Review

Um die Wartezeit auf ein kommendes Album zu verkürzen, veröffentlicht die Schweizer Band Irrlicht die EP „Bleiben werden“. Sieben Tracks finden darauf ihren Platz und zeigen die stilistische Richtung auf, die von dem Quartett auch nach 20 Jahren mal mehr und mal weniger aktiven musikalischen Treibens zu erwarten war: Neue Deutsche Todeskunst Anleihen treffen auf Electro-Pop und Darkwave.

Gerade erstgenannte Nuancen, bemerkbar im Poesie vertonenden Titel „Vergebung“, erstaunen nicht, begannen Irrlicht ihre Karriere doch genau zu der Zeit, als die Neue Deutsche Todeskunst an Aufmerksamkeit gewann. Dass Sängerin Daniela Dietz zudem einst Sängerin der Band Illuminate war, passt ebenso in dieses Bild wie die Tatsache, dass „Vergebung“ in seiner atmosphärischen Art durchaus an Illuminate und Genrekollegen Mantus erinnert.

Hauptsächlich dominieren aber eingängige, treibende Synthpop-Nummern mit Darkwave Unterton das musikalische Geschehen der 7-Track-EP „Bleiben werden“. Vor allem die teils vorhandenen französischen Lyrics unterstützen den melodischen Klang der Titel und überzeugen dadurch beinahe mehr als die auf Deutsch verfassten Texte, wenngleich es diesen nicht an Ausdruckskraft mangelt.

Den Songs ist gemein, dass sie permanent auf den Punkt gebracht wirken. Vom ersten bis zum letzten Ton kann daher beispielsweise ein Titel wie „Salomé“ all seine Akzente und Details gekonnt ausspielen. Auf diesen dichten Electrobeat, der zum Tanzen einlädt, folgt zu späterer Zeit mit „Kaufrausch“ schließlich die Einbindung von Dubstep-Elementen als Beweis dafür, dass Irrlicht in ihren Songarrangements sowohl mit der Zeit gehen als auch ein Händchen dafür haben, ihre Ideen harmonisch in ihren Sound einzubinden bzw. sie gekonnt umzusetzen. Von zu experimentell erscheinenden Klangwelten (wie einst noch auf ihrem Album „Près du Miroir“ von uns kritisiert) sind Irrlicht auf „Bleiben werden“ weit entfernt – und das ist gut so. Sehr durchdacht und geradlinig legt man aktuell die Songs an, die damit nicht selten umgehend ins Ohr gehen.

Irrlicht (Copyright: Irrlicht)

Für alle Hörer, die nach den fünf Titeln von Irrlicht noch nicht genug haben, sorgen zwei Remixversionen des Tracks „La Gamine“ für zusätzliche Unterhaltung. Wie so oft, sind diese natürlich eine Frage des individuellen Geschmacks, sodass dem einen der „Dub Mix“ eventuell zu poppig ausfällt, dem anderen der „Kartagon Remix“ zu minimalistisch erscheinen könnte. Als netter Zusatz obendrein können sich jedoch auch diese Titel sehr gut hören lassen.

Ein wenig sollte man im Auge behalten, nicht allzu sehr in die (teils 90er Jahre) Dance-Schiene abzudriften, denn gerade der Darkwave- und Neue Deutsche Todeskunst-Ansatz der Band verleiht ihnen ein hohes Maß an Atmosphäre und sollte somit weiterhin fokussiert werden.

Video

Tracklist

01 Salomé
02 La Gamine
03 Kaufrausch
04 Vergebung
05 Königreich aus Stahl
06 La Gamine (Dub Mix)
07 La Gamine (Kartagon Remix)

Details

Irrlicht – Homepage
Irrlicht – Facebook

Label: Danse Macabre / Al!ve
Vö-Termin: 17.02.2017
Spielzeit: 35:04

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde