Review

Knapp vier Jahre liegt „Utopia“, die letzte Studioalbum-Veröffentlichung von In Strict Confidence, nun schon zurück und abgesehen von einigen Compilation-Beiträgen oder der digitalen EP „Justice“ war es diesbezüglich bis dato ruhig um das Electro-Projekt von Dennis Ostermann und Jörg Schelte. Mit der EP/Single „Somebody Else’s Dream“ läuten In Strict Confidence jetzt die Zeit für neues Material ein, das in Form eines neuen Albums noch im Sommer 2016 auf die Hörer losgelassen werden soll.

Bis dahin wird sowohl „Somebody Else’s Dream“ als auch ein weiterer bald erscheinender akustischer Appetizer die Wartezeit verkürzen. So der Plan – und hört man sich den Titel einmal an, dürfte dieses Vorhaben auch hervorragend gelingen.

„Somebody Else’s Dream“ hat nicht nur das Potenzial in Dauerschleife zu laufen, der Track wird es mit ziemlicher Sicherheit auch tun – und dies nicht nur bei hartgesottenen Electro-Fans, denn erneut geben sich In Strict Confidence mit ihrer Interpretation des Genres sehr innovativ, kreativ und stilistisch abwechslungsreich.

Ein hypnotischer Beat eröffnet den Song, dem sich binnen weniger verklungener Töne wavige Gitarren und ein ausdrucksstarker rauer Gesang hinzugesellen. Letzterer umhüllt den Hörer in Richtung Refrain mit zunehmender stimmlicher Wärme, während musikalisch und gesanglich zwischen harten, am Industrial kratzenden und gemächlich-melodischen Parts gewechselt wird. Insgesamt steigert sich der Track sowohl auf elektronischer Seite als auch bezüglich seiner Intensität, um sich schließlich im Ohrwurm-Refrain zu entladen. Dadurch nimmt auch die Dichte nach einem reduziert wirkenden Beginn im Verlauf der knapp 4-minütigen Spielzeit zu.
Mit „Somebody Else’s Dream“ landen In Strict Confidence daher einen Volltreffer, der nicht zuletzt dank seiner gelungenen Entwicklung zum Aufdrehen der Lautstärke einlädt. Zusätzlich ist der Sound brillant. Klar, dicht und druckvoll unterstreicht er die Atmosphäre des Titels.

Zusätzliche Abwechslung verpassen dem Song „Somebody Else’s Dream“ zwei auf der EP zu hörende Remixe sowie die über 7-minütige Extended Version des Tracks.
Für die erste Variante, dem „Rhys Fulber Remix“, zeigt sich logischerweise der Namensgeber verantwortlich, der den meisten durch seine Arbeit als Musiker und Produzent bei und mit Front Line Assembly, Paradise Lost oder Fear Factory bekannt sein dürfte. Fulber betont in seiner Interpretation des Titeltracks die elektronische Seite und verpasst ihr ein harscheres Format. Dadurch erscheint „Somebody Else’s Dream“ weniger emotional, stattdessen steht eine gewisse spacige Ausrichtung im Vordergrund.
Eine Nuance experimentierfreudiger fällt der „Retro Adapter Mix“ aus, der den Gesang ins Zentrum rückt, während die Elektronik laserscharfen Geschossen gleich wenige, aber effektvolle Akzente setzt.

In Strict Confidence | Dennis Ostermann (Copyright: Blendfabrik)

In Strict Confidence | Dennis Ostermann (Copyright: Blendfabrik)

Mit „Seven Lives (Bicker Remix)“ und „The Future“ folgen zudem zwei Highlights, die ohne Bezüge zum Titeltrack daherkommen.
„Seven Lives“ stammt von dem In Strict Confidence Album „Holy“ (2004) und wurde der Hörerschaft 2013 mit einem sehenswerten Musikclip und in Kooperation mit Dr. Mark Benecke ein weiteres Mal präsentiert. Auch 2016 greift man auf die eingängige Nummer zurück. Für den „Bicker Remix“ des Songs arbeitet man viele Hall- und Echo-Effekte in den Titel ein, der zudem an Tempo ordentlich zulegt, sodass er zeitweise sogar ins Technoide und in die Richtung à la The Prodigy abdriftet.
Der Non-Album-Titel „The Future“ setzt verstärkter auf weibliche gesangliche Zugaben, welche leichte orientalische Ansätze aufweisen.

Da auch die visuelle Konzeption bei In Strict Confidence stets großgeschrieben wird, darf zum Song „Somebody Else’s Dream“ auch ein perfekt inszeniertes Musikvideo nicht fehlen. Dieses gibt es als Datenteil ebenfalls auf der Veröffentlichung zu sehen und zu hören.
Bei aller Liebe zur Optik wundert es außerdem nicht, dass niemand Geringeres als Stefan Heilemann für das Artwork gewonnen werden konnte.

Damit wird „Somebody Else’s Dream“ zu einer runden Sache, die in der Sammlung eines jeden In Strict Confidence Fans ihren Platz finden sollte. Schnell sein lohnt sich, denn die Veröffentlichung wird in limitierter Auflage erscheinen.

Video

Tracklist

01 Somebody Else’s Dream
02 Somebody Else’s Dream (Rhys Fulber Remix)
03 Seven Lives (Bicker Remix)
04 Somebody Else’s Dream (Extended Version)
05 The Future
06 Somebody Else’s Dream (Retro Adapter Mix)
07 Somebody Else’s Dream (Music Video)

Details

In Strict Confidence – Homepage
In Strict Confidence – Facebook
In Strict Confidence – Twitter

Label: Minuswelt / Soulfood
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 24:58 + Videoclip

Copyright Cover: Minuswelt



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde