Review

Singles haben es meist so an sich, dass sie nicht ganz grundlos und ohne Berechnung veröffentlicht werden. Neben ihrem Erfolg versprechenden Hitpotenzial dienen sie oftmals als Repräsentanten eines Albums und sollen Einblick in das jeweils derzeitige musikalische Schaffen eines Künstlers geben.
Eine Kollektion seiner bekanntesten Singles hat nun Jimmy Martin unter dem Namen „Berlin“ zusammengestellt.

Als Pop-Rock können die Tracks seiner Compilation bezeichnet werden, während beide Genres mal mehr und mal weniger stark betont werden.

Ob eher poppig oder rockig, einen gemeinsamen Nenner finden die Titel in einem satten Sound, der durch eine glatte Produktion und die eingebrachten Pop-Nuancen einen modernen Anstrich verpasst bekommt. Die Moderne hält auch insofern Einzug auf „Berlin“, indem vor Rap nicht zurückgeschreckt wird. So legt gleich die Coverversion von „My Sharona“ (im Original von The Knack) dynamisch los und hält mit Tony Corleone am Mikro sinnig integrierte Rap-Parts bereit. Jene fallen im Opener weniger auf als in den ebenfalls auf „Berlin“ vorhandenen Bonustracks, die das Album imaginär in zwei Teile gliedern. Denn nach acht Single-Songs von Jimmy Martin folgen sieben Bonustracks, die bisher nur in digitaler Form erhältlich waren.

Quantitativ gibt es hier somit nichts zu beanstanden, und auch in qualitativer Hinsicht sorgen das Hitpotenzial der Tracks und der Sound des Albums – abgesehen von fehlenden Ecken und Kanten – für kaum nennenswerte Beanstandungen. Es ist allerdings eine Geschmacksfrage, wie die Bonustracks bei den Hörern ganz individuell ankommen und abschneiden.
Ein Song wie „My Sharona“ neigt beispielsweise dazu, trotz immer wieder catchiger Melodie totgespielt zu werden. Schnell hat man sich an diesem Dauerbrenner somit sattgehört, sodass die Überdosis an „My Sharona“ in diversen weiteren Versionen selbst Hörer mit dickem (Trommel)fell in die Knie zwingen wird. Gewöhnungsbedürftig sind diesbezüglich die allzu poppigen Varianten wie der „Extended Club“ und „Short Club“ Remix.

Jimmy Martin (Copyright: Jimmy Martin)

Jimmy Martin (Copyright: Jimmy Martin)

Anders sieht es mit den balladeskeren Titeln auf „Berlin“ aus. Gerade wenn es Richtung Herbst/Winter geht, können vor allem ruhige Songs bei vielen Hörern punkten. Und so sticht (nicht nur aufgrund der kalten Jahreszeit) besonders „Love Don’t Live Here Anymore“ in seiner „Acoustic Version“ positiv aus den Bonustracks hervor.

Fans erhalten hier eine gelungene Zusammenstellung aussagekräftiger Hits des Musikers, während Neulingen ein umfangreiches Kennenlernen ermöglicht wird, denn insgesamt präsentiert Jimmy Martin mit „Berlin“ eine abwechslungsreiche Mischung seines Schaffens, die von modernen AOR- und Classic Rock-Hymnen über Stadionrock-Krachern und Pop-Rock-Hits („Superhero“) bis hin zu Duetten wie „I Wish You Here Tonight“ mit Robin Beck reicht. Damit ist Songmaterial vertreten, das als eine Art „Best of“ durchaus empfehlenswert ist.

Preview

Video

Tracklist

01 My Sharona (feat. Tony Corleone)
02 Live your dream
03 Love Somebody (feat. Rick Springfield; Single Version)
04 Born to run
05 Love don’t live here anymore (Single Version)
06 Superhero (Single Version)
07 I wish you here tonight (feat. Robin Beck)
08 Break Free
Bonustracks:
09 My Sharona (feat. Tony Corleone; Extended Club Mix by Caine)
10 My Sharona (feat. Tony Corleone; Short Club Mix by Caine)
11 My Sharona (Remix Version)
12 Love Somebody (feat. Rick Springfield; Radio Dance remixed by Mic and Sven for Forward Music, Berlin)
13 Love Somebody (feat. Rick Springfield; Extended Rock Mix)
14 Love don’t live here anymore (Acoustic Version)
15 Superhero (Rock Mix)

Details

Jimmy Martin – Homepage
Jimmy Martin – Facebook

Label: Fastball Music / Bob-Media / Believe Digital
Vö-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 51:33

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde