Review

Erinnert ihr euch noch an die Ausschweifungen in der Internetwelt und eure nette Bekanntschaft dort? Tja, offensichtlich hat diese ein Album veröffentlicht. Jessica93 ist aber mehr als nur ein Alias, es ist auch eine vom Shoegaze und Psychedelic Rock beeinflusste Band.

Und als Solo-Künstler hat man dann auch seinen Koffer voller Effekte dabei, wie u.a. Pedale für Loops oder Distortion. Durch die Verwendung von viel Hall im Sound wird auf „Rise“ eine Menge Atmosphäre geschaffen.

Jedem Titel wurde sein eigenes Gitarrenriff verpasst, welches sich durch den kompletten Song hindurchzieht. Dabei rollt ein brummender Bass munter über den elektronischen Beat. Aber obwohl die Drums sehr künstlich klingen, kommen diese Synthi-Effekte in Songs wie „Asylum“ und „Uranus“ gut zur Geltung; verleihen dem Ganzen einen 80s/90s Touch.

Um auf die repetitiven Riffs zurückzukommen. So etwas kann auf Dauer durch das Fehlen von Variationen oder Breaks doch sehr anstrengend für die Ohren sein. Natürlich ist es im Shoegaze üblich, die Töne in die Länge zu ziehen, aber dennoch leidet am Ende der Hörgenuss darunter.

Jessica93 (Copyright: Jessica93)

Jessica93 (Copyright: Jessica93)

Allerdings erzeugen die Saiten stellenweise auch sehr innovative, schon fast zerreißend gute Riffs.
Ein dröhnender Bass zu Beginn des Titels „Surmatants“ wechselt sich mit einem simplen, aber effektiven Tongeflecht ab. „Rise“ sorgt oft für das psychedelische Kopfkino, allerdings sprechen wir hier von keinem positiven Trip. Im Großen und Ganzen klingt das Album sehr kalt und emotionslos. Davon ist aber nicht die musikalische Leistung betroffen, denn diese will dieses Gefühl bewusst erzeugen.

Von der Stimme her klingt Jessica93 sehr weit entfernt. Die Instrumente spielen deutlich hörbar die Hauptrolle auf „Rise“. Was eigentlich schade ist, denn der hallende Gesang erzeugt zwar noch mehr Tiefe, wäre aber nur für bestimmte Passagen sinnvoller gewesen. Die Lautstärke der verträumten Vocals hätte man ruhig etwas hochschrauben können. Verstecken brauchen sich diese jedenfalls nicht.

„Rise“ hat seine Höhe und Tiefen. Allgemein macht die Platte durch ihre düstere Art und die teilweise groovigen Rhythmen wirklich etwas her. Auf der anderen Seite verlieren sich die Songs oft in sich selbst und hinterlassen eine Geräuschkulisse, die ins Nichts führt. Auch fällt es schwer, einen gewissen Wiedererkennungswert zu entdecken.

Nichtsdestotrotz sollte man das Album einfach mal auschecken, da sich hier eine Menge Potenzial versteckt. Viele der Einflüsse und Ansätze lassen sich gut anhören, und wer in abstrusen Fantasien verschwinden möchte, ist mit „Rise“ gut bedient. Mehr geht aber immer.

Video

Trackliste

01 Now
02 Asylum
03 Karmic Debt
04 White Noise
05 Surmatants
06 Inertia
07 Uranus

Details

Jessica93 – Homepage
Jessica93 – Facebook

Label : Music Fear Satan / Broken Silence
Vö-Termin: 00.01.2015
Spielzeit: 41:20

Copyright Cover: Music Fear Satan



Über den Autor

Christopher