Review

Bereits das Intro des Albums „Près du Miroir“ von Irrlicht klingt recht „interessant“. Laut ihrer Facebook-Seite wurde „diese Band gegründet, um literarische Texte und Gedichte zu vertonen“, was erfahrungsgemäß meistens auf einem sehr experimentellen Weg passiert. Und eben dieser experimentelle Faktor ist bei „P (Intro)“ durchaus spürbar. Es gibt bei den Klängen, die da aus den Boxen wabern, im Grunde kein wirkliches Konzept, lediglich die Trommeln werden ziemlich gleichmäßig geschlagen. Immer wieder werden Störgeräusche eingebunden, die den Hörer verwirren. Wenn der (französische) Text regelrecht eingeflüstert wird – was erst nach einer gefühlten Ewigkeit passiert – ist man auch nicht schlauer als vorher, denn dieser ist im Verhältnis zu dem Klanggebilde, welches serviert wird, extrem kurz.

Der nun folgende Titel „Projekt Abgrund“ besitzt zumindest eine schöne und eingängige Melodie, die allerdings von einem irritierenden Beat unterlegt wurde, der einem schnell auf die Nerven geht. Allerdings ist der Gesang gut und spätestens, wenn Irrlicht komplett loslegen, hört man diesen viel zu schnellen Beat, der trotzdem da ist, kaum noch. Auf jeden Fall ist dieser Track besser als das Intro.

„Abschied“ spielt abermals insbesondere in der Eröffnungssequenz mit dem Trommelfell des Hörers und hat wohl den Zweck, dieses zu zerstören. Ich verstehe nicht, warum es so sehr im Trend ist, möglichst penetrante Störgeräusche zu verwenden, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu erzwingen. Der Gesang ist in diesem Fall „pseudo-böse“ und sorgt endgültig dafür, dass dieser Track keinerlei Konzept besitzt und einem nur auf die Nerven geht. Insbesondere im Refrain, wo zwar – zum Glück – keine Störgeräusche verwendet werden, dafür aber ein nicht wirklich professionell klingender operesker Gesang zum Einsatz kommt, ist man schnell versucht, auf „Skip“ zu drücken.

Irrlicht (Copyright: Annie Bertram /Darkview.de)

Irrlicht (Copyright: Annie Bertram /Darkview.de)

„Licht und Zeit“ besitzt zwar einen relativ klassischen Songaufbau, der gänzlich ohne nervende Spielereien auskommt, aber es ist wieder einmal der Gesang, der nicht wirklich zum musikalischen Geschehen passen will. Die Sängerin bewegt sich in viel zu hohen Tonlagen, was einen zu krassen Kontrast zur Musik bildet.

„Höhenflug“ bildet den Abschluss dieser Scheibe. Hier zeigen Irrlicht noch einmal, dass sie durchaus in der Lage sind, gute Musik zu machen, denn bei diesem Track passt wirklich alles zusammen. Der Text ist zwar eigenwillig, aber das tut dem musikalischen Genuss keinen Abbruch.

Viel zu oft gleiten Irrlicht auf dem Album „Près du Miroir“ ins Experimentelle ab, was selten ein hörbares Ergebnis produziert. Dies ist vor allem dann enttäuschend, wenn man bedenkt, dass es auf dieser Scheibe einige Perlen gibt, die wirklich gut klingen. Diese sind aber zu rar gesät, um eine gute Wertung zu erzielen.

Video

Tracklist

01 P (Intro)
02 Projekt: Abgrund
03 La course des Rats
04 Abschied
05 En fibre de Verre
06 Anderswelt
07 Monocave (OTS)
08 Licht & Zeit
09 Wenn du da bist
10 Dans ce Miroir
11 Outro
12 La course des Rats (Clubmix)
13 Dans ce Miroir (NTL Clubmix)
14 Höhenflug

Details

Irrlicht – Homepage
Irrlicht – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 17.10.2014
Spielzeit: 71:01

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.