Review

Mit der allgemein gehaltenen Genre-Bezeichnung „Metal“ liegt die Band Inishmore in ihrer stilistischen Selbstbeschreibung weder falsch, noch legt sie sich damit allzu fest, und das zeigt sich auch anhand ihres aktuellen und inzwischen vierten Albums „The Lemming Project“.

Darauf treten Inishmore eine Reise durch die unterschiedlichen Stilrichtungen (vor allem des Metal) an, oft auch innerhalb nur eines einzigen Songs, wie u.a. „Finally a Love Song“ zeigt. Der Folk-lastige Beginn mit Geigen wird abgelöst von power metallischen Gitarren und Drums, während anschließend eine balladeske Pop- und Singer-Songwriter-Mixtur in Slow Motion als Refrain folgt. Entsprechend variiert das Tempo durchgehend und pendelt zwischen energetischen Metal-Attacken und gewöhnungsbedürftigen Schunkel-Momenten, die die Energie abrupt zum Erliegen bringen, sodass die Band nicht selten die Hörer an dieser Stelle einbüßt.

Auch im Titeltrack „The Lemming Project“ lauert stellenweise die Gefahr, die Aufmerksamkeit der Konsumenten während der knapp 13-minütigen Spielzeit zu verlieren. Obwohl hier vielseitig und abwechslungsreich agiert wird, sorgen gerade progressiv wirkende Passagen und ausgedehnte Geigen- und Piano-Parts für langatmige Phasen, die dem Song den anfänglichen Charme und die Dynamik nehmen. Zwar wenig innovative und schon mal gehörte, dafür aber vorhandene Gitarren- und Drumeinlagen sind zudem nicht in der Lage, das nötige Interesse aufrechtzuerhalten.
Inishmore verlieren in diesen Titeln zu keiner Zeit den roten Faden, kommen aber auch scheinbar mit ihren vielzähligen Ideen oftmals nicht auf den Punkt.

Anders hingegen in Songs wie beispielsweise „Red Lake“. Derlei Songmaterial zündet sofort und weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Es mangelt der Band daher keineswegs an Talent und Können. Ab und an steht ihnen nur ihre Vielseitigkeit im Weg.
Einige Songs weisen darüber hinaus einige Parallelen zu Bands wie Battle Beast („Better off Dead“) oder Andem („Eternal Wanderer“) auf, sodass neben der stilistischen Fokussierung zugunsten der harmonischeren Hörbarkeit auch die Eigenständigkeit zukünftig verstärkt von Inishmore im Auge behalten werden sollte.

Inishmore (Copyright: Inishmore)

Inishmore (Copyright: Inishmore)

Positiv fällt bei Inishmore noch der Gesang auf. Trotz female fronted Band katapultiert Sängerin Michela Parata ihre Truppe nicht in die typische soprane Spielecke, sondern kommt mit rockig-rotzigen und eher tieferen und melodischen Tönen daher. Bereichert wird ihr Gesang durch vereinzelt aufkommende Mehrstimmigkeit oder durch die Begleitung männlicher Klargesangs- und gutturaler Zugaben.

So richtig zufrieden ist der Hörer am Ende von „The Lemming Project“ aber nicht, zumindest nicht jener, der eine bestimmte Spielart erwartet und diese verteilt auf zwölf Songs genießen möchte. Wer jedoch einmal erleben will, wie vielseitig Metal sein kann, dem ist das aktuelle Album von Inishmore zu empfehlen.

Video

Tracklist

01 Cup of Lies
02 Merciful
03 Better Off Dead
04 Finally a Love Song
05 Part of the Game
06 Manifest
07 Eternal Wanderer
08 Red Lake
09 Where Lonely Shadows Walk
10 The Lemming Project
11 Where Lonely Shadows Walk (Acoustic)

Details

Inishmore – Homepage
Inishmore – Facebook

Label: Dark Wings / Plastic Head
Vö-Termin: 12.02.2016
Spielzeit: 59:29

Copyright Cover: Dark Wings



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde