Review

Ein Mann und seine Gitarre, das – so könnte man meinen – sind die Zutaten, die ein Album des Singer-Songwriters Joseph Myers ausmachen. Doch dieser wartet mit weit mehr auf, als nur mit seiner Stimme und seinem akustischen Sechssaiter. Und genau das beweist auch das inzwischen zweite Studioalbum „Puzzles and Places“.

Zwar stehen der ruhige, gefühlvolle Gesang und die begleitenden leisen Töne einer Akustikgitarre auf „Puzzles and Places“ stets im Vordergrund, doch auch an Pianoklängen, dezentem Drumming, Streichern (wie Cello und Geige), einem Akkordeon und einem kaum wahrnehmbaren Bass mangelt es auf dem zweiten Album des Musikers und seiner Band nicht.

Diese Mischung gepaart mit traumhaften Melodien, gefühlvollen Details und akzentuierten Highlights, zu finden in jedem einzelnen Song, weiß zu gefallen und erinnert stellenweise gar an Bands wie Coldplay, ohne jedoch an Eigenständigkeit zu verlieren.

Alle Titel auf „Puzzles and Places“ klingen dabei stets „handgemacht“. Die Produktion stellt dies wunderbar heraus. So findet man auf dem Album keinen glattpolierten Sound oder herz- und sinnlose auf Technik konzentrierte Musikstücke, sondern durch die beibehaltenen Ecken und Kanten der Songs und dem ursprünglichen Klang der Tracks wirken sie sehr authentisch und eindringlich. Hier wird aus Liebe und mit Leidenschaft Musik gemacht und das geht auch am Hörer nicht spurlos vorbei. So verursacht ein Titel wie „Waiting“ (ein absoluter Anspieltipp und eines der Highlights des Albums) schon einmal Gänsehaut, „Birds“ hingegen lädt zum Träumen ein, ein „Leaving Home“ wiederum stimmt nachdenklich.

Verdeutlicht werden die emotionalen Momente der Songs insbesondere durch ihre Melodiestärke sowie durch die eindringliche gesangliche Leistung und die Pianobegleitung, die auch auf Solopfaden innerhalb der Tracks überzeugt. Aber auch die Entwicklungen, wie man sie beispielsweise einem Track wie „Until Kingdom Come“, in dem sich auch das Schlagzeug mal nicht zurücknimmt, angedeihen lässt, untermauert die Wirkung des Titels auf den Hörer.

Joseph Myers (Copyright: Ulf Ronnsiek)

Joseph Myers (Copyright: Ulf Ronnsiek)

Es scheint jedoch insgesamt, dass Joseph Myers nicht viel braucht, um ein Album stimmungsvoll zu füllen. Theoretisch könnte sich die Band auch einzig mit der Gesangsstimme begnügen. Man wird jedoch feststellen, dass die Gesamtsumme der hier zum Einsatz gebrachten Zutaten „Puzzles and Places“ zu einem ruhigen, aber nicht minder aussagekräftigen Album macht.
Diesbezüglich holt man sich auch mal eine Gastsängerin mit ins Boot. So unterstützt Marie Katzer in „Footsteps“ Joseph Myers, was im Endergebnis und in Kombination mit den hier erstmals zu hörenden dezenten elektronischen Synthi-Soundflächen hervorragend harmoniert.

Trotz der Ruhe, auf die „Puzzles and Places“ gründet, wird es auf dem Album nicht langweilig. Vielmehr ist Joseph Myers ein Silberling gelungen, in dessen unaufdringliche Klänge man sich leicht fallen lassen und für die Spielzeit von knapp 46 Minuten alles um sich herum vergessen kann. Insbesondere in den jetzt vorherrschenden kühlen Monaten, während die Blätter von den Bäumen fallen und der Wind schon einmal frische Brisen mit sich bringt, wärmen den Hörer Joseph Myers Songs und berieseln ihn auf angenehme Art und Weise. Wer sich auch nur im Ansatz für Singer-Songwriter-Veröffentlichungen begeistern kann, sollte hier dringend zugreifen!

Video

Tracklist

01 Puzzles and Places
02 Waiting
03 Birds
04 All The Lost Souls
05 Behind The Clouds
06 Denmark
07 Until Kingdom Come
08 Footsteps (feat. Marie Katzer)
09 To Give Up Hope
10 Leaving Home

Details

Joseph Myers – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 24.10.2014
Spielzeit: 45:30

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde