Review

Das aktuelle Album „Metanoia“ von IAMX, bereits erschienen im November 2015, läuft bei mir – und damit bin ich sicherlich nicht alleine – immer noch bei jeder sich ergebenen Gelegenheit rauf und runter, sodass ich die ersten Höreindrücke schon fast wieder vergessen habe. Aufgrund der Detailverliebtheit des Künstlers Chris Corner, der sich hinter dem Projekt IAMX verbirgt, in Bezug auf seine Songs ist dies jedoch auch kein Wunder, denn mit jedem neuen Durchgang offenbaren die auf „Metanoia“ platzierten elf Songs neue Facetten.

Das Genre, in dem sich IAMX bereits mittels des sechsten Studioalbums austobt, ist schwer ermittelbar bzw. zu konkretisieren, denn von Dark, Synth und Art Pop über Electro und Industrial bis hin zu Avantgarde finden die unterschiedlichsten Elemente Eingang in die Musik des ehemaligen Wahlberliners. Das Resultat dieser Mixtur mündet oftmals in einem druckvoll-dichten brachialen Sound, der auch die Intensität der ruhigeren Tracks zu unterstreichen versteht. Jeder Titel versprüht so eine gewisse Epik, die sowohl durch die „instrumentale“ als auch durch die gesangliche Ebene erzeugt wird.

Reduziert IAMX somit die Songs auf Loops, solide Grundbeats oder unaufdringliche Zugaben wie Klavierbegleitung (z.B. in „Say Hello Melancholia“ oder „Insomnia“), beschwört Chris Corner mit seinem facettenreichen Gesang (einige Male um den weiblichen Gesang von Musikerkollegin Janine Gezang ergänzt, der ebenfalls seine Wirkung nicht verfehlt) eine fesselnde Atmosphäre herauf. Nimmt er sich hingegen gesanglich zurück, sind es die elektromusikalischen Zusätze, die Dichte und Stimmung hervorbringen.

Das Album lebt insgesamt von seiner (auch textlich zum Ausdruck gebrachten) Tiefe und der stetig mitschwingenden Melancholie. „Metanoia“ ist – wie sein Urheber auch – exzentrisch, extravagant und kreativ. Darüber hinaus schwingt stets eine Emotionalität mit, die mal fragil, mal brachial, immer aber sehr intensiv an die Hörer transportiert wird. Kurz, IAMX präsentiert mit allen elf Songs eine akustische Ästhetik, die jedoch zu originell und ausgefallen ist, um als mainstreamig durchzugehen, obwohl die Mehrheit der Songs derart eingängig ausfällt, dass eine breite Hörerschaft damit angesprochen werden könnte.

IAMX (Copyright: Saryn Christina)

IAMX (Copyright: Saryn Christina)

Daneben spielt IAMX mit Eingängigkeit und Sperrigkeit.
Beide geben sich die Hand und das eine schließt verblüffenderweise das andere nie aus. Selbst die zunächst nicht unweigerlich ins Ohr gehenden oder an Zerrsounds nicht sparenden Tracks (als Beispiele seien das tragende, Manson-artige „Oh Cruel Darkness Embrace Me“ oder das temporeiche „Aphrodisiac“ genannt) werden mit jedem Hören zugänglicher und entwickeln sich binnen kurzer Zeit zu Dauerbrennern.

Bei einem derartigen Meisterwerk wie „Metanoia“ eines ist, kann auf die Nennung konkreter Anspieltipps verzichtet werden, da jeder Song eine ganz besondere Wirkweise hat, die sich zudem mit jedem neuen Hördurchgang ändern kann.

IAMX gehört zusammenfassend auf die Playlist eines jeden, der Musik als Kunstwerk und ehrlichen Seelenstriptease betrachten kann, ohne auf Eingängigkeiten oder sogenannte Ohrwürmer verzichten zu müssen.

Video

Tracklist

01 No Maker Made Me
02 Happiness
03 North Star
04 Say Hello Melancholia
05 The Background Noise
06 Insomnia
07 Look Outside
08 Oh Cruel Darkness Embrace Me
09 Aphrodisiac
10 Surrender
11 Wildest Wind

Details

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Label: Caroline / Universal
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 44:14

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde