Review

Witt ist wieder da: Mit voller Kraft!

Joachim Witts aktuelles Album „Rübezahls Reise“ bildet zwar den Abschluss der „Rübezahl“-Trilogie, aber lange nicht das Ende. Der Spirit des Berggeistes hat sich nunmehr personifiziert und passt sich dem Wandel der Zeiten an.

Auch hier hört man sofort die musikalisch-voluminöse Handschrift eines Chris Harms heraus, der auf „Rübezahls Reise“ mitunter seinen Gesang beisteuert („In Einsamkeit“) und auch schon die beiden Vorgänger dieser Reihe produzierte.

Das elf Titel umfassende Album strotzt nur so vor Kraft und Mystik und bietet neben schweren Gitarrenriffs und Doom Metal-Elementen die so sympathischen lyrischen Eigenheiten eines Joachim Witt.

Über die Songs

So geht es eingangs schon kraftvoll los mit „Rübezahl“ und „In Einsamkeit“ im Anschluss. Bei Letzterem kommt, wie bereits erwähnt, Chris Harms‘ voluminöse Stimme dazu und gibt diesem Block eine einmalige Vielschichtigkeit sowie ein passendes Gewicht zu Witts donnernder Stimme. Vor dem geistigen Auge sieht man Rübezahl tatsächlich einsam im schwarzen Wald ertrinken.

„So fern“ mutet „fröhlicher“ an und baut sich schnell zu einem Drum-Koloss auf.

Gänsehaut bleibt bei „Shandai Ya“ nicht aus, denn die orchestralen Elemente werden von „The Mystery of the Bulgarian Voices“ und Lisa Gerrard (Dead Can Dance) untermalt. All das zusammen unterstreicht die Lyrics. Und so versteht der Künstler sich meisterhaft darin, ein wahres Panorama an Sound und Song darzubieten. Man fühlt sich von diesem Titel über Berge und Täler hinweg mitgetragen und genießt das cineastisch-musikalische Freiheitsgefühl dabei.

Nicht weniger opulent ist der Track „Die Wölfe ziehen“, der bei Witts tatsächlich wolfsähnlicher Stimme einmal mehr Gänsehaut verursacht. Man glaubt sofort, wovon der Goldene Reiter singt und kann sich dabei der Mystik nicht entziehen, die Gesang und Soundumfang bieten. Da bleiben große Augen und ein Wow-Effekt nicht aus.

Mit „Abendwind“ wird eine Ballade mit einmaligem Soundbild geboten, bei der Joachim Witt die düstere Grundstimmung auch stimmlich nahezu perfekt wiedergibt und somit zu den starken Vorgängern eine ebenso starke, wenn auch ruhige Nummer platziert. Dieser Song ist schlicht stimmig.

„Das Leben in mir“ könnte passender nicht sein. Ging es eben noch kurz zum Verweilen schön zu, schubst uns Rübezahl wieder in dunkle Soundgebilde, nimmt mit auf eine Reise voller Leid, Sehnsucht und orchestraler Stärke und knüpft wieder kraftvoll an die bisherigen Songs an. Die Gitarrenriffs formen eine Power – in Symbiose mit dem Textinhalt -, die wieder schaudern lässt und die besungene Lebenskraft versinnbildlicht.

„Stern“ ist ein wunderschönes Duett mit keiner Geringeren als Claudia Uhle, welche nicht zum ersten Mal ein liebliches Gegengewicht zu Witts dunkler Klanggewalt bietet. Man glaubt beiden sofort, dass der Mut und die Hoffnung beide tragen und ein Stern durch dunkle Nächte den Weg weist. Dudelsack-Melodien untermauern die Emotionen dieses Titels.

Joachim Witt (Copyright: Franz Schepers)

„Die Seele“ erinnert mit Echo-Sounds an Witts Anfänge der NDW-80er. Sie wirken so kühl wie die Aussage selbst. Im Stil anders, als was man bisher auf dem Album hören konnte, aber nicht weniger episch, tiefgründig und ein Beweis für die Bandbreite eines Herrn Joachim Witt.

„Bernstein“ ruft mit einem Horn wiederholt zu umfangreichen Soundbildern. Auch hier fehlt es nicht an Mystik und opulenter Naturgewalt an Klängen. Umwerfend! Man fühlt sich beinahe in die Wikingerzeit zurückversetzt.

Den Abschluss bildet „Ich spür die Liebe in mir“ – und dieser Titel wirkt tatsächlich wie das letzte Aufbäumen zum Ende hin. Schwer, aber trotzdem gleichzeitig leicht rundet der Song das Album musikalisch ab. Der Winter kann kommen; Rübezahl ist am Ende seiner Reise angelangt und somit kann er in Frieden in die Stille hineingehen. Es könnte passender nicht sein, um einen Abschluss für ein solches Album zu finden.

Fazit

Rübezahl hat tatsächlich eine Reise hinter sich mit Höhen, Tiefen, Weiten. Mit hellen und dunklen Momenten, einer Klanggewalt, die seinesgleichen sucht und schließlich den Frieden in sich findet.
Dieses Album mutet an, als wolle es den Soundtrack für Fantasy-Blockbuster eines Formates à la „Herr der Ringe“ stellen – und könnte dies auch mühelos. Die Klangwelten, die hier dargeboten werden, regen nicht nur das Gehör der Zuhörer:innen an, sondern auch das geistige Auge und besonders die Fantasie.
Selten gab es durchgehend so viel Gänsehaut, wie in diesen kompakten elf Songs. Ein Ruf der Freiheit und des Friedens in sich selbst.

Video

Tracklist

01 Rübezahl
02 In Einsamkeit (feat. Chris Harms)
03 So fern
04 Shandai Ya (feat. The Mystery of the Bulgarian Voices)
05 Die Wölfe ziehen
06 Abendwind
07 Das Leben in mir
08 Stern (feat. Claudia Uhle / X-Perience)
09 Die Seele
10 Bernstein
11 Ich spür die Liebe in mir

Details

Joachim Witt – Homepage | Joachim Witt – Facebook

Label: Ventil / The Orchard
Vö-Termin: 25.02.2022
Spielzeit: 47:20

Copyright Cover: Ventil



Über den Autor

Daggy
So ist das Leben, sagte der Clown mit Tränen in den Augen, und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.