Review

Ist es Sega? Ist es Nintendo? Nein, es ist Ira Atari! Ich frage mich, wie viele Leute so einen Spruch schon gebracht haben. Wie auch immer, nach dem Debüt „Shift“ bringt das deutsche Duo dieses Jahr ihre EP „Heroes“ an den Start. Hier wurde der Staub von der Konsole gepustet und nun erscheint der Sound von Ira Atari in neuem Pop-Glanz.

Genauer gesagt, durch die digitalen Adern dieser Platte fließt der pure Pop. Es hat nicht mal diesen zu erwartenden Indie Touch, auf „Heroes“ bekommt man 20 Minuten lang einen radiotauglichen Sound.

Schon zu Beginn schallen einem 80er Synthi-Melodien entgegen. Nach „Who you are“ fragt man sich das selbst, da man schon beim zweiten Mal Refrain alles um sich herum ignoriert und die Lippen zum Text mitbewegt. Vom Sound her erinnert „Who you are“ mit seinen treibenden und melodischen Rhythmen an einen Chvrches Song, allerdings ohne diesen direkt zu kopieren.

„Heroes“ klingt, als ob man alle möglichen Pop-Klischees zusammengewürfelt hat. Lyrisch geht es in dem Track um die Stärke, die man gemeinsam entwickelt, ohne dafür ein Held sein zu müssen. Herzzerreißend. Einfache Struktur mit einer Menge Clap-Beats. Muss das schlecht sein? Nein. Es klingt alles sehr simpel, aber effektiv.

Vereinzelte Beats lassen einen in Nostalgie schwelgen, da man vieles aus alten Pop-Songs wiedererkennt. Dennoch bringen Ira Atari neben dem netten Retroeffekt auch eine Menge Moderne in die fünf Songs. Man kann also auf keinen Fall sagen, dass „Heroes“ nicht zeitgemäß wäre. Aber was ist ein guter Beat ohne die passende Stimme? Der Gesang hat dieses selbstbewusste Jazzige in sich mit etwas Soul. Anders als bei vielen anderen Bands spricht dieser den Hörer sofort an.

Neben dem Popfaktor zeigen Ira Atari aber auch, wie viel Energie in ihrer Musik steckt. „Boom Boom“ sorgt genau dadurch für einen Ohrwurm (als hätte man nicht schon davor genug davon bekommen). Ich sehe mich schon in nächster Zeit wippend durch die Stadt laufen, während mir ständig „Boom Boom Boom“ rausrutscht.

Ira Atari (Copyright: Stefan Lozar)

Ira Atari (Copyright: Stefan Lozar)

Zum Schluss ändert sich noch einmal die Windrichtung auf „Heroes“. Auch wenn es sich etwas weit hergeholt anhört, aber „Keep Me Waiting“ erinnert entfernt an eine elektronische Pop-Interpretation von Duffys „Mercy“.

Etwas melancholischer geht die Platte dann mit „Flowers“ zu Ende. Der Sound ist sehr atmosphärisch gehalten und das Tempo wurde deutlich runtergeschraubt. Dennoch schwebt in den Versen ein leichter Drum ’n‘ Bass Beat mit. Gerade weil dieser Titel im Kontrast zu den anderen steht, ist er definitiv ein Highlight.

Was gibt es abschließend noch zu sagen? „Heroes“ ist, obwohl nur eine EP, musikalisch eine Veränderung, aber auch eine Steigerung zum Vorgänger. Es klingt weniger verspielt und deutlich zielstrebiger. Aber in erster Linie macht es Laune sich die Songs öfter anzuhören. Ira Atari bieten die Art von bunter Musik, die man nicht nur im Club hören mag, sondern auch unterwegs mit Bahn oder Auto. Man kann nach „Heroes“ nur auf einen weiteren Silberling in voller Länge gespannt sein.

Video

Tracklist

01 Who Are You
02 Heroes
03 Boom Boom
04 Keep Me Waiting
05 Flowers

Detail

Ira Atari – Homepage
Ira Atari – Facebook

Label: Audiolith
Vö-Termin: 07.11.2014
Spielzeit: 20:21

Copyright Cover: Audiolith



Über den Autor

Christopher