Review

Die ersten Anzeichen für den immer erwachsener werdenden Sound von Ira Atari waren bereits auf der EP „Heroes“ erkennbar. Die knarzigen Elektrosounds und die hyperaktive Art mussten zum großen Teil einer eher poppigeren Mischung weichen. Diesem Pathos folgt das Duo nun auch auf ihrem diesjährigen Langspieler „Moments“.

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen sind natürlich zwei Dinge: Beats und Gesang. Auf der Platte gibt es weniger elektronische Arrangements, die nach vorne gehen, als vielmehr eine Synthie-Mixtur mit Einflüssen aus House, Dreampop und Retrowave. Dies gestaltet sich durchgehend ansprechend, was dazu führt, dass Ira Atari ihre Musik scheinbar immer auf einer akustischen Wolke schweben lassen.

Beats sind dabei natürlich Geschmackssache, sodass man bei den einzelnen Titeln stets persönliche Präferenzen setzt. Man kann aber sagen, dass die musikalische Untermalung entweder überragend und überraschend oder durchschnittlich und generisch klingt. Es gibt viele Elemente, die derart stark nach Pop-Song klingen, dass sie nicht weiter hervorstechen.

Im Gegensatz dazu zeigen andere Kompositionen wiederum, dass es auch anders geht. Angefangen von dem sehr peppigen „Monday“, bis hin zum dezenten „Crocodiles“, das beweist, dass man nicht allzu viel einbringen muss, damit ein Song funktioniert. Schlusslicht „Lost“ weist soundtechnisch den wohl stärksten Charakter auf. Er klingt sehr geräumig und in Verbindung mit dem Gesang äußerst mächtig.

Fräulein Iras Stimme gehört zu denen, die prägnant aus der Masse hervorstechen. Charakteristisch für ihren poppigen Gesang sind die leicht souligen und jazzigen Züge, die stets etwas Raues mit sich bringen. Dies bezaubert die Hörer bereits auf dem ersten Song „Thinking Of You“ (der Titel mit der meisten Dynamik im Refrain auf dem ganzen Album). Ein wenig mehr Variationen im gesanglichen Bereich wären dennoch wünschenswert gewesen, denn die Stimme lädt zu mehreren Spielereien (wie in „Cold World“ gezeigt) ein.

Ira Atari (Copyright: Oliver Schweers)

Ira Atari (Copyright: Oliver Schweers)

Obwohl Ira Atari lyrisch eigentlich immer sehr positive Vibes versprühen, kann es wie im Falle von „In Chains“ auch etwas ernster zugehen, wenn thematisch der Castingshow-Wahn metaphorisch kritisiert wird. Gesanglich eine gelungene, drückende Performance, allerdings vermittelt das Gesamtkonzept des Songs nicht die restliche Stimmung. Dafür klingt der Beat zu unspektakulär und bietet abgesehen von einer Synthie-Einlage nicht viel.

Dennoch muss man Ira Atari zugutehalten, dass jeder der zehn Songs seine eigenen musikalischen Intentionen mitbringt. Der Sound klingt zwar immer sehr verträumt, variiert in seiner Gestalt aber von Titel zu Titel.

Abschließend kann man sagen, dass man als Hörer mit „Moments“ durchaus zufrieden sein kann. Es ist vor allem die unbeschwerte Art, die Ira Atari an den Tag legen, die das ganze Album mit Zugänglichkeit glänzen lässt.
Musik, die reif klingt, aber sich dennoch eine farbenfrohe Attitüde vorbehält.

Video

Trackliste

01 Thinking Of You
02 Sleep
03 Sad Girl
04 Crocodiles
05 Moment
06 Monday
07 In Chains
08 Memories
09 Cold World
10 Lost

Details

Ira Atari – Homepage
Ira Atari – Facebook

Label: Audiolith
Vö-Termin: 26.08.2016
Spielzeit: 36:59

Copyright Cover: Audiolith



Über den Autor

Christopher