Review

An einen „Success“ erinnert dieses Albumcover eigentlich gar nicht. Allerdings waren KEN mode im Gegensatz dazu mit ihrem energetischen Hardcore und chaotischen Noise umso erfolgreicher. Diese Platte ist eine Achterbahnfahrt durch den musikalischen Teil im Hirn der Jungs. Von der einen Sekunde kann die Band von einem stampfenden in einen stark Indie-angehauchten Sound umschalten.

Aber zu Beginn kommt es dann anders als erwartet. Wenn man mit Song Nummer eins „Blessed“ durch ist, sollte man für alles Weitere gewappnet sein. Der wohl experimentellste Ansatz auf „Success“ besticht durch eine starke Geräuschkulisse, deren Omnipräsenz durch den kompletten Titel hindurch nicht zu leugnen ist. Und bis hin zu den schiefen Saiteninstrumenten am Ende erwartet den Hörer ein schieres Durcheinander aus Vocals, verzerrtem Bass und gnadenlosen Drums. Davon sollte man sich aber für den Anfang nicht abschrecken lassen.

Denn ab „These Tight Jeans“ wird klar, dass KEN mode ihren Hardcore durchaus an den Mann bringen können. Zusätzlich schweben leichte Independent-Ideen über die Songs hinweg. Der Druck wird stetig weiter aufgebaut und auch die Ohren können den Klängen leichter folgen. Dabei erfreuen KEN mode den Hörer mit dem leicht jazzigen „The Owl“, bei dem dieses Mal auch die Streichinstrumente ihren Fokus wiederfinden.

Gearbeitet wird außerdem mit einer Menge verzerrten Flageoletts und eingängigen Riffs, die die Titel immer wieder vorantreiben. Denn die Band kann ihren Sound stellenweise auch melodisch angehen („Management Control“). Die verzerrten Strukturen stellen hierbei ihre eigene Art der Herangehensweise dar. Stimmentechnisch präsentiert man zwei Organe, von denen das tiefere die deutliche Hauptrolle spielt. Man schwankt zwischen dem typisch rotzigen Gesang, den man vom Hardcore sowie Punk kennt, und einer erdigen Klangfarbe hin und her.

KEN mode (Copyright: KEN mode)

KEN mode (Copyright: KEN mode)

In den Lyrics werden gesellschaftliche und soziale Themen verarbeitet, welche jedoch überwiegend aufgezeigt statt kritisiert werden. Vorgetragen oft auf eine sarkastische Art und wahlweise in Erzählform neben dem kraftvollen Geschrei.

Zum Ende hin wird „Success“ etwas monotoner und zäh, was dann den Sound neben einem her laufen lässt. Hier heißt es, sich kurz zu konzentrieren, um auch ein paar catchige Parts in den Titeln nicht zu überhören. Interessant wird es zum Schluss dann noch mal mit „Dead Actors“, welcher mit seinen schweren Drums leichten Doom-Flair mit Indie aufkommen lässt.

KEN mode schütteln sich auf ihrer Platte einen unterhaltsamen Song nach dem anderen aus dem Ärmel. Sei es nun auf die Art, die man im Pit zelebriert, oder doch der Titel mit einem experimentelleren Faktor. Fakt ist, dass man auf „Success“ in einen Rausch aus Energie und akustischer Katharsis verfällt. Es kann eventuell mehr als einen Anlauf brauchen, damit die komplette Platte zündet, aber sobald sie es tut, kommt man nicht mehr los. Zufriedenstellendes Ergebnis der Band, welche das Augenmerk nicht nur auf die stumpfe Hau-Drauf-Methode, sondern auch auf Abwechslung gelegt hat.

Video

Trackliste

01 Blessed
02 These Tight Jeans
03 The Owl
04 I Just Liked Fire
05 Management Control
06 A Passive Disaster
07 Failing At Fun Since 1981
08 A Catalog Of Small Disappointments
09 Dead Actors

Details

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Label: Season Of Mist
Vö-Termin: 15.06.2015
Spielzeit: 38:00

Copyright Cover: Season Of Mist



Über den Autor

Christopher