Review

Kaizer aus Berlin präsentieren mit „Leidwerk“ ihr zweites Album.

Für die Produktion der darauf zu hörenden zwölf Tracks zeichnet Chris Harms (Lord of the Lost) verantwortlich. Und wie diese klingen sollen, darüber gibt bereits der Pressetext wie folgt ein wenig Aufschluss:

Die neuen Songs schlagen wie ein Gewitter ein, gehen voll nach vorne und greifen mit ihren Texten Themen auf, die ins Mark gehen.
Musikalisch gibt es hier eine düstere Mischung aus harten Gitarrenriffs, melodischen Synthies, treibenden Bässen und einer Front von zwei SängerInnen, Anna und Alex, die gemeinsam nach vorne preschen.

Die Tracks

Schon im zum Opener „Leitwerk“ gedrehten Video wird deutlich gemacht: Dieses Werk ist „als Manifest verfasst, um euch das Leid zu nehmen“. Entsprechend eingängig fällt der Song aus und lädt durch den mehrstimmigen Gesang im Refrain prompt zum Mitsingen ein. Hier bekommt man eine ordentliche Ladung Goth-Rock auf die Ohren, die die Hörer abholt.

Mit einer Akustikgitarre wird zunächst „Dunkelheit“ eingeleitet, der dann aber von düsteren, harten Klängen und choralem Gesang abgelöst wird. Der zweistimmige Gesang wird von Alex und Anna bestritten, welche den Text größtenteils zusammen singen. Nur in der zweiten Strophe findet sich ein Wechselspiel zwischen den beiden Gesangsstimmen. Zwischendurch gibt es immer wieder Parts, die von einem Piano begleitet werden. Trotz der teils harten Klänge verleiht das Piano dem Ganzen eine sanfte Note.

Mysteriös schließt sich „Wann immer“ durch Klavierklänge, gezupfte Gitarrentöne und einem recht dunklen Klangteppich an. Das Klavier zieht sich durch den gesamten Song. Die erste Strophe singt Anna sehr gefühlvoll und traurig zugleich. Im Refrain steigt dann Alex mit ein und der Titel entwickelt sich zu einem zauberhaften Duett. Die Instrumentierung untermalt den Gesang mit bittersüßen Klängen.

Die Instrumentierung von „Federkrieg“ ist wiederum recht einfach gehalten, macht den Track jedoch sehr eingängig. Insbesondere der Refrain hat Ohrwurmpotenzial.

Im Intro von „Aschekleid“ singt ein Kinderchor. Die Strophen werden in einer Art Sprechgesang von Alex angestimmt, welcher von den Instrumenten recht stakkato, fast schon Marsch-ähnlich begleitet wird. Im Refrain singt dann Anna zusammen mit dem Kinderchor den Text wie im Intro. Es jagt einem fast einen kalten Schauer über den Rücken, wenn man sich den Text anhört.

Ein sehr trauriger, ruhiger Titel ist „Gib mir ein Zeichen“, der von einem Pianointro eingeleitet wird. Das Piano ist nahezu die einzige instrumentale Begleitung der beiden Stimmen. Dieses steht sehr im Vordergrund und nur leise kann man zusätzliche Klänge erahnen. Durch diese aufgebaute Intimität wird der eine oder andere Hörer wohl ein Tränchen verdrücken müssen.

Ein verzerrtes Gitarrenriff, Pianoklänge und Synthesizer-Sound leiten „Fliegen“ ein. Ein netter Song für zwischendurch.

Bei „Göttersagen“ sind zu Beginn prasselnder Regen und die Klänge der Akustikgitarre zu hören, die eine sanfte Melodie zupft. Es kommt ein paar Takte lang eine zweite Gitarre hinzu, dann wird die volle Instrumentierung aufgefahren und ein epischer Sound aus Streichern, Bass, Gitarre und Drums erhebt sich.

In „Sterne“ fallen die Instrumentierung und Melodieführung sowohl in den Strophen als auch im Refrain recht ähnlich aus; lediglich im Refrain wird die Gitarre etwas lauter und aufdringlicher. Die Strophen werden von Alex übernommen, den Refrain singt Anna. Eine Art Rap-Part übernimmt Alex gegen Ende des Songs. Zum Schluss wird der Refrain mehrfach wiederholt, wohl um sich ins Gehör zu brennen.

„Vorwärts“ ist nicht nur der nächste Titel, sondern auch das Motto der Band. Keine andere Richtung ist denkbar. Auch hier gibt es wieder ein Intro mit Piano. Die Instrumentierung ist insgesamt sehr vorantreibend. Die knallenden Drums geben den Takt vor, mit dem sich die Gruppe nach vorn bewegt. Auf in Richtung Zukunft.

Kaizer (Copyright: Kaizer)

Ein relativ ruhiger, beinahe schon „schnulziger“ Song ist der Titel „Klare Worte“. In den Strophen hat der Gesang keine großen tonalen Ausschläge noch oben oder unten, was ihn fast schon etwas sonor macht. Die Strophen hingegen zeigen einen größeren Tonumfang. Der Track ist nett anzuhören, aber ihm fehlt der Wow-Effekt.

„Weißt Du denn“ ist schließlich der letzte Track auf der Scheibe. Das Intro wird nach und nach mit den Instrumenten aufgebaut und so sind auch Bläser zu hören. Die Gitarrenriffs in den Strophen sind schön schräg und verzerrt. Im Refrain zeigen die beiden Stimmen noch mal ihr Können und entwickeln sich zu einem kraftvollen Duett. „Weißt du denn, was Liebe ist?“ Mit dieser Frage darf sich nun der Hörer beschäftigen.

Fazit

Sowohl musikalisch als auch gesanglich hat sich die Band weiterentwickelt und eine Scheibe geschaffen, die sich hören lassen kann. Dank Chris Harms wurde das Ganze auch soundtechnisch auf die nächste Ebene angehoben.

Die Tracks sind teilweise sehr eingängig. An manchen Stellen klingt der Gesang aber leider so, als seien die Töne nicht richtig getroffen worden. Arbeiten sollte man zudem noch am Wow-Effekt, der an manschen Stellen eines Tracks schmerzlich vermisst wird.


Leidwerk

Video

Tracklist

01 Leitwerk
02 Dunkelheit
03 Wann immer
04 Federkrieg
05 Aschekleid
06 Gib mir ein Zeichen
07 Fliegen
08 Göttersagen
09 Sterne
10 Vorwärts
11 Klare Worte
12 Weißt Du denn

Details

Kaizer – Homepage | Kaizer – Facebook

Label: Trisol Music Group
Vö-Termin: 13.08.2021
Spielzeit: 48:55

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem