Review

2016 ist das Jahr von In Strict Confidence. Meldete sich das Electro-Projekt von Dennis Ostermann und Jörg Schelte zunächst mit der EP/Single „Somebody Else’s Dream“ nach längerer Ruhephase musikalisch wieder zu Wort, schickte man als weiteren Appetizer für das nun folgende Studioalbum „The Hardest Heart“ den Titel „Everything Must Change“ ins Rennen.

Zwischen den einzelnen Veröffentlichungen, begleitet durch kunstvolle Musikvideos, heimsten In Strict Confidence ganz nebenbei noch die Nominierung für das „Best Music Video 2016“ beim Fashion Film Fest Istanbul sowie einen Award auf dem „Ibiza Music Video Festival 2016“ ein.
Da wundert es nicht, dass auch bei „The Hardest Heart“ kaum an visueller Ästhetik gegeizt wurde, für die sich abermals Stefan Heilemann verantwortlich zeigt.

Nach einem ersten Hördurchlauf fällt jedoch auf, dass die Erwartungen auf einen deutlich kreativeren musikalischen Umgang nur bedingt erfüllt werden. Stellenweise erschöpft sich der künstlerische Aspekt von In Strict Confidence damit nur auf visueller Ebene und greift nicht auch auf die Musik über. So ist ein Titel wie „Herz“ sehr simpel gestrickt, während dieser scheinbare Mangel an Extravaganz, Kunst, Raffinesse und Mut schließlich in dem Unheilig-esken Song „Letzter Wille“ mündet. Eine Ballade, die nicht schlecht klingt, jedoch unüberhörbar zu viele Parallelen zum einstigen Projekt des Grafen aufweist.

Bevor sich dieser und zudem der Eindruck festigt, mit der Vorabveröffentlichung „Somebody Elses‘ Dream“ bereits den stärksten Track des Albums gehört zu haben, sollte man „The Hardest Heart“ allerdings ein paar Durchläufe mehr gönnen. Denn klar wird dadurch, dass selbst „das härteste Herz“ angesichts der teils dunklen, erhabenen Atmosphäre weich wird. Stimmung wird auf dem aktuellen Silberling von In Strict Confidence nämlich großgeschrieben, sodass bereits der Opener „Frozen Kisses“ diesbezüglich ausdrucksstark vorlegt.

Ihren Höhepunkt findet die hier oftmals zum Ausdruck gebrachte Erhabenheit im hervorragenden Song „Time“, der neben einer gewissen Melancholie stets auch einen angemessenen Härtegrad besitzt. Getragen von eindringlichen Vocals, die unter die Haut gehen, verleitet der Titel zum Konsum unter Kopfhörern, um ihn so ganz unmittelbar zu genießen.

Abseits der Atmosphäre bleibt auf „The Hardest Heart“ außerdem noch genügend Platz für Abwechslung. So treiben In Strict Confidence ihre Hörer mit einem Track auf die Tanzfläche, um sie mit dem nächsten Song in musikalische Beschaulichkeit zu hüllen. Die mit weiblichen Vocals garnierten Stücke „Doublefaced“ und „Coming Closer“ tragen darüber hinaus ebenfalls zum Facettenreichtum des Albums bei.

In Strict Confidence | Dennis Ostermann (Copyright: Blendfabrik)

Insgesamt – und insbesondere nach mehrmaligem Hören – zündet schließlich jeder einzelne Track auf „The Hardest Heart“. Angenehme Melodien und durchaus überlegte Texte lassen den Hörgenuss auch nach etlichen Wiederholungen nicht langweilig werden. Somit lässt sich unser Kritikpunkt, der künstlerische Aspekt des Projekts hätte auch in der Musik verstärkter Eingang finden können, leicht verschmerzen. Bei solch einem hörbaren Ergebnis darf es auch schon mal die „Nummer-sicher“ sein.

Auf Sicherheit setzen In Strict Confidence auch mit ihrer limitierten Box von „The Hardest Heart“, wenn auch auf andere Art und Weise, denn diese enthält im Rahmen zahlreicher Goodies ein Kondom mit eins von vier möglichen Motiven. Das gesamte Viererpack gibt es natürlich ebenfalls im Shop der Band zu erwerben. Von einer expliziten Rezension dieser speziellen Fanartikel sehen wir an dieser Stelle jedoch einmal ab und hören damit genau dann auf, wenn es am Spannendsten wird.

Video

Tracklist

01 Frozen Kisses
02 Everything Must Change
03 Somebody Else’s Dream
04 Destroy Something Beautiful
05 Time
06 Herz
07 Land Of Grace
08 Doublefaced
09 Letzter Wille
10 Erde Ade
11 Ask Your Soul
12 Coming Closer
13 Somebody Else’s Dream (Musik Video)
14 Everything Must Change (Music Video)

Details

In Strict Confidence – Homepage
In Strict Confidence – Facebook
In Strict Confidence – Twitter

Label: Minuswelt / Soulfood
Vö-Termin: 25.11.2016
Spielzeit: 54:34

Copyright Cover: Minuswelt



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde