Review

Kaipa ist eine Band, die vor allem in den 70er Jahren als Aushängeschild des Progressive Rocks in ihrer Heimat Schweden galt.

Allein ihre Schaffensperiode von 1975 bis 1982 brachte fünf erfolgreiche Alben hervor, die nun als Remasters erneut unter das Volk gebracht werden sollen. Das selbstbetitelte Album „Kaipa“ sowie das Werk „Inget Nytt Under Solen“ erschienen bereits im Mai 2015 als remasterte Version, mit „Solo“, „Händer“ und „Nattdjurstid“ folgt nun die Überarbeitung der drei weiteren Veröffentlichungen aus der Hochphase der Band.

Solo

Albumcover: "Solo"

Albumcover: „Solo“

wurde ursprünglich im Jahr 1978 über das Label DECCA als drittes Album der Band Kaipa veröffentlicht und wird als letztes und zugleich bestes Werk aus der Frühphase der Schweden betrachtet.

Eröffnet wird das Album mit einem Lachflash – nein, nicht seitens der Rezensentin, sondern innerhalb des Titels „Den Skrattande Grevinnan (The laughing countess)“. Kurz darauf setzt die Musik ein und man fragt sich – nicht zuletzt durch die funky Note und den psychedelischen Keys, auf welchem Trip die Band beim Einspielen des Tracks wohl war. Das Zeug scheint auf jeden Fall gute Laune zu machen, man will es auch. Stattdessen bleiben wir als Hörer aber doch lieber bei der reinen Musik Kaipas und die kommt mit retro-progressiven Klängen daher, welche soundtechnisch nun ein wenig intensiver an die Moderne angepasst wurden.
„Den Skrattande Grevinnan (The laughing countess)“ ist dabei rein instrumental angelegt. Verspielt und komplex, aber dennoch sehr strukturiert, besitzt der Song vor allem sehr helle und teils schrille Keys, während die Gitarren – Kontrast bildend – dunkler gehalten werden.

Folgesong „Sen Repris (Late reprise)“ lässt dann erstmals den Gesang von Kaipa verlauten. Auf Tango-Beat und Keyboards mit orgelartigem Sound legt sich eine vordergründige Stimme, welche die Lyrics auf Schwedisch vorträgt.

Letztlich fehlen auf dem Album auch ausgeprägte Gitarrensoli nicht, wie ein balladesker Titel wie „Anar Dig (Sensing you)“ sie beispielsweise aufweist.

Dass Kaipa ab und an ein wenig was von Stimmungsmusik der 70er Jahre versprühen, hört man in „Frog Funk (Frog funk)“ heraus und ist dem damaligen Trend geschuldet, als die Band ihre größten Erfolge verbuchen konnte. In der Gegenwart wirkt dies selbstverständlich – und trotz überarbeiteten Sound – immer etwas überholt, sodass die Remaster-CDs allesamt eher ausschließlich Fans der Band und Nostalgiker ansprechen werden. Ein Vor- und gleichzeitig großer Nachteil. Dennoch muss man sagen, dass Kaipa ihrer Zeit damals mehr als voraus waren. Mutig, melodisch und songwriterisch auf hohem Niveau setzten sie zu Recht Maßstäbe im Prog Rock.

Händer

Albumcover: "Händer"

Albumcover: „Händer“

macht da keine Ausnahme.
Das Album folgte im Original nur zwei Jahre nach „Solo“. 1980 war also das Jahr, als das vierte Album über das Label Polar publiziert wurde.
Das Besondere an der Remaster-CD ist die Tatsache, dass „Händer“ damit erstmals überhaupt auf CD erscheint.

Stilistisch gehen Kaipa mit „Händer“ mehr in die rockige Richtung.
Acht Songs zeugen davon und vernachlässigen die noch stark ausgeprägte funkige und teils psychedelische Note von „Solo“. Leicht angerockte Genesis, so klingen Kaipa nun. Und das spiegelt sich auch im Gesang wider.

Die Keyboards stehen gemeinsam mit den Vocals nun im Vordergrund. Erstere zeigen sich nun von einer sehr dichten und weniger schrillen Seite. Die Titel werden mehr auf den Punkt gespielt und die Komplexität beschränkt sich auf progressive Grundzüge.

„Händer“ kann durch seinen bereits modernen Touch alles in allem auch heute noch – selbst in nicht überarbeiteter Variante – überzeugen, besitzt das Album doch eine gewisse Zeitlosigkeit.

Nattdjurstid

Albumcover: "Nattdjurstid"

Albumcover: „Nattdjurstid“

bildet (nach abermaligen Besetzungswechseln) das fünfte Album von Kaipa und wurde damals 1982 veröffentlicht. Die 80er Jahre hielten auch Eingang in den Sound der Band, die mit dem Werk zum Label Piglet Records wechselten.

Neben den ursprünglichen neun Songs enthält die 2016er Version mit den Titeln „Cellskräck (Claustrophobia)“, „Bländad Ikväll (Blinded tonight)“ und „Armé Av Lust (Army of desire)“ drei Bonustracks.

Wie schon „Händer“ ist auch „Nattdjurstid“ durch die Remaster-Veröffentlichung erstmals auf CD erhältlich.

Bevor es in eine 19 Jahre andauernde Pause für Kaipa ging, zeugten die Songs auf „Nattdjurstid“ von ihrem Talent, sich der sie jeweils umgebenden musikalischen Strömung anzupassen und deren Einflüsse in ihre Musik mit einfließen zu lassen. Besonders den Keyboards und den hintergründigen (Synthie)Zugaben ist dies auf dem – teils wieder an Funk-Elementen zunehmenden – Album anzuhören.

Kaipas Weiterentwicklung ist besonders durch die Remaster-CDs nun auf einen Schlag zu hören. Die wiederveröffentlichten Alben mit überarbeitetem Sound sind daher besonders für Fans eine Bereicherung und stellen zugleich eine nette Retrospektive dar.

Solo

Tracklist:
01 Den Skrattande Grevinnan (The laughing countess)
02 Sen Repris (Late reprise)
03 Flytet (The flow)
04 Anar Dig (Sensing you)
05 Frog Funk (Frog funk)
06 Visa I Sommaren (A summer air)
07 Tajgan (The taiga)
08 Respektera Min Värld (Show respect to my world)
09 En Igelkotts Död (Death of a hedgehog)
10 Total Förvirring (Total confusion)
11 Sist På Plan (Last man standing)

Details:

Label: Tempus Fugit / SPV
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 50:30

Copyright Cover: Tempus Fugit

Händer

Tracklist:
01 Äntligen (Finally)
02 Händer (Hands)
03 Regn (Rain)
04 Standen Lever (The town is alive)
05 Elgrandi (Elgrandi)
06 Krig (War)
07 Älska Med Mig Igen (Make love to me again)
08 Med Trasiga Segel (With broken sails)

Details:

Label: Tempus Fugit / SPV
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 41:07

Copyright Cover: Tempus Fugit

Nattdjurstid

Tracklist:
01 Galen (Crazy)
02 Nattdjurstid (Time of nocturnal animals)
03 Timmar Av Glas (Hours of glass)
04 Zepapo (Zepapo)
05 Identitetskris (Identity crisis)
06 Inom Oss (Within us)
07 Speglarna (The mirrors)
08 Närmare (Closer)
09 Väntar En Storm (Waiting for a storm)
10 Cellskräck (Claustrophobia) – Bonustrack
11 Bländad Ikväll (Blinded tonight) – Bonustrack
12 Armé Av Lust (Army of desire) – Bonustrack

Details:

Label: Tempus Fugit / SPV
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 53:45

Copyright Cover: Tempus Fugit



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde