Review

„Weiteratmen“ kommt dieses Jahr als Debütalbum der Band Hi! Spencer in die Musikwelt gesprungen. Die fünf Jungs aus Osnabrück pflegen darauf einen Spagat zwischen deutschem Punk-Rock und Indie-Einflüssen. Außerdem weisen die zwölf Songs einen poppigen Faktor auf.

Opener „Silvester“ bildet auch sofort ein Highlight der Platte, da es hier gleich punkig losgeht. Dazu Lyrics mit einer Menge witziger Wortspiele. Passend zur Punk-Attitüde kommt noch eine Prise schwarzer Humor hinzu. Allgemein prescht der Song durchgehend nach vorne.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Gesang. Wir haben auf „Weiteratmen“ gleich zwei Stimmen, welche die Musik von Hi! Spencer ausmalen. Zum einem, verantwortlich für den größten Teil der Songs, ein sehr rauer, tiefer Gesang und zum anderen ein typisch hoher, rotziger Punkgesang. Durch diese beiden verschiedenen Stile wird zwischen den Songs regelmäßig differenziert. Leider wurde die höhere Stimme nicht nur ausschließlich für die rockigeren Stücke benutzt, sondern u.a. auch für die Ballade „Schatten-Licht“. Geschmackssache, aber verschenktes Potenzial, wenn man ihn mit dem energetischem Song „Tel-Aviv“ vergleicht und der tiefere Kettcar-Gesang besser passen würde.

Nun aber zu etwas, was an diesem Album leider stört. Und zwar das variierende Niveau der Songs. Auf „Weiteratmen“ ist es entweder so, dass man einen Titel für sich selbst bis in den Himmel lobt und der nächste dann nur im Standardbereich rumdümpelt. „Silvester“ und „Trümmer“ klotzen zunächst gut los, während „Mich nicht“ und „Wie du“ die Platte stark abbremsen. Danach folgt der super Song „Peter Pan“ mit seinen an Tango erinnernden Rhythmen und melodischem Gesang. Besonders gefeiert wird dann mit „Herr Schlüter“, dem typischen Punk-Song zwischen komischen und tragischen Lyrics. Vorhin erwähnter Titel „Tel-Aviv“ trumpft auch wieder mit Text und Soundstruktur auf. Gegen Ende gibt es dann noch den emotionalsten Song „Sie tanzt“, eine Art „Chicago“ von Clueso, aber nicht annähernd so interessant und bietet leider nicht viel Neues.

Hi! Spencer (Copyright: Hi! Spencer)

Hi! Spencer (Copyright: Hi! Spencer)

Dabei verstehen es Hi! Spencer, modernen Punk-Rock so zugänglich zu verpacken, dass sie sogar mit den Popsongs des Mainstreams mithalten könnten. Die Strukturen sind nie zu kompliziert und dem Sound wird sogar durch Melodien mehr Leben eingehaucht. Auch zeigen sich die Jungs experimentierfreudig, worauf man auf „Weiteratmen“ öfter hätte zurückgreifen sollen. Die Musik macht im Großen und Ganzen Spaß, sie sich anzuhören, ohne sich durch schlauchige Passagen zwingen zu müssen.

Zusammenfassend gesehen haben wir hier also eine Hälfte durchaus gelungener Songs, die immer wieder angespielt werden wollen und eine belanglose 08/15 Hälfte, wie sie von jeder Band hätte kommen können. Dennoch lohnt es sich, in „Weiteratmen“ mal reinzuhören, denn Hi! Spencer haben hier keinesfalls ein herzloses und uninspiriertes Album erschaffen. Guter Start, aber da geht sicherlich noch mehr. An dieser Stelle ist Lautstärke aufdrehen „empfehlenswert“.

Video

Trackliste

01 Silvester
02 Trümmer
03 Schatten-Licht
04 Mich nicht
05 Lass mich glauben
06 Wie du
07 Peter Pa
08 Stephen King
09 Herr Schlüter
10 Planet
11 Tel Aviv
12 Sie tanzt

Details

Hi! Spencer – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 06.02.2015
Spielzeit: 46:09

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher