Review

Knapp 40 Jahre nach seinem ersten Album „Silberblick“ ist „der goldene Reiter“ Joachim Witt nach eigener Aussage mit „Rübezahls Rückkehr“ und fantastischen 71 Jahren endlich bei sich und seiner Musik angekommen.

In seiner langjährigen Bühnengeschichte zeigte sich Witt immer sehr experimentierfreudig und konnte mit Songs wie „Kosmetik (Ich bin das Glück dieser Erde)“, „Die Flut“ oder „Das geht tief“ die Hörerschaft von sich überzeugen. Die letzten Alben „Rübezahl“ und sein klassisches Meisterwerk „Refugium“ kamen entsprechend gut an. Nun soll das Nachfolge-Release „Rübezahls Rückkehr“ es ihnen gleichtun.

Die Songs

Während sich Neue Deutsche Welle-Kollegen vermehrt dem Schlager oder der deutschen Popmusik zugewandt haben, tauchte Joachim Witt immer stärker in die „dunkle Szene“ ein – und das zeigt sich auch im Opener „Geist an das Licht“. Nicht nur die Lyrics, sondern auch die Mischung aus klassischen und rockigen NDH-Elementen lassen den Track in einem besonderen Licht erscheinen.

Mit dem Nachfolgesong Kopfschwul“ zeigt der Ausnahmemusiker, dass er noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehört. So brilliert er hier mit harten Klängen und passendem Gesang.

Für Gänsehautmomente sorgt dann „Die Rückkehr“. Die Ballade stellt durch ihren Mix aus klassischer Musik und rockigen Passagen ein wahres Highlight dar. Spätestens jetzt überzeugt Joachim Witt auch die letzten Zweifler mit seinem Gesang.

Viel Gefühl zeigt der NDW-Altmeister auch in „Ich bin immer noch hier“. Dabei untermalen die stimmliche Pointierung und die musikalische Inszenierung die Bedeutung des Textes und setzen diesen kraftvoll in Szene.

Joachim Witt (Copyright: Joachim Witt)

Rockiger und mit wesentlich mehr Power wird dem Hörer „Wo blüht der Mohn“ präsentiert. Ein Track, der sehr NDH-lastig ausfällt, allerdings nicht jeden Hörer begeistern können wird. Gesanglich wie auch musikalisch zwar sehr gut aufgebaut, wirkt der Song insgesamt nicht stimmig genug.

Ruhig, theatralisch und mit einer enormen Schwere kommt „Windstille“ daher. Mit ihm findet das Album schließlich einen gelungenen Abschluss. Die Intensität des Songs ist deutlich spürbar. Der Titel geht wiederum sofort ins Ohr.

Fazit

Wer Joachim Witt in den 80er Jahren gehört hat, sollte alles, was er aus dieser Zeit von ihm kennt, über Bord werfen und mit geschlossenen Augen den Klängen dieses aktuellen Meisterwerkes lauschen. Mit vielen klassischen Elementen und einer intensiven Stimme, welche die Hörerschaft umgarnt, zeigt Witt, dass er weitaus mehr kann, als nur „Der Goldene Reiter“. Einzig die NDH-lastigen Tracks sind nicht immer stimmig genug, um ausnahmslos zu überzeugen. Ansonsten: ein großartiges Album!

 

Video

Tracklist

01 Geist an das Licht
02 Kopfschwul
03 Die Rückkehr
04 Schmerzende Welt
05 Gib mir den Himmel
06 Steinzeit
07 Ich bin immer noch hier
08 Wo blüht der Mohn
09 Zora
10 Rote Tränen
11 Windstille

Details

Joachim Witt – Homepage | Joachim Witt – Facebook

Label: Ventil / Schubert Music Agency GmbH (Sony Music)
Vö-Termin: 08.05.2020
Spielzeit: 50:57

Copyright Cover: Ventil / Schubert Music Agency GmbH (Sony Music)



Über den Autor

Jasmin
Jasmin
Musik ist Balsam für meine Seele