Review

Ausgerechnet mit einem Instant-Ohrwurm müssen Joga Club ihr drittes Album „Kolibri“ beginnen. Wo Farbe drauf ist, da ist auch Farbe drin. Elf neue Songs im Indie-Gewand – geeignet für Herz und Seele.

Wie schon erwähnt, zieht der Erstling der Scheibe, „Katapult“, die Hörer sofort in „Kolibri“ hinein. Nicht von den anfänglich ruhigen Klängen täuschen lassen, denn Joga Club legen danach direkt mit brummendem Bass und groovigem Beat los. Dazu dezent eingesetzte Gitarren, leicht sarkastische Texte und ein Refrain, der direkt packt. Entschuldigung, darf ich das noch mal hören?

Wenn man sich dann losreißen konnte, wird man merken, dass es sich hier um ein durchweg ausbalanciertes Album handelt. Zwar verfolgen Joga Club im Kern die Intentionen von Indie-Rock und -Pop, sie verstehen es aber dennoch, auch mal andere Töne anzuschlagen. Von dem Ganzen hebt sich „Megafon“ ab. Die anfänglich lässige Art weicht einer ernsteren, aber verhaltenen Atmosphäre.

Daneben sollte wohl auch der Gesang auffallen, der mit der Zeit vielleicht sogar polarisierend auf den einen oder anderen wirken wird. Kräftig, kernig, ein wenig nasal, aber auf jeden Fall markant. Und warum auch nicht? Schließlich trägt die Stimme immerhin zum Wiedererkennungswert der Band bei. Außerdem bringt sie an manchen Stellen den Rock-Faktor und, noch viel besser, durch kurze Einlagen der Kopfstimme den Pop mit.

Doch auch andere Elemente wie die klassische Quetschkommode oder der knarzige Synthi-Sound prägen die Titel auf „Kolibri“. Diese fügen sich gut in das simple Songwriting ein. Joga Club bringen mit weniger oft viel mehr rüber, als irgendwelche nach Plan konzipierten Erzeugnisse aussagen könnten; auch wenn man sich dann manchmal einer Durststrecke aus zu schmalzigen Texten und arg melancholischen Ansätzen gegenübersieht.

Joga Club (Copyright: Joga Club)

Joga Club (Copyright: Joga Club)

Aber dann scheint der Sound plötzlich zu explodieren und es offenbaren sich einem catchige Titel wie „Sonnenbrille“ oder „Sprengkopf Küss Mich“. Das Riffing bringt es bei beiden einfach auf den Punkt und die Rhythmen sind sowohl fesselnd als auch mitreißend. Und wie schon bei „Katapult“ profitiert der Hörgenuss auch hier wieder von den Hooks.

Zum Ende von „Kolibri“ nehmen Joga Club ein wenig an Energie ab, aber das Schlusslicht „Nachtwanderung“ erzeugt noch einmal diese Mischung aus Erschöpfung und Glückseligkeit. Unter anderem mit kleinen Referenzen zu Filmen oder bekannten Songs. Ein wohl passender Abschluss eines solch (offensichtlich) bunten Albums.

Die Jungs spielen eben mit diesen Klangfarben auf ihrer Platte. Verschiedene Einflüsse prägen die Songs und so bekommt man von der einen Sekunde auf die andere eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge. Dazu gesellt sich Joga Clubs prädestinierte Art, mehr als nur einmal einen Song zum Besten zu geben, der noch wochenlang im Ohr bleiben wird. „Kolibri“ hinterlässt jedes Mal neue einschneidende Eindrücke. Nur noch einmal, ok?

Anspieltipps:
Katapult / Sprengkopf Küss Mich / Nachtwanderung / Sonnenbrille / Ich leg mich fest / Hostel

Video

Trackliste

01 Katapult
02 Megafon
03 Sonnebrille
04 Nirgendwo Wäre Ich Lieber
05 Sprengkopf Küss Mich
06 Hostel
07 Ich Leg Mich Fest
08 Sieben
09 Guter Junge
10 Möglichkeit Eins
11 Nachtwanderung

Details

Joga Club – Homepage
Joga Club – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 44:59

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher