Review

Mit „Titancraft“ bläst der Iron Savior zur nächsten Attacke auf die Gehörgänge aller Power Metal-Fans. Nachdem letztes Jahr das soundtechnisch überarbeitete „Megatropolis 2.0“ und die Live-CD/DVD „Live At The Final Frontier“ erschienen sind, haben die fleißigen Hamburger nun das nächste Full-Length-Album am Start.

Gelungen transportiert bereits das düstere und spacige Intro „Under Siege“ die unverzichtbare Science-Fiction-Atmosphäre, um direkt in den ersten Smasher „Titancraft“ überzugehen. Der Titelsong entpuppt sich als astreine Power Metal-Granate, die bereits alle Trademarks der Band vereinigt. Mit ordentlich Tempo, melodiebetont, einprägsamem Refrain und mehrstimmigem Gesang verleitet er unweigerlich zum Mitbangen.

Das Tempo bleibt auch beim anschließenden „Way Of The Blade“ hoch. Der Song wird kompromisslos nach vorne gespielt, verzichtet auf jegliche Experimente und weiß genau darum auch zu gefallen.
Zeit zum Atemholen gönnen Iron Savior ihren Hörern vorerst nicht, denn mit „Seize The Day“ folgen bereits die nächsten Doublebass-Attacken.

Dann verlassen Iron Savior erst einmal die bekannten Science-Fiction-Pfade und präsentieren einen Titel mit viel Western-Flair: „Gunsmoke“ hat eine rockigere Ausrichtung und ist relativ simple gehalten, zündet aber gerade deshalb beim Zuhörer.

Mit den weiteren Tracks des Albums kehren Iron Savior dann aber wieder in bekannte Gefilde zurück. „Beyond The Horizon“ ist ein Song, dem man Zeit gibt, sich zu entfalten und der eine gewisse Epik offenbart. Er erinnert im Refrain an Freedom Call zu „Crystal-Empire“-Zeiten.

Das Gegenteil dazu stellt das folgende „The Sun Won’t Rise In Hell“ dar; ein relativ düsterer, fast schon diabolischer Stampfer.

Iron Savior haben unter anderem noch eine Speed-Granate namens „Strike Down The Tyranny“ im Ärmel, während gegen Ende des Albums mit „I Surrender“ doch noch eine echte Ballade erklingt, die sich – wie so oft – hart an der Grenze zwischen gefühlvoll und kitschig bewegt. Hier darf letztendlich aber jeder selber entscheiden, zu welcher Seite er tendiert.

Das reguläre Album beschließt der galoppierende Rausschmeißer „Rebellious“, ein wohl eher durchschnittlicher Song mit großer Rock-Attitüde (nahezu old school). Auf der Limited Edition des Albums gibt es zudem als Bonustracks „R&R Addiction“ und eine neue Version des Klassikers „Protector“.

Iron Savior (Copyright: Thomas Sprenger)

Iron Savior (Copyright: Thomas Sprenger)

„Titancraft“ ist ein Album, das richtig Spaß macht und das Herz jeden Metal-Freundes höher schlagen lassen wird.
Der Großteil der Songs überzeugt mit perfekt ausgearbeiteten Hooks, gelungenen Melodiebögen und auf den Punkt gespielten Gitarrensoli. Das ist Power Metal made in Germany auf höchstem Niveau.

Fast schon selbstverständlich bei Iron Savior ist die klare und druckvolle Produktion.

Mastermind und Sänger Piet Sielck überzeugt mit seiner kräftigen und stets präsenten Gesangsstimme.
Der mehrstimmige Gesang und die Chöre werden gekonnt und wirkungsvoll in den einzelnen Titeln eingesetzt, ohne es in dieser Hinsicht zu übertreiben.

Einzig die großen Überraschungen – vielleicht abgesehen von der pianodominierten Ballade „I Surrender“ – bleiben aus. Wer damit leben kann, bekommt mit „Titancraft“ genau das geboten, was man von Iron Savior erwartet.

Video

Tracklist

01 Under Siege (Intro)
02 Titancraft
03 Way Of The Blade
04 Seize The Day
05 Gunsmoke
06 Beyond The Horizon
07 The Sun Won’t Rise In Hell
08 Strike Down The Tyranny
09 Brother In Arms
10 I Surrender
11 Rebellious

Details

Iron Savior – Homepage
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Label: AFM Records
Vö-Termin: 20.05.2016
Spielzeit: 50:51

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde