Review

Wenn New Wave auf den Synth-Sound der 80er trifft, dann klingt Jack Strifys (ex-Sänger von Cinema Bizarre) Platte „Illusion“ aus den Boxen. Die musikalische Umorientierung hat den damaligen Visual Kei-Fanatiker zwar gewisse Züge behalten, ihn aber im Großen und Ganzen erwachsener werden lassen. So darf man eine knappe Stunde lang in den poppigen Songs mit elektronischen Klängen baden und sich ein paar Jahrzehnte zurücktreiben lassen.

Zum einen kann man den deutlichen 80er Sound an mehreren Stellen heraushören. Dominierend besonders der wellenartige Synthi. Hier sind wirklich ein paar Depeche Mode-Mächte am Werk. Zusammen mit den bizarr ansprechenden Qualitäten eines David Bowie.

Zu Beginn wirkt Jack Strifys höherer Gesang etwas gewöhnungsbedürftig. Allerdings gibt es auf „Illusion“ eine Menge Passagen, in denen sich seine Stimme selbst findet und auch für ungewohnte Ohren angenehm klingt.

Besonders spannend wird es aber, wenn die Stimmung der Titel umschwenkt, in einen deutlich düsteren Ton. Auf „Burn/Fear“ pulsiert der tiefe, roboterartige Beat durch den gesamten Song. Viel Drumherum gibt es hier auch nicht und das ist auch gar nicht nötig. Durch den kraftvollen und hypnotisierenden Gesang strahlt Jack Strify eine imposante Präsenz aus.

Ein wenig moderner kommt „You Can’t Save Me“ durch seine verzerrte Elektronik und der „Tropfen“-Melodie daher. Dazu eine catchy Hook und man hat einen dynamischen und gleichzeitig atmosphärischen Sound. Als Anlehnung an den Film „Metropolis“ sorgen die Samples und Rhythmen auf gleichnamigem Titel für eine Industrial-Attitüde.

Jack Strify (Copyright: Jack Strify)

Jack Strify (Copyright: Jack Strify)

Der Rest von „Illusion“ kommt einem zweischneidigen Schwert gleich. Jack Strify verpackt seinen inspirierten Sound gut in Songs wie „Angel“ oder auch „Just an Illusion“ mit seinen überzogenen Beats der alten Tage. Dieses Flair wird auf der Platte sogar sehr gut eingefangen. Leider ist es so, dass es auf Dauer etwas langatmig wird und sich die Titel, trotz des 80er Themas, irgendwie überholt anhören.

Die Tracks sind wirklich gut, auch von der Produktion her werden die Intentionen von „Illusion“ gut eingefangen. Dennoch kommt man öfter in Versuchung, den Song zu skippen, da man weiß, dass danach einer kommt, der einen einfach mehr anspricht.

Jack Strify hat ein Album geschaffen, das überwiegend auf die subjektiven Faktoren abzielt. Man entlockt der Platte seine eigenen Favoriten. Dennoch begegnen dem Hörer hin und wieder ein paar interessant komponierte Melodien. So rundet beispielsweise der Remix von „Burn/Fear“ im House-Stil das Gesamte entspannend ab.

„Illusion“ verfolgt konzentriert einen imaginären roten Faden, an dem sich auch die Gehörgänge gut entlang hangeln können. Die Highlights der Platte stechen die restlichen Titel leider immer wieder aus. Und doch nimmt einen Jack Strify mit auf eine Reise in eine Zeit, die die Musik unter anderem sehr stark geprägt hat. Ein Reinhören wird an dieser Stelle empfohlen, für den einen oder anderen ergeben sich dann doch noch ein paar Punkte mehr.

Video

Trackliste

01 Hearts Are Digital
02 Burn/Fear
03 Electric (feat. Bonnie Strange)
04 Angel
05 My Obsession
06 Just An Illusion
07 Lovers When It´s Cold
08 Face To Face
09 Glory
10 The Matrix
11 Not My God (vs. Losers)
12 Metropolis
13 You Can´t Save Me
14 Burn/Fear (Burning Valesta Remix)

Details

Jack Strify – Homepage
Jack Strify – Facebook
Jack Strify – Twitter

Label: Membran / neo
Vö-Termin: 24.04.2015
Spielzeit: 54:04

Copyright Cover: Membran



Über den Autor

Christopher