Review

Seit mehreren Alben bringen Intronaut ihre Vision des progressiven Metals unter die Leute und mit „The Direction Of Last Things“ meldeten sich die Kalifornier 2015 so stark wie nie zuvor zurück. Gefühlt legt man nun mehr Wert auf das Extreme, denn mehr Metal und noch mehr Kraft wurden auf ca. 46 Minuten gebannt. Metallastige Mastodon im modernen Gewand? Geht da was? Wir finden es heraus.

Die Band rund um Sacha Dunable und Dave Timnick ist schon eine ganze besondere. Zum einen sind sie musikalisch sehr anspruchsvoll und verwöhnen die Hörer nicht gerade mit einfachen Songstrukturen, zum anderen sind sie so individuell, dass man sich schwertut, eine vergleichbare Band wie Intronaut zu hören.

„Fast Worms“ kommt als Albumeinstieg richtig gut; viel Groove mit einer derben Portion Metal. Die Gitarren funktionieren sowohl in den rockigen Passagen als auch in den derben, rotzigen Parts. Dabei will man fast meinen, dass die Gitarren etwas schäbig eingespielt sind, aber ich würde es eher als sludge-ig bezeichnen. Im krassen Kontext stehen dazu die Frickel-Parts, die auf ganz große Hose machen. Man bedenke, dass sich Intronaut aus lediglich vier Leuten zusammensetzt. Die beiden Stimmen der Gitarristen harmonieren grandios miteinander. Sacha kann mit seiner rauchigen Rock-/Metal-Stimme überzeugen, während Dave für die sanften Untermalungen nahezu geschaffen ist.

Eines war der Band schon immer egal: Zeit. Man hat das Gefühl, dass die Songs aus großen Jam-Sessions entstanden sind. Der Mittelteil von „Fast Worms“ spiegelt das gut wider. Gerade Danny Walker, auch bekannt von Job for a Cowboy, ist ein Perfektionist am Schlagzeug. Seine Beckenarbeit in Kombinationen mit seinem gesamten Können ist der absolute Wahnsinn und ein Fest für jeden Drummer.

Merkwürdige Anfänge wie in „The Pleasant Surprise“ bringt die Band öfter mal. Dafür geht es danach in vertrackter und postiger Metal-Atmosphäre nach vorne. Mit seinen vier Minuten ist der Track recht kurz, aber dafür ein Powerhouse an Songgewalt. Ab und an muss man aber gestehen, dass der eine oder andere Part etwas langatmig ist und ein wenig zum Skippen verleitet. Da muss man jedoch am Ball bleiben, denn was man verpassen würde, ist definitiv nicht wert, geskippt zu werden.

Hat man sich erst einmal durch die erste Hälfte der Platte gedrückt, braucht der eine oder andere schon mal eine Pause, um mit dem Titeltrack durchzustarten. In „The Direction Of Last Things“ heißt es „Get to the Choppa“, denn Danny klingt hier nach einem Helikopter durch sein Doublebassspiel. Besonders der früh startende Groovepart ist eine Wohltat für Freunde des gepflegten Nackenkreisens. Dabei sei auch der unfassbar gute Schlagzeugsound dieser Platte noch einmal hervorgehoben. Die Jungs wissen einfach, wie Musik klingen muss.

Intronaut (Copyright: Intronaut)

Intronaut (Copyright: Intronaut)

Auch wenn es auf „The Direction Of Last Things“ hart zur Sache geht, zeigt „City Hymnal“ zwar ein Maß an Brutalität, dabei aber deutlich Gefühl sowie massig Progressivität. Er ist perfekt für einen Ausflug in weite Sphären fernab vom Alltag. Ein emotionales Bombastgewitter.

Intronaut bringen mit „The Direction Of Last Things“ eine grandiose Platte raus. Ihren Stil kann man nur lieben. Obwohl der einige Hörer mehr Zeit benötigen, um sich hier einzuarbeiten, bleibt am Ende die Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Die Jungs bleiben ihrer Linie treu und bringen dennoch eine gehörige Packung Metal in ihr ansonsten schon gutes Konstrukt aus Progressivität und Passion. Von uns eine klare Hörempfehlung!

Video

Trackliste

01 Fast Worms
02 Digital Gerrymandering
03 The Pleasant Surprise
04 The Unlikely Event Of A Water Landing
05 Sul Ponticello
06 The Direction Of Last Things
07 City Hymnal

Details

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Label: Century Media
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 42:02

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Marcus
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