit Futurum“ ist beispielsweise ein Garant für Qualität. Der Song vereint Machine Heads Neo Thrash mit derben Synths und einem grandiosen Groove. Dabei kommt sogar elektronische Behemoth Stimmung auf. Der langsame Blastbeat unter dem Machine Head-Part klingt anfangs gewöhnungsbedürftig, bringt aber ordentlich Gewalt in das Werk. Eindeutig der Song, den ihr euch zuerst anhören solltet.

Leider kränkelt die Band an Groovehängern. Oftmals sind die Parts in sich stimmig, aber die Übergänge missglücken. Genau dann klingen Khadaver abgehackt und nicht sehr homogen.

Khadaver (Copyright: Khadaver)

Khadaver (Copyright: Khadaver)

Ein Beispiel für komische Riffs, die sich erst entwickeln müssen, liefert der Song „Progress Through The Firepower“. Das Hauptriff überzeugt anfangs gar nicht, entwickelt sich jedoch nach mehrmaligem Hören zu einem Ohrwurm. Diesen hat die Band auch bitter nötig, da zu den abgehackten Stücken auch noch eine vielleicht gut gemeinte natürliche Produktion kommt, die dem Album allerdings ziemlich viel Drive und Überzeugungskraft nimmt. Das ist schade, denn man merkt den Jungs an, dass da viel Arbeit hintersteckt. Leider können sie ihr Werkeln nicht so recht verpacken, dass man ihnen die Mühen auch abkauft. Man möchte fast sagen, dass sie bei einem Livekonzert als Anheizer eher den ungeliebten ersten Slot übernehmen sollten. Das ist keine Musik für die breite Masse. Gerade die EBM-Anleihen werden viele Metalheads abschrecken.

Fazit: Schade, die Chancen standen trotz umgedrehtem Kreuz eigentlich gut. Die Punkte, die nicht überzeugen können, überwiegen in diesem Fall jedoch, weshalb Khadaver mit „Exstinctio Mundi“ eher eine Nischenband bleibt, die vielleicht zukünftig etwas zugänglicher wird und somit auch eine breitere Masse abdecken könnte. Alle Black Metal Fans, die elektronische Klänge ebenfalls ansprechend finden, sollten mal reinhören.

Video

Tracklist

01 Zeroborn
02 Gods-RW
03 Via Aeons And Cosmos
04 Episteme Finite
05 Progress Through The Firepower
06 I.T.N.O.F.
07 Incipit Futurum
08 Divine Data Corrupted
09 Bionic Industries
10 Exstinctio Mundi

Details

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Label: Self-released
VÖ-Termin: 09.11.2015
Spielzeit: 47:04

Copyright Cover: Khadaver



Über den Autor

Marcus
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