Review

Wenn man direkt im Opener „Filth“ mit orientalischen Klängen begrüßt wird, kann man davon ausgehen, dass der Wahnsinn auf dem fünften Album der Ukrainer – wie auf dem Cover zu sehen – nicht nur visuell umgesetzt wird. Hell:on, ihres Zeichens Verfechter des Death Metal und Liebhaber des Thrash, gehen auf „Once Upon A Chaos…“ mit acht neuen Songs an den Start.

Und ja, „Chaos“ ist richtig, denn gerade in diese Richtung lassen sich Hell:on gerne mal treiben. Neben eben genannten Einflüssen in „Filth“ kommen auch noch viele Effekte und abgehakte Riff-Muster zum Einsatz. Wünschenswert wäre es natürlich gewesen, wenn dieser abstrakte Faktor auf „Once Upon A Chaos“ noch ein wenig stärker ins Gewicht gefallen wäre, doch die Band besinnt sich dessen, warum sie eigentlich hier sind.

Schnelle Riffs und Blastbeats, bis einem die Ohren abfallen. Zugegeben werden hier auch gut und gerne ganze Wälder abgeholzt. Sei es nun mit den dynamischen Rhythmen aus dem Thrash oder den wechselnden Riff-Mustern aus dem Bereich des Death Metal. Dabei kommen sogar die einen oder anderen atmosphärischen Parts zustande.

Was die Innovationen innerhalb der Songs angeht, so bedient sich das Album beiden Seiten der Medaille. Catchige Riffs sind bei Hell:on keine Ausnahme. Im Gegenteil, man muss sich bei so manchen Titeln zusammenreißen, still sitzen zu bleiben. Besonders was die Soli angeht, wurden hier ein paar klasse Licks aus dem Griffbrett gezaubert, die schon fast den kompletten Song an sich ausstechen.
Gleichzeitig kommen im Verlauf von „Once Upon A Chaos“ ständig die Metal-Klischees heraus. Das pulsierende Chug-Chug-Gewitter, die schnell aufeinanderfolgenden Tremolo-Riffs und der typische Thrash Metal Charakter. Nichts, was die Welt nicht schon gehört hätte, und es hilft dem ansonsten abwechslungsreichen Sound einfach nicht weiter.

Kurz noch an den Vocals rumgemeckert. Es mag an mir liegen, aber stellenweise klingen diese etwas dünn und auch die Lyrics kommen oft über die üblichen misanthropischen Themen nicht hinaus. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass dennoch stets genug Druck aufgebaut und an den richtigen Stellen auch mit der Stimme gespielt wird. Gut zu hören in „I’m God“, welcher sowieso mit einer gewissen Bedrohlichkeit und Atmosphäre daherkommt. Das entschleunigt zudem die brachiale Flut an Metal zum Abschluss sogar noch einmal. Außerdem reißt er mit seinen verstörenden Blechblasinstrumenten die Stimmung in eine vollkommen andere Richtung.

Hell:on (Copyright: Hell:on)

Hell:on (Copyright: Hell:on)

Trotz der vielen Kleinigkeiten, die durchaus auf eine subjektive Meinung zurückzuführen sind, muss man sagen, dass man sich hier einem runden Machwerk gegenübersieht. An den musikalischen Fähigkeiten kann man hinsichtlich der ordentlichen Portion Krach nicht meckern. Besonders weil sich immer mal wieder Passagen nach der Eingängigkeit einschleichen, die einen als Hörer durchaus zu überraschen wissen.

Klar, hat „Once Upon A Chaos…“ seine kleinen Macken, aber es fungiert als Ganzes und irgendwie doch nicht. Dafür krempeln so manche Einflüsse die Gehörgänge ordentlich um, damit man sich danach dem Highspeed und einer leicht progressiven Einstellung der Band voll und ganz hingeben kann. „Once Upon A Time…“ war gestern.

Anspieltipps:
Filth / I’m God / Delirium / Lustration / Self-Destruction

Video

Trackliste

01 Filth
02 Delirium
03 Curse of Flesh
04 Self-Destruction
05 Obliteration
06 Lustration
07 Salvation in Death (feat. Andreas Kisser)
08 I’m God

Details

Hell:on – Homepage
Hell:on – Facebook

Label: FERRRUM
Vö-Termin: 31.08.2015
Spielzeit: 39:02

Copyright Cover: FERRRUM



Über den Autor

Christopher