Review

Es ist wieder mal Zeit für Krachmusik. Dieses Mal beglückt uns die tschechische Band Keep On Rotting mit ihren Auswürfen. Anstatt der üblichen gewaltverherrlichenden oder satanistischen Darstellungen wendet sich das auffallende Albumcover mehr dem Expressionismus zu. Und nichts anderes als moderner Death Metal mit einem Durcheinander aus technischen Zügen erwartet einen auf „Unforseen Consequences“.

Der Albumtitel ist Programm, denn die fünf Jungs zeigen sich wandelbar, was Sound- und Rhythmusstrukturen angeht. Von Hochgeschwindigkeit bis zum Beat Down ist alles vorhanden. Allerdings erhöhen bzw. verringern Keep On Rotting das Tempo immer ohne Vorwarnung. Und so wird der Hörer aus schnellem Tremolo Death Metal herausgerissen, um mit stampfenden Akkorden zertreten zu werden.

Allerdings praktiziert die Band nicht durchgehend das Prinzip „direkt ins Gesicht“. Der Song „Freud’s Secret Desire“ ist eine Melodiebombe mit einem akustischen Intro, das aussagekräftiger nicht sein könnte. Der weitere Aufbau des Titels baut durchweg Spannung auf, um in einem Break zu enden, der entfernt an Mathcore erinnert. Doch nicht nur da bedient man sich experimenteller Elemente. In „Beneath The Grandma’s Stroke“ (Death Metal Titel durch und durch) wird ein Solo mit doppelter Tonspur gespielt. Dieser unharmonische und leiernde Effekt wirkt passend verdreht.

Ansonsten werden auf „Unforseen Consequences“ die Saiten bis zum Glühen heiß gespielt und kaum ein Ton oder eine Lage bleiben verschont. Das alles aber in einem gesunden Rahmen, sodass man sich nicht direkt von der Mischung Blast Beat und Tongewirbel erschlagen fühlt. „To Die On Time“ besticht in der Mitte durch grooviges und melodisches Palm-Muting und lässt gegen Ende dann noch einmal die komplette Aggressivität hochkommen, untermalt von einem Tapping-Riff.

Aber was da bei „Lethe“ passiert ist, ist durchaus fragwürdig. Ein Song, der so gut hätte sein können. Prinzipiell bestehend aus solidem Death Metal und einer Menge Atmosphäre. Leider passt das Feature mit dem Vocalist einer anderen Band mit seiner Trommelfell zerreißend hohen Hardcore-Gesangsstimme einfach nicht zum Rest des Titels. Es wirkt bei diesem Titel einfach nur fehl am Platz und es wird kein angenehmer Kontrast erzeugt.

Keep On Rotting (Copyright: Keep On Rotting)

Keep On Rotting (Copyright: Keep On Rotting)

Zum Glück bleibt das der einzige Aussetzer auf „Unforseen Consequences“ und beim Rest der Platte wird noch einmal ordentlich Gas gegeben. Leider bleiben die zu Anfang noch oft auftretenden Überraschungen aus, kommen nur hier und da noch einmal zum Vorschein.

Auf „Unforseen Consequences“ darf man sich an knallenden Leersaiten und offenen Akkorden vergnügen. Das Album wird das Genre zwar nicht revolutionieren, aber um eine solide Platte erweitern. Die Instrumente sind gut eingespielt und es werden sich bereits zu Beginn sämtliche Eingeweide aus dem Leib gebrüllt. Dennoch wirken Keep On Rotting nicht zu stumpf und man darf sich einiger Variationen erfreuen, welche das Album originell klingen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Band nicht (wie im selbst eingebauten Sample am Schluss) den Abguss runtergespült wird.

Trackliste

01 Introitus
02 Beneath The Grandma’s Stroke
03 Freud’s Secret Desire
04 Ones And Noughts Pool
05 Rewarded With Extinction
06 To Die On Time
07 Lethe
08 Unforseen Consequences
09 Ručník, Který Nikdy Neuschne

Details

Keep on Rotting – Facebook

Label: MetalGate Records
Vö-Termin: 30.10.2013
Spielzeit: 34:07

Copright Cover: MetalGate Records



Über den Autor

Christopher