Review

Live-Alben sind ja immer so eine Sache. Stimmt die Qualität? Wird die Liveatmosphäre auch in die heimischen vier Wände transportiert? Wirkt der Mitschnitt homogen? Sind die ausgesuchten Songs auch die, welche Fanherzen höher schlagen lassen? Und taugt das Album überhaupt oder ist es nur ein weiteres Medium, das Geld einbringen soll?
Alle Fragen lassen sich in Bezug auf „Live in Antwerp“ von der deutschen Band Kadavar mit „ja“ beantworten, denn auf ihrem 2LP-Set, das zudem als digitaler Download erhältlich ist, bestätigen die drei Musiker deutlich, dass sie auf die Bühne gehören und sich dort auch sehr wohl fühlen.

Dies sahen Fans der Band schon immer so, sodass nicht selten der Wunsch nach einem Live-Produkt geäußert wurde. Diesem kommen Kadavar nun nach, indem das Trio auf ihrer letzten EU-Tour im Jahr 2013 einige Shows mitgeschnitten und auf „Live In Antwerp“ verewigt hat.

Das Ergebnis sind elf Songs, die als Ganzes genossen fast schon als Woodstock-Revival gewertet werden können:
Klassischer 70er Jahre Hardrock wird mit Psychedelic-, Doom- und Stoner-Anleihen vermengt. Hier werden Genre-Fans und Alt-Hippies voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Kadavar (Copyright: Kadavar)

Kadavar (Copyright: Kadavar)

Aber auch Gitarrenliebhaber finden genügend Momente, um sich im Sound der Band verlieren zu können, denn die Präsenz der Sechssaiter ist unumstritten vorhanden und dominiert so manchen Track.
Epische Soli, Verzerrungen en masse und ein Feuerwerk an Riffs zeugen von handwerklichem Geschick, das für die Ewigkeit festgehalten gehört.

Hinzu gesellt sich ein oftmals hypnotischer Bass, der bis tief in die Eingeweide der Hörer wummert. Was live sicherlich ein eindringliches Erlebnis gewesen sein muss, wird durch „Live In Antwerp“ ebenfalls an die Daheimgebliebenen transportiert.

Nichtsdestotrotz ist Kadavar kein Projekt, das die Masse ansprechen wird, denn nur Nostalgiker und Genreliebhaber werden die Musik des Dreiergespanns auch als solche wahrnehmen können. Die Mehrheit der Hörer ohne Gespür für die ‚gute alte Zeit‘ könnte die ausgefeilten und ausschweifenden Instrumentalpassagen eher als Krach interpretieren.

Somit fällt eine adäquate Bewertung nicht leicht. In Hinblick auf die handwerklichen Fertigkeiten, die für Liveverhältnisse gelungene Soundqualität und die allerdings recht enggesteckte Zielgruppe folgen 3,5 von 5 möglichen Punkten.
Daher heißt es für Classic Rock Hörer mit Hang zum Psychedelischen: zuschlagen. Alle anderen sollten vorab lieber Probe hören.

 

Video

Tracklist

Side A
01 All Our Thoughts
02 Living In Your Head
03 Doomsday Machine

Side B
04 Black Sun
05 Eye Of The Storm
06 Broken Wings

Side C
07 Come Back Life
08 Purple Sage

Side D
09 Creature Of The Demon
10 Goddess Of Dawn
11 Forgotten Past

Details

Kadavar – Facebook

Label: Nuclear Blast
Vö-Datum: 06.06.2014
Spielzeit: 72:30 Minuten

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde