Review

Punk-Rock aus dem schönen Altenburg, das bieten Hut Ab! mit ihrer aktuellen Platte „Aus dem Staub“. Darauf keine modernen Neuerfindungen der Genres wie Post-Punk oder Ähnliches, sondern einfach nur vom Deutschrock beeinflusster Punk. Sprich gewohnt rotziger Gesang auf Powerchords und Rhythmen, die überwiegend nach vorne gehen.

Auf sieben Songs überzeugen die Jungs von Hut Ab! vor allem mit ihrem persönlichen Charakter, den sie in ihren Sound einbringen. Hier wird Punk-Rock nach Maß geboten, nicht mehr und nicht weniger. An dem Grundprinzip wird auf dem Album auch nicht gerüttelt, sondern jenes wird schlichtweg durchgezogen. Knackige Riffs und smoothes Drumming, die auch in den etwas ruhigeren Titeln immer noch eine dreckige Einstellung übertragen.

„Dreckig“ ist richtig, denn „Aus dem Staub“ hört sich von der Produktion her alles andere als professionell an. Aber angesichts der Tatsache, dass die Band noch am Anfang steht und ein Studiobesuch auch aus finanziellen Gründen abgelehnt werden kann, ist diese noch gerade zu verkraften. Irgendwie passen diese stumpfen und rauschenden Aufnahmen auch wieder in die Gesamtstimmung der Platte.

Obwohl sich Hut Ab! an den Wurzeln des Punks orientieren, täuscht das nicht darüber hinweg, dass ein Großteil der Songs wirklich austauschbar klingt. Immer wieder die gleichen Strukturen mit Riffs, die irgendwann nur noch abgedroschen klingen. Leider schlägt dann die schwächere Produktion doch zu oder die Jungs haben sich beim Einspielen, besonders was die cleanen Parts angeht, nicht wirklich Mühe geben. Liederliche und apathische Riff-Muster.

Dabei geht es eigentlich auch anders, wie einem bei „Püppchen“ bewiesen wird. Die Leadgitarre gibt catchige Töne an und man darf hier einen Aufbau bewundern, der viel dynamischer daherkommt als der Rest der Platte. „Deine Zeit“ hebt sich ebenfalls von dem ganzen Einheitsbrei hervor, mit kontrastreicher Atmosphäre und einem rockigeren Part, der sich gut in die ruhigere Herangehensweise einfügt.

Hut Ab! (Copyright: Hut Ab!)

Hut Ab! (Copyright: Hut Ab!)

Da Punk keine Castingshow ist, muss hier auch keine herausragende Gesangsperformance abgeliefert werden. Hut Ab! bringen zwar auch die obligatorisch raue Stimme mit ein, aber stellenweise erscheint diese im Vergleich zum Gesamtsound äußerst dünn. Auch zeugt sie von keinerlei eigenem Charakter, sondern wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck, um zu zeigen, wie rebellisch „Aus dem Staub“ doch klingen soll.
Gleiches gilt für die Texte, die man spätestens bei der Ballade „Wenn Du Wüsstest“ alle schon mal in besserer Form von anderen Bands erlebt hat.

Zwar können Hut Ab! mit ihrem Album keinerlei Staub aufwirbeln, aus dem sie sich machen, aber für ein flüssiges Hörvergnügen ist gesorgt. Es fehlt deutlich an einem eigenen Stil, ohne den die Musik oft in die Belanglosigkeit abzudriften droht. Trotzdem gibt es Momente, die einen für die Zukunft der Band hoffen lassen. Der Hut bleibt jedenfalls erst mal auf.

Anspieltipps:
Püppchen / Deine Zeit / Talentiert

Video

Trackliste

01 Talentiert
02 Püppchen
03 Viel Zu Viel
04 Aus dem Staub
05 Wenn Du Wüsstest
06 Deine Zeit
07 Jung Und Dumm

Details

Hut Ab! – Homepage
Hut Ab! – Facebook

Label: Eigenvertrieb
Vö-Termin: 12.09.2015
Spielzeit: 25:49

Copyright Cover: Hut Ab!



Über den Autor

Christopher