Review

Was kann von einem Album erwartet werden, das „Rockland“ heißt? Die ersten Assoziationen wären wohl gitarrenlastige Songs, eine Mischung aus Party und Frustrationsabbau und dazu ein kerniger Gesang. Tja, aber wenn die dazugehörige Band Katzenjammer heißt, verschiebt sich diese Erwartungshaltung bereits etwas, fort von dem Mainstream-Radiogedudel, hin zu einer ungewöhnlichen Mischung aus Country, Pop, Folk und Rock. Doch auch hier wird mit Blick auf die vergangenen beiden Alben vor allem gute Laune erwartet. Was aber nun ist denn „Rockland“ für eine Platte?

So viel sei jetzt schon gesagt: Sie ist anders als ihre Vorgänger! Doch anders heißt auf keinen Fall schlechter. Während es bei anderen Künstlern vielleicht zu Stolpersteinen kommt, wenn sie sich das erste Mal als Songwriter versuchen, so scheinen die vier Norwegerinnen mit dieser neuen Aufgabe vollends Erfüllung gefunden zu haben.

Die elf Songs des Albums glänzen mit einer insgesamt klareren Ausstrahlung. Während die Vorgängeralben wild und sprunghaft waren und damit mehr einer musikalischen Spielwiese glichen, ist „Rockland“ geerdeter. Ohne etwas von ihrem Esprit und ihrem Freigeist eingebüßt zu haben, schafften Anne Marit Bergheim, Turid Jørgensen, Marianne Sveen und Solveig Heilo ein in sich stimmiges und abgerundetes Werk.

Mit bekannten, countrylastigen Klängen wie etwa beim Opener „Old De Spain“ holen sie die Hörer ab und führen sie aber schnell in spannende neue Welten wie beispielsweise den Ausflug in den Rap beim basslastigen „Oh My God“. Daran knüpft nahtlos und ohne befremdlich zu wirken die erste Single-Auskopplung „Lady Grey“ an – ein melodisch-leichter Song, der sofort ins Ohr geht.

Einen kleinen Tribut an ihre nordische Heimat zollen die vier Damen im Track „My Own Tune“, wo eine Strophe in ihrer Muttersprache gesungen wird und sich damit auch dem deutschen Hörer nicht verschließt. Ein weiterer Ausflug, diesmal aber in den Blues, wird bei „Driving After You“ begangen: Ein Song zum Schwelgen und Träumen, der mit einem rauchig-satten Gesang die Instrumente abrundet.

Der zweite Ohrwurm der Platte findet sich dann fast am Ende. „My Dear“ ist ein poppig-leichter Song, der eine nahezu schon kindliche Begeisterung ausstrahlt und mit dieser positiven Art einfach nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen ist.

Katzenjammer bringen ihr 3. Studioalbum raus. (Copyright: Paal Audestad)

Katzenjammer bringen ihr 3. Studioalbum raus. (Copyright: Paal Audestad)

Ungetrübt und ehrlich klingt „Rockland“ schließlich auch mit dem gleichnamigen Titelsong aus, welcher mit seiner leisen, zierlichen Melodie in den Strophen pur daherkommt, mit dem vierstimmigen Harmoniegesang der Künstlerinnen während des Refrains aber dann doch opulentere Phasen bietet.

Somit stellt das Lied das perfekte Äquivalent für das Album dar. Denn genau wie der Song ist „Rockland“ ein ausgeglichenes, ausgefeiltes Auf und Ab, welches mit etwas weniger Mitteln den Weg genauso spannend und abwechslungsreich wie ehedem zielsicher ins Hörerherz findet.

Der Name „Rockland“ bezieht sich im Übrigen auf Allen Ginsbergs Gedicht „Howl“. Dort wird mit Rockland eine psychiatrische Klinik bezeichnet – ein Ort für Außenseiter. Und genau so empfindet sich auch die Band Katzenjammer: Individualisten, die nicht überall hineinpassen und in ihrer eigenen Welt mit ihren eigenen Regeln leben. Eine Welt, die empfindlich wie eine Seifenblase ist, in die man sich aber gerne flüchten möchte – und mit „Rockland“ auch kann!
Sowohl für Fans der Ladys als auch für Neueinsteiger ein Leckerbissen, der sich lohnt.

Video

Tracklist

01 Old De Spain
02 Curvasious Needs
03 Oh My God
04 My Lady Grey
05 My Own Tune
06 Shine Like Neon Rays
07 Driving After You
08 Flash In The Dark
09 My Dear
10 Bad Girl
11 Rockland

Details

Katzenjammer – Homepage
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Label: Vertigo Berlin (Universal Music)
Vö-Termin: 16.01.2015
Spielzeit: 42:41

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.