Review

Was macht man als Band, wenn man eine klare Vorstellung von seiner Musik und deren Umsetzung hat, aber keine Plattenfirma bereit ist, diese Vision zu teilen und in die Produktion zu investieren? Richtig, Crowdfunding heißt es heutzutage, und das ist eine gute Sache, um die benötigten monetären Mittel zusammenzubekommen, sich das Feedback der Fans und Unterstützer:innen weltweit einzuholen und sie gleichzeitig am Entstehungsprozess des neuen Albums teilhaben zu lassen.

Genauso haben es Imperial Age gemacht. Dass sich die Veröffentlichung ihres aktuellen Albums „New World“ trotzdem derart verzögert hat – immerhin ist ihre letzte Album-Veröffentlichung „The Legacy Of Atlantis“ vier Jahre her –, hat vielfältige äußere Einflüsse und Gründe und würde die Seiten eines ganzen Romans füllen. Wen es interessiert, der kann diese gerne in den sehr ausführlichen Posts der Band in den sozialen Medien nachlesen.

Über das Album

Mit ihrem Longplayer „New World“ hat die inzwischen in der Türkei ansässige Band allen Schwierigkeiten zum Trotz ihre musikalischen und inhaltlichen Vorstellungen konsequent umgesetzt. Das Ergebnis ist ein echtes Symphonic Metal Highlight in diesem Jahr.

Der neue Silberling strotzt nur so vor den Markenzeichen von Imperial Age, dem kraftvollen, epischen und erhabenen Metal mit Orchester, Chor und drei Leadsänger:innen: Mastermind Alexander Osipov, Jane Odintsova und Anna Moiseeva. Diese teilen sich den Strophengesang, agieren aber auch gemeinsam und bewegen sich stimmlich fast ausschließlich in klassischen Gefilden.

„New World“ überwältigt die Hörer:innen mit ausgefeiltem und präzisem Songwriting, einer enormen gesanglichen Vielfalt und instrumentalem Bombast. Metal und Klassik bilden hier eine beeindruckende Symbiose. Jeder Song zeigt durchdachte Arrangements und überzeugt durch seine individuelle Melodik.

Beispielhaft seien hier nur die Singles „Legend Of The Free“ und „The Way Is The Aim“ erwähnt; ersterer flott, beschwingt und Optimismus versprühend, zweitgenannter Track mit seiner galoppierenden Rhythmik aufmunternd und ermutigend. Das folgende „The The Edge Of The Known“ kommt dann ungleich martialischer daher, während „Distant Shores“ sich nach balladeskem Beginn durchgehend bis zum Refrain sowohl in Tempo und Härte steigert. Und auch „Shackles Of Gold“ überrascht durch seinen folkloristischen Beginn, bevor das musikalische Thema im Anschluss von Band und Orchester aufgegriffen wird.

Sämtliche Songs offenbaren eine enorme Eingängigkeit und setzten sich bereits nach dem ersten Durchlauf unweigerlich im Ohr der Hörer:innen fest. Positiv fallen zudem die schönen Instrumentalparts in jedem einzelnen Song auf, die die schönen Melodien nochmals besonders in den Fokus rücken.

Imperial Age (Copyright: Imperial Age, 2022)

Den krönenden Abschluss des Albums bildet das überlange „Call Of The Towers“, das mit über 18 Minuten zwar etwas Durchhaltevermögen erfordert, derart aber quasi ein Mini-Musical darstellt.

Der Albumtitel selber („New World“) und die Texte entpuppten sich als erschreckend prophetisch. Sie handeln vom Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit, von den Schrecken des Krieges, vom Verlassen der Heimat ohne Hoffnung auf Rückkehr und von einer Fahrt durch raue See zu fernen Ufern. Allerdings sind sie etliche Monate zuvor geschrieben worden, ehe all diese Themen für die Band zur düsteren Alltagsrealität wurden.

Fazit

Allen Liebhabern und Fans opulenten Symphonic Metals sei der neueste Output „New World“ von Imperial Age wärmstens empfohlen. Die Leidenschaft und das Herzblut, das die Musiker:innen hier investiert haben, ist aus jeder Note herauszuhören. Das Album hat damit Seele, und das spüren die Hörer:innen zu jeder Zeit.

Wünschen wir Imperial Age auf diesem Wege viel Erfolg mit dem Album und alles Gute für ihren weiteren Weg, den sie hoffentlich trotz aller Schwierigkeiten unbeirrt weiterverfolgen!


Imperial Age – New World

Trailer

Video

Tracklist

01 Windborn
02 Legend Of The Free
03 The Way Is the Aim
04 Shackles Of Gold
05 The Wheel
06 To the Edge Of The Known
07 Distant Shores
08 Call Of The Towers

Details

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Label: Atlantean Records ltd
Vö-Termin: 27.08.2022
Spielzeit: 46:50

Copyright Cover: Imperial Age



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde