Review

Mit ihrer ersten EP „Pandemonium“ und dem darauf folgenden Album „Ballads ’n‘ Bullets“ ließen InLegend die Musiklandschaft vor knapp fünf Jahren neu erblühen. Ihr innovativer Stil, den die Band um Van Canto-Schlagzeuger Bastian Emig selbst als „Hand-hammered Piano Craft“ bezeichnet, brachte frischen Wind in die Riege der Rock- und Metalbands, während sich rasch zahlreiche Fans für das Projekt begeisterten.
Es schien, als setzten sich die Legenden mit jedem Song, der ein Ohrwurm war oder auf andere Weise zu berühren wusste, ein neues eigenes Denkmal.
Jetzt, 2015, steht ihr aktuelles Album „Stones at Goliath“ zum Verkauf. Ist es da ein Wink des Schicksals, dass unsere Wertung von 5 Sternen ebenfalls so viel wie „legendär“ bedeutet, und haben sich die Jungs diese verdient?

Zugegeben, es braucht schon ein, zwei Durchgänge mehr, um die 5-Punkte-Wertung zu erreichen. Anders als es noch bei „Ballads ’n‘ Bullets“ der Fall war. Es scheint sich also vom letzten bis zum neuen Album einiges getan zu haben im Hause InLegend. So wurde die Bandgeschichte durch Besetzungswechsel geprägt, der Name wurde von In Legend in InLegend abgeändert und auch stilistisch hat man sich weiterentwickelt.
Power Pop und Electroacoustic sind nun die Begriffe, die neben dem altbewährten „Hand-hammered Piano Craft“ das derzeitige musikalische Erscheinungsbild von InLegend beschreiben sollen.

Und hat man sich erst einmal eingehört, rotiert der Silberling in Dauerschleife.
Kein Song gleicht dem anderen. Es gibt Altbewährtes, das die Handschrift von InLegend sofort wiedererkennen lässt (u.a. „Envoys of Peace“), aber auch Neuerungen, mit denen man sich stilistisch austobt und in Genres vordringt, die erstaunlich gut mit dem Sound der Band harmonieren (z.B. „Another Me“).

Gleich zu Beginn setzt man den Hörern einen Hit in Form vom bereits erwähnten „Envoys of Peace“ vor. Noch sind die Pianoklänge hart, aber herzlich herauszuhören, die Metalschiene wird energiegeladen gefahren und die Eingängigkeit des Songs animiert umgehend zum Mitsingen. Sicherlich auch ein überzeugender Livetrack, der sich hier seinen Weg bahnt.

Ähnlich baut sich auch „Threatened“ auf, der die Erwartungen an InLegend zu erfüllen vermag.
Insbesondere die Backingvocals des Refrains bringen Dichte in den Titel, während verzerrte Lyricpassagen für den nötigen „Wahnsinn“ des Songs sorgen. Gefällige Melodien wechseln sich gelungen ab und so bleibt „Threatened“ lange im Ohr.

Erstmals ruhiger wird es in „Lonely“. Die poppigen Synthiearrangements sind zunächst gewöhnungsbedürftig, rücken im Songverlauf jedoch dezent in den Hintergrund, während das Tempo ein wenig angezogen wird. Gefühlvoll bleibt der Song dennoch bis zum Schluss.

In „King of Apathy“ wird der Hörer schließlich für kurze Zeit Chöre gewahr, die sich gut in den Track integrieren und in anderen Titeln auf „Stones at Goliath“ noch eine dominierende Rolle spielen werden. Modern prescht die Mischung aus Härte und Gefühl auf den Hörer ein, dem man zusätzlich Samples und verzerrte Vocals präsentiert.

Nachdem InLegend „Monuments For Eternity“ stellenweise einen seichten orientalischen Anstrich verpasst haben, begibt man sich – abermals einen Chor im Gepäck – „To New Horizons“. Ein radiotauglicher Titel, der seine verdienten Umdrehungen im Player machen wird.

Sobald die ersten Töne von „The Voodoo Girl“ erklingen, gelangt man an den Punkt des Albums, der InLegend von einer jeweils anderen Seite zeigt. Klar im Vordergrund steht bei der Interpretation des Tim Burton Gedichts der Gesang, der in Verbindung mit der zurückhaltenden musikalischen Untermalung unter die Haut geht.

InLegend (Copyright: Fabian Willi Simon)

InLegend (Copyright: Fabian Willi Simon)

Insgesamt brilliert Bastian Emig am Mikro. Zwar muss man seinen ganz eigenen und in einigen Ohren nicht ganz professionellen Gesang mögen, tut man dies aber, wird man feststellen, dass keine andere Stimme besser zu den InLegend Songs passen könnte. Mit Wiedererkennungswert gesegnet gibt er uns hohe sowie eindringliche tiefe Töne, sorgt für emotionale Momente und lässt an anderer Stelle zudem die Härte und Aggression nicht missen. Facettenreich werden somit die Tracks auf „Stones at Goliath“ intoniert, und wem das noch nicht reicht, der bekommt mit „Choices in Coma“ ein Duett geliefert, bei dem Gastsängerin Laura Vargas, Mitglied der chilenischen Metal-Band Sacramento, ihre Stimme verlauten lässt.

Insgesamt haben sich InLegend richtig ins Zeug gelegt, um „Stones at Goliath“ legendär werden zu lassen. Von Kinder- und Gospelchören, Streichern und Gastmusikern wie Benni Cellini von der Letzten Instanz bemühte man scheinbar alles, was es aufzutreiben gab. Die Mühe hat sich gelohnt. Und so kann auch selbst der jazzige Rausschmeißer das Gesamtbild nicht ins Wanken bringen, sondern es nur auf positive Weise bereichern, zeigen InLegend damit doch ihre Vielseitigkeit und ihren Mut zum Ausprobieren.

Um die eingangs gestellte Frage also in aller Kürze zu beantworten: Ja, InLegend haben die „legendäre“ Höchstwertung mehr als verdient. Reinhören und auf Repeat stellen!

Video

Tracklist

01 Envoys Of Peace
02 Threatened
03 Lonely
04 King Of Apathy
05 Empire Of Concrete
06 Monuments Of Eternity
07 To New Horizons
08 The Voodoo Girl
09 Choices In Coma
10 Empty In Place
11 Alienation
12 A 1000 Paper Cranes
13 On The Morrow
14 Another Me

Details

InLegend – Pledge Music
InLegend – Facebook
InLegend – Twitter

Label: Eat The Beat Music
Vö-Termin: 09.01.2015
Spielzeit: 62:45

Copright Cover: Eat The Beat Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde