Review

Mit nordischem Punkrock inklusive Kaleidoskop-Effekt und als Herren des Wortspiels, so wollen Holly Would Surrender mit ihrer musikalischen Kreation das Jahr 2016 unsicher machen. „Kaleidoscope“ ist der erste offizielle Aufschrei der Band, seit drei Jahre zum Vorgänger „The Great Escape“ vergangen sind. Außer der Tatsache, dass ein Teil der Songs im Studio selbst entstand, hat sich an dem Konzept des poppigen Punkrocks bis heute nichts geändert.

Holly Would Surrender sind nicht weniger – und traurigerweise auch nicht mehr – als Pop-Punk durch und durch. Nach dem kurzen „Intro“ und dem noch kürzeren, aber nicht minder ironischen „A Long Way To The Top“ geht es auch endlich los. Auf „Kaleidoscope“ darf man alles erwarten, was im modernen Punkrock-Business üblich ist. Eingängige Riffs, Skank-Beats und eine Menge weichgespülte Hooks.

Diesbezüglich machen sich die Jungs auch ganz gut. Die Titel gestalten sich zugänglich und versprühen die typische Energie, die man von einer derartigen Platte erwartet. Mit angenehmer Gesangsstimme und bunten Melodien versuchen „Sorry, We’re Back“ und „The Way We Used To Be“ ihre Hörer zu begeistern. Oft ist es allerdings so, dass sich „Kaleidoscope“ musikalisch ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterbewegt. Da hilft auch kein pulsierendes Schrammen der Gitarren oder die zum x-ten Mal eingespielten Gangvocals.

Dass die Band versucht, ihre Songs so prägnant wie möglich zu gestalten, ist ein weiterer Kritikpunkt, der sich beim Durchlauf des Albums offenbart. Wenn aber weder von den Hooks noch von den immer gleichen Riffmustern nichts hängenbleibt, ist es für den Hörer schwer, nach Beendigung des elften Titels etwas für sich selbst mitzunehmen. Tatsächlich gibt es kaum Momente, die man unweigerlich mit „Kaleidoscope“ verbindet.

Dennoch gibt es durchaus ein paar Tracks, die aus dieser generierten Masse hervorstechen.
„All For One“ überzeugt mit gut arrangierten Melodien und zum ersten Mal hat man das Gefühl, dass sich hier die Dynamik von selbst einstellt.
Im Song „Twenty-one“ stellt sich ein Hauch von Oldschool Punk à la Blink 182 ein – losgelöst von allen Grenzen und musikalisch einfach drauf los.
Nicht drauf los, aber etwas drauf gibt es von „Poster Child vs. Vicious Shark“. In den Versen lassen Holly Would Surrender ein wenig die Hardcore-Muskeln spielen und auch die Hook fühlt sich im Kontrast dazu weniger abgedroschen an.

Holly Would Surrender (Copyright: DropInk)

Holly Would Surrender (Copyright: DropInk)

Keine Pop-Punk-Platte ohne ein paar klimpernde Stahlsaiten. Doch auch „Doing Fine“ fällt vorhersehbarer aus, als man zunächst aufgrund der lässigen Akkorde annehmen möchte.
Das Genre ist zudem nicht für seine komplexe lyrische Art bekannt. Im Gegenteil, je simpler desto besser. Und so kommt auch „Doing Fine“ mit nichts wirklich Neuem um die Ecke.

„Kaleidoscope“ endet schließlich mit dem Titel „Better Off Alone“, und während die Rap-Parts bzw. die Texte zwar auch nicht gerade umwerfend sind, ist es doch schon bemerkenswert, dass man sich die Jungs von Zebrahead ins Boot holt.

Abschließend kann man sagen, dass man mit diesem Album eigentlich alles bekommt, was einem im Alltag oder auf der Party ein wenig Sonne ins Gehirn pumpt. Die Produktion ist einwandfrei und die elf Songs lassen sich gut verdauen. Holly Would Surrender verweilen aber viel zu oft im Standard-Bereich und versuchen nicht wirklich, ihren Hörern mit Überraschungen entgegenzukommen. Wem das dennoch reicht, der ist mit „Kaleidoscope“ gut beraten.

Video

Trackliste

01 Intro
02 A Long Way To The Top
03 Sorry, We’re Back (feat. Alex of Lax Diamond)
04 Stand Your Ground (feat. Tony Lovato of Mest)
05 The Way We Used To Be
06 All For One
07 Poster Child vs. Vicious Shark
08 Twenty-one
09 Hate My Guts
10 Doing Fine (feat. Nick Diener of The Swellers)
11 Better Off Alone (feat. MC Lars & Dan Palmer Of Zebrahead)

Details

Holly Would Surrender – Homepage
Holly Would Surrender – Facebook

Label: White Russian Records
Vö-Termin: 01.04.2016
Spielzeit: 30:11

Copyright Cover: White Russian Records



Über den Autor

Christopher