Review

Das stimmungsvolle und geradezu romantische Intro des Openers „Hetzer“ lügt, denn das wahre Gesicht dieses Songs ist hart und rau. Bereits nach wenigen Sekunden geben Ingrimm Gas und präsentieren einen Track mit jeder Menge Drive. Leider ist die Produktion ein wenig zu hell, es hätten ruhig ein paar mehr Tiefen sein können.

Das folgende „Carpe Diem“ startet direkt recht druckvoll, wobei eben dieser Druck auch hier leider nicht wirklich rüberkommt. Dafür wartet „Carpe Diem“ aber mit einer interessanten Struktur auf, denn während die Strophen hart angelegt sind, steigt zwar beim Refrain die Geschwindigkeit deutlich, dafür wird das Stück aber ein wenig freundlicher. Ein sehr interessanter Wechsel.

„Hängt Ihn!“ bietet nicht nur einen intuitiven Refrain, der sofort mitgegrölt werden kann, sondern auch einige sehr wohlklingende Geigenpassagen. Diese stehen in einem mutigen, aber durchaus stimmig wirkenden Kontrast zur übrigen, sehr harten und ein wenig metalesk anmutenden Instrumentalisierung. Im Mittelteil wurde zudem gekonnt ein kleines Intermezzo integriert, welches das akustische Geschehen auflockert und vor allem handwerklich absolut überzeugt.

„Fühl dich frei“ besticht durch einen opulenten Refrain, der mit einer gewissen Dramatik eingeleitet wird und dadurch sehr gut funktioniert. In Relation zu den Strophen ist der Refrain recht lang, trotzdem wirkt dieser Titel nicht zu eintönig. Ein gekonnt gespieltes Dudelsacksolo rundet den Titel ab.

Ingrimm (Copyright: Ingrimm)

Ingrimm (Copyright: Ingrimm)

„Engel“ ist der letzte und zugleich längste Song auf dem Album „Henkt Ihn!“.
Bei einer Spielzeit von mehr als sechs Minuten kosten es Ingrimm regelrecht aus, ein opulentes und sehr stimmungsvolles Intro zu spielen, aus dem sich langsam der eigentliche Song entwickelt. Diese Evolution ist extrem gut umgesetzt, da die Übergänge sehr fließend sind. Erst kaum spürbar steigt auch die Geschwindigkeit zunächst ein bisschen, bevor sie wieder zurückgefahren wird. Obwohl der Sänger der Band eine sehr raue Stimme besitzt, ist er durchaus in der Lage, auch romantische Balladen zu singen, wie „Engel“ eindrucksvoll beweist. Doch es wäre offenbar kein Track von Ingrimm, wenn nicht zumindest der Refrain wieder ein Level härter wäre. Dieser stilistische Wechsel ist aber ebenfalls sehr gut arrangiert.

Es ist sehr schade, dass die Produktion der CD insgesamt recht flach ausfällt und vor allem die Tiefen vermissen lässt, denn inhaltlich bieten Ingrimm auf „Henkt Ihn!“ durchaus sehr gut gemachten mittelalterlichen, gleichzeitig aber teilweise sehr harten Rock. Handwerklich hat die Band einiges auf dem Kasten und etliche der enthaltenen Songs haben ein ziemlich hohes Livepotenzial.

Video

Tracklist

01 Hetzer
02 Carpe Diem
03 Asche auf mein Haupt
04 Hängt Ihn!
05 Eiskalter Wind
06 Schwarzes Gold
07 Fühl dich frei
08 Tritt mich
09 Sanduhr
10 Engel

Details

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Label: Trollzorn
Vö-Termin: 07.02.2014
Spielzeit: 40:00

Copyright Cover: Trollzorn



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.