Review

Mitten ins Gesicht! Ingested verstehen es, das Gaspedal voll durchzudrücken.
Mit ihrem Mix aus Slam und Brutal Death Metal haben sie viele Hörer in ihren Bann gezogen. Die Engländer fahren eine klare Schiene und konnten auf diese Art immer überzeugen. Fraglich ist allerdings, ob diese Mischung auch im Jahr 2015 zieht.

Was bei Ingested immer auffällt, ist die extreme Produktion. Es muss nach Klinik klingen; egal ob Gitarre, oder aber das zertriggerte Schlagzeug. Natürlich ist das für ihren Stil förderlich, zum anderen jedoch auch Geschmackssache.
Auf „The Architect of Extinction“ sind zumindest die Gitarren etwas rotziger. Es klingt somit etwas mehr nach Gore oder Oldschool Grindcore. Positiv stechen die verwendeten Effekte heraus. Ingested geben sich – im Gegensatz zum eigentlich bekannten Image – weltoffener und freier. So hört man im Song „Penance“ ein mit Akustikgitarre beginnendes Stück, welches instrumental bleibt und eher auf die Gefühlsdrüse drückt. Wirklich gut!

Wenn wir aber von vorne anfangen, dann erhalten wir genau das, was wir an Ingested lieben: brutale Riffs mit gutturalem Gesang und einem Schlagzeug, das so ziemlich alles niedermetzelt.
Gesanglich bietet die Band ab und an ein wenig mehr Variationen, was das Ganze auflockert.
Die Gitarrenlinien sind ebenfalls etwas abwechslungsreicher gestaltet und auch melodiöser. Das hätte man den Jungs gar nicht zugetraut, dadurch ergeben sich aber atmosphärische Parts, wie beispielsweise in „I, Despoiler“.
Starke Leads sind ebenfalls vertreten. Ein Instrument hervorzuheben, war auch sonst nicht ihr Ding.

„The Architect Of Extinction“ kann also mit vielen Neuerungen aufwarten. Doch so richtig zündet die Platte nicht, denn der Grundgedanke des slammigen Brutal Death Metal hat sich nicht weiterentwickelt. Viele Parts klingen aneinandergereiht, ohne ein Konzept erkennen zu lassen. Es muss ja kein Opeth-Songwriting sein, aber ein wenig mehr Raffinesse wäre wünschenswert gewesen.
Ingested sind größtenteils weg von den extrem langsamen Breakdowns und gehen mehr in den modernen Death Metal. Somit wechseln sich Blastsbeats und Doublebassgewitter angenehm ab, jedoch gewinnen die Spuren keinen Preis für Innovation. Solide sind sie dennoch. Der Drummer ist ziemlich flink und lässt teilweise grübeln, wie ein Mensch so schnelle Blastbeats auf das Schlagzeug übertragen kann.

Ingested (Copyright: Ingested)

Ingested (Copyright: Ingested)

Fazit: „The Architect Of Extinction“ ist gewaltig in der Produktion. Man wird dermaßen niedergeschmettert durch die pure Soundwand, die einem entgegen kommt, dass man nach der Scheibe erst mal sein Gesicht aufsammeln muss. Die Jungs wissen, wie man slammigen Death Metal macht. Hier und da haben sie ein paar Variationen eingebaut, die wirklich interessant sind. Ein Alleinstellungsmerkmal lässt sich allerdings nicht festlegen. Diesen Stil verfolgen viele Bands und liefern die gleiche Qualität ab. Das heißt nicht, dass Ingested schlecht sind oder in der grauen Masse untergehen, denn die Qualität ist modern und brutal.
Fans des Genres müssen zugreifen, denn Ingested zeigen kontinuierlich, wie UK Death Metal klingt und wer weiß, vielleicht bringen die nächsten Jahre noch mehr Überraschungen mit sich.

Tracklist

01 The Divine Right of Kings
02 Narcissistic Apathy
03 Endless Despondency
04 The Heirs To Mankind’s Atrocities
05 I, Despoiler
06 Penance
07 A Nightmare Incarnate
08 Extinction Event
09 Amongst Vermin
10 Rotted Eden

Details

Ingested – Facebook
Ingested – Twitter

Label: Century Media
Vö-Termin: 09.01.2015
Spielzeit: 41:45

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Marcus