Review

Kärbholz geben uns mit ihrer neuen Scheibe ordentlich „Kontra.“.

Das neue Werk mit seinen 13 Titeln soll die Essenz der 15-jährigen Bandgeschichte sein, wie Metalville verlauten lässt. Näher führt das Label dies wie folgt aus:

Kärbholz denken, es braucht kein neues Musikalbum, das zum stumpfen Dagegensein aufruft. Vielmehr stellt „Kontra.“ einen Gegenpol dar. Eine Gegenstimme zum so einfachen, aber gefährlichen Schwarz-Weiß.
„Kontra.“ ist aber auch ein Gegenpol zur eigenen musikalischen Vergangenheit der Band. Die Melancholie des letzten Albums ist einer positiven Aufbruchstimmung gewichen.

Die Tracks

Mit dem bekannten punk-rockigen Sound und der rauchigen Stimme von Frontmann Torben Höffgen ertönt der Opener „Nie wieder“ aus den Boxen. Mutig kritisiert man darin die Taten des Nazi-Regimes und wiederholt: „Es darf nie wieder sein wie vor 88 Jahren“. Nicht nur textlich, auch musikalisch wird dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte sehr gut an die Hörer transportiert. 

Das mit schrillen Gitarrenriffs eingeleitete Stück „Ewig Leben“ vermittelt hingegen die Stimmung von einem Livekonzert und sorgt prompt für gute Laune.

Zu unvermittelt startenden Gesang, der von kurz angeschlagenen Gitarrenakkorden begleitet wird, folgt „Niemals Fallen“. Hier sticht vor allem der sehr eingängige Refrain mit mehrstimmigem Gesang und einem einprägsamen Text positiv hervor.

In „Ein einsamer Ort“ sind es dann die Bassläufe im Intro, die auffallen. Musikalisch vermittelt der Track eine gute Stimmung und könnte sogar partytauglich sein.

Mit Akustikgitarre, Klavier und Streichern wird der Gesang in „Voran“ begleitet, der plötzlich gar nicht mehr so rauchig und rotzig klingt, wie man es bis dato vernommen hat. Mit diesem „cleanen“ Gesang dürften Kärbholz gerne noch viel mehr Songs versehen. Auch der zweistimmige Gesang gegen Ende des Songs trifft mitten ins Herz.

Nachdem „Schlaflos“ mit einem sehr interessanten Rhythmus und seiner besonderen Art der Instrumentierung, die zuweilen an die Band Simple Plan erinnert, verklungen ist, schließt sich „Roter Wein“ an. Jener Titel wirkt lange Zeit musikalisch wie ein Shanty bzw. wie ein Folksong, schlägt dann aber in den bekannten Sound der Band um, der jedoch immer wieder mit Folk-Parts gespickt wird. Wer zu diesem Song nicht feiern kann, bei dem ist wohl Hopfen und Malz verloren.

Eher in Richtung Country Rock verschlägt es Kärbholz mit dem Song „Rückenwind“. Der Song eignet sich perfekt für einen Roadtrip. Gute Laune ist hier garantiert.

Auch mit „Der schwarze Schwan“ bleibt es abwechslungsreich, wirkt das Intro durch die bestimmte Spielart der akustischen Gitarre doch wie ein spanischer Flamenco. Der Gesang wird über zwei Minuten nur von besagter Gitarre begleitet, die den Gesang sehr gut zur Geltung bringt. Im Anschluss folgt der typische Rock-Sound mit harten Riffs und durchmarschierenden Drums.

Als eine Art Electro-Dance-Hit entpuppt sich „Easy“ – durch bisher ungewohnte Synthie-Sounds und Beats. Bleibt abzuwarten, ob sich der Song zu einem wahren Clubhit entwickeln wird; tanzbar ist er auf jeden Fall.

Kärbholz (Copyright: Kärbholz)

Für den Song „Leben und Tod“ holen sich Kärbholz Verstärkung durch Matthi von der belgischen Beatdown-Hardcore-Band Nasty. Entsprechend vorantreibend und hart fällt der Song aus. Trotzdem ist der Gesang in den Strophen relativ monoton, da der Melodieverlauf kaum nach oben oder unten ausschlägt.

Als letzten Track auf der Scheibe gibt es „Vollgas“ zu hören. Dieser Titel stiehlt den bisherigen Songs an Schnelligkeit und Härte die Show. Der Refrain könnte zugleich auch das Motto der Band sein: „Immer Vollgas und keine Angst vorm Scheitern.“

Fazit

Wie bereits erwähnt, soll das Album eine positive Aufbruchstimmung vermitteln. Das ist größtenteils auch gelungen. So gibt es Songs wie „Ewig Leben“, die eine gute Stimmung vermitteln und die Hoffnung schüren, dass irgendwann alles wieder gut wird. Tracks wie „Easy“ oder „Schlaflos“ verbreiten darüber hinaus gute Laune und könnten sich zum nächsten Lieblingssong entwickeln. Die Band ist ihrem musikalischen Stil insgesamt treu geblieben – und das ist auch gut so.


Kontra.(CD Digipak)

Video

Tracklist

01 Nie wieder
02 Ewig Leben
03 Niemals fallen
04 Laternenlicht
05 Ein einsamer Ort
06 Voran
07 Schlaflos
08 Roter Wein
09 Rückenwind
10 Der schwarze Schwan
11 Easy
12 Leben und Tod
13 Vollgas

Details

Kärbholz – Homepage | Kärbholz – Facebook | Kärbholz – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 26.03.2021
Spielzeit: 45:58

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem