Review

Auf ganze 25 Jahre Bandgeschichte blicken Illuminate 2018 zurück und spendieren ihren Hörern passend zu diesem Anlass ein neues Opus. Damit liegt mit „Ein ganzes Leben“ nun schon das 19. Album der Karlsruher vor, die sowohl in ihren Anfangstagen die Neue Deutsche Todeskunst mitprägten als auch bis heute kontinuierlich ihren musikalischen Weg verfolgen. Dieser trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack, dafür untermauern Illuminate aber durch ihn und ihre Verlässlichkeit ihren Status in der Szene und bescheren den Fans immer wieder auf ein Neues das, was jene erwarten.

Diesbezüglich bildet auch „Ein ganzes Leben“ keine Ausnahme.
Bereits im instrumentalen wie gleichsam opulenten Intro „Fernab jeden Weges“ trägt die melancholische Klaviermelodie (auch in Kombination mit den einsetzenden Streicherarrangements und der hinzukommenden Gitarre) eindeutig die Handschrift von Illuminate, und der Hörer weiß, dass er angekommen ist, im neuen Album der Band um Johannes Berthold.

In die richtige Stimmung versetzt, folgt dann auch schon der Titeltrack.
Das Gitarrenspiel gen Mitte des Titels weckt Assoziationen an Edvard Griegs „Peer-Gynt-Suiten“ (genauer an Suite 1 „Morgenstimmung“) und geht dann gesanglich über in kanonartige Strukturen, bei denen (nicht nur hier) die männliche und weibliche Stimme sehr gut miteinander harmonieren. Auf diesen speziellen Duettcharakter stößt man noch weitere Male auf „Ein ganzes Leben“ und stets verleihen diese Passagen den Songs noch mehr Dichte und Intensität.

Illuminate-Gründer Johannes Berthold (Copyright: Johannes Berthold)

Trotzdem verliert das Album nach hinten heraus etwas an Spannung und Begeisterungsfähigkeit. Gerade den Abschlusssongs fehlen einige Highlights. An den Bombast und die Opulenz der vorherigen Songs kommt das Ende von „Ein ganzes Leben“ somit nur bedingt heran.
Ebenso hätte der Einsatz von Hall- und Echoeffekten sparsamer ausfallen können. Setzen Illuminate mit ihnen in „Neue Wege“ noch gute Akzente innerhalb des Songs, nutzen sie sich auf Albumlänge zu sehr ab.

Nicht sparsam genug kann es dafür in den Einleitungen der einzelnen Titel zugehen – und das scheint auch die Band so zu sehen, die sich sowohl in ihren Songs als auch schon in den ausschweifenden Intros viel Zeit nimmt und damit gelungen Atmosphäre aufbaut, während „Ein ganzes Leben“ insgesamt durch die permanent vorhandene Eindringlichkeit zum Konsum unter Kopfhörern einlädt.

Das sollte vor allem der langjährige Fan von Illuminate tun, denn auf ihrem aktuellen Album hören sie sich wie eh und je an, sodass große Enttäuschungen ausbleiben werden. Für harte Kritiker mag dies Vor- und Nachteil zugleich sein, zudem ist und bleibt die Zielgruppe der mit viel Pathos gesungenen und instrumentierten Lyrik wie gehabt eingeschränkt, wer aber genau darauf steht, den werden Illuminate „Ein ganzes Leben“ lang begleiten.

Tracklist

01 Intro „Fernab jeden Weges“
02 Ein ganzes Leben
03 Selbsterkenntnis
04 Alleine mit mir
05 Neue Wege
06 Auf Deinen Strahlen
07 Was wollt Ihr hören?
08 Kleine Menschen
09 Die blaue Blume

Details

Illuminate – Homepage
Illuminate – Facebook

Label: Gallery Records / Indigo
Vö-Termin: 23.02.2018
Spielzeit: tba

Copyright Cover: Gallery Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde