Review

Der Traum eines Soloalbums

Mit „Melancholia“ erfüllt sich Rainer Stefan Hoffmann, besser bekannt als Holly Loose, Sänger der Letzten Instanz sowie Autor, Sprecher und Komponist, seinen langjährigen Traum eines Soloalbums.

„Mit Musik, die ganz allein von [ihm] und aus [s]einem Herzen kommt“, soll „Melancholia“ das „traurigste Album der Welt“ sein, so Loose zu seinem Silberling, den er bei Nacht und mit einer oder mehreren Flaschen Rotwein oder Whiskey zu hören empfiehlt.

In eine derartige Atmosphäre entführen die insgesamt zwölf Songs auf „Melancholia“ auch ganz automatisch, denn Intimität wird hier großgeschrieben.

Vertonte Melancholie

Sehr reduziert und zart (durch Akustikgitarre, Streicher, Drums/Percussions und Piano) instrumentiert steht in allen Stücken die eindringliche Stimme Looses stets im Vordergrund. Einer der Songs, die prägnant von seiner Stimme getragen werden, ist der von Streichern und dezenten Drums eingeleitete Titel „Supernova“. Er erweist sich als geradezu beispielhaft für die hier zu hörende vertonte Melancholie.

Ihm steht auch der Track „John Maynard“ in nichts nach. Mehr noch verursacht die musikalische Interpretation des Theodor Fontane Klassikers bei jedem neuen Hördurchgang eine Gänsehaut. Nicht zuletzt durch die sich steigernde Intensität – sowohl auf instrumentaler und gesanglicher als auch auf emotionaler Ebene.

„John Maynard“ ist dabei zugleich eine von insgesamt drei Coverversionen auf „Melancholia“. So zeigt Holly Loose zudem mit seiner Version des Wolfsheim-Stücks „Kein Zurück“, wie ein Musiker einen bereits etablierten Titel einen eigenen Stempel aufdrückt und ihn sich durch eine gänzlich andere Herangehensweise zu eigen macht.

Hoffnungsvolle Traurigkeit

Bei aller auf dem Album vorherrschenden Schwermut findet Holly Loose auch Platz für ein bisschen Leichtigkeit. Damit pendelt „Melancholia“ zwischen Traurigkeit und einer hoffnungsvollen Stimmung.

Auch gesanglich weiß der Musiker zu variieren. Während Fans seiner puren, warmen Gesangsstimme in der Mehrheit der Songs auf ihre Kosten kommen, dominiert in einigen Tracks das gesprochene Wort (im Stile einer vertonten Lyrik) das Geschehen. Damit stellt Loose einmal mehr nicht nur sein bereits bekanntes Talent als Geschichtenschreiber, sondern vielmehr als „Geschichtenerzähler“ unter Beweis.

Nicht immer können die Titel auf „Melancholia“ aber sein gesamtes Potenzial auch widerspiegeln. Denn einige Stücke hätten noch mehr Melancholie versprühen können, wirken stattdessen aber lediglich sehr monoton, wodurch die eigentlich vorhandene Emotionalität etwas auf der Strecke bleibt. Immer dann kratzen diese Tracks an der Schwelle zur Gleichgültigkeit und wirken insgesamt zu unverbindlich.

Musikalische Unterstützung

Holly Loose (Copyright: Holly Loose)

Ein Mehr gibt es hingegen auf der Seite der Unterstützer Looses zu verzeichnen. Ihm zur Hilfe bei der Umsetzung des Albums eilten u.a. Peggy Hoffmann sowie Lou Liberté Burchardt im Backvocalbereich, Stephan Klement an der Gitarre, Sebastian Meyer (Pothead) am Schlagzeug und Silke Meyer von Subway To Sally, die ebenfalls im Background und an der Violine zu hören ist. Allesamt unterstreichen hier die Intentionen Looses und setzen seine Ideen gelungen um. Wenngleich sich die weiblichen Backvocals nicht immer als vorteilhaft erweisen, lenken sie doch teilweise zu sehr die Aufmerksamkeit auf sich, sodass sich der Fokus eines Songs hin und wieder ein wenig verrückt. Diesbezüglich wäre also noch weniger tatsächlich auch noch mehr gewesen.

Fazit

Nichtsdestotrotz ist dies Meckern auf hohem Niveau, denn die meiste Zeit der knapp 56 Minuten verfehlt das Album „Melancholia“ seine Wirkung nicht.
Wer es gerade jetzt zur dunkleren Jahreszeit daher etwas ruhiger und vielleicht auch melancholischer mag, der sollte sich das Solodebüt von Holly Loose nicht entgehen lassen.

Video

Tracklist

01 Der Stein
02 Supernova
03 Irgendwann
04 John Maynard
05 Ich war
06 Alle Wasser
07 Leichtigkeit
08 Kein Zurück
09 Muscheln am Strand
10 Unsere Zeit
11 Die Geduld der Sterne
12 Schwanenkönig

Details

Holly Loose – Homepage | Holly Loose – Facebook | Holly Loose – Twitter

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 23.11.2018
Spielzeit: 55:33

Copyright Cover: Holly Loose



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde