Review

„Bird Of Passage“, unter diesem Titel laufen die ersten auf Platte gepressten Songs der Band Jail Job Eve aus Osnabrück. Obwohl die EP äußerlich psychedelischen Rock vermuten lässt, begibt sich die Truppe mit den sieben Songs auf einen deutlich Blues-lastigen Pfad. Hinzu kommt eine heißblütige, rockige Attitüde und ein wenig Verspieltheit, was die Klangfarbe der Songs angeht.

Zunächst einmal nutzen Jail Job Eve viele verschiedene Elemente des Blues, wie z.B. den eingängig groovigen Rhythmus, und verpassen ihnen einen modernen Anstrich. So fühlen sich die Stile innerhalb der Songs einheitlich und nicht allzu konzipiert an. Einer der Songs, der in dieser Hinsicht auf „Bird Of Passage“ am meisten hervorsticht, wäre „Lonely Death“.

Innerhalb der Verse verfolgen Jail Job Eve mit dezenten Gitarren lässig das High-Noon-Gefühl. Die leicht gemuteten Riffs legen sich über akustische Saiten, aber erst im Refrain scheint der Titel förmlich zu explodieren. Das anfängliche Western-Feeling verwandelt sich urplötzlich in hypnotische Musik mit starken Einschlägen aus dem Orient durch schwingende Melodie und Gesang. „Lonely Death“ setzt wirklich Maßstäbe; besonders wenn es zum Titeltrack „Bird Of Passage“ kommt, der nach innovativer Aufmerksamkeit schreit und nur so vor sich hin tröpfelt.
Gleiches gilt für „My Baby“. Zwar zeigt sich hier deutlich die zugängliche Art der Band, aber außer groovigen Gitarren nimmt man nichts vom Song mit. Verkraftbar, da man sich auf „Showtime“ und „Cut You Loose“ verlassen kann, die prädestiniert sind für den Orgel-Sound und die vorhin genannte Verbindung aus typischen Blues-Allüren und energetischen Passagen, die einen nicht loslassen wollen.

Musikalisch sind Jail Job Eve auch noch sehr gut unterwegs. Die Instrumente klingen sauber eingespielt und die allgemeine Produktion sehr ausgeglichen. Gleiches gilt für den weiblichen Gesang, der von weich bis selbstbewusster Kraft in der Stimme eigentlich alles abdeckt. Bis auf die kleinen stimmlichen Ausraster in „Showtime“, die irgendwie danebengehen, gibt es kaum etwas auszusetzen.

Jail Job Eve (Copyright: Jail Job Eve)

Jail Job Eve (Copyright: Jail Job Eve)

Zur Demonstration der Qualitäten der Band dient auf der EP „House of Cards“. Kaum ein anderer Titel verkörpert so authentisch eine Ballade wie dieser. Sehr gefühlvoll, ein wenig poppig, aber im Grunde einfach nur effektiv, wie Jail Job Eve hier von ihrem energischen Ross runterkommen und den Hörer um den Finger wickeln. „House of Cards“ lässt musikalisch einen großen Teil der EP hinter sich zurück.

Im Großen und Ganzen stechen sich die Songs auf „Bird Of Passage“ gegenseitig aus. Für jeden guten Titel, der direkt zündet, gibt es einen merklich durchschnittlicheren. Aber Jail Job Eve ist eine Band, die ein hohes Niveau angehen und durchaus in der Lage sind, sich selbst weiterzuentwickeln. Das Potenzial für einen markanten Stil ist schließlich vorhanden und es bestehen keine Zweifel, dass Jail Job Eve hier anknüpfen werden. Immerhin ist dies schon eine EP, die mit musikalischen Fertigkeiten und gutem Songwriting auffahren kann.

Anspieltipps:
House Of Cards / Lonely Death / Showtime / Diabolus in Musica

Video

Trackliste

01 Showtime
02 Cut You Loose
03 Lonely Death
04 Bird of Passage
05 House of Cards
06 My Baby
07 Diabolus in Musica

Details

Jail Job Eve – Homepage
Jail Job Eve – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 29:34

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher