Review

Eine Frauenband macht Heavy Sludge Rock! Warum auch nicht?

Die Powertruppe Heavy Temple ist mit „Chassit“ wieder am Start und präsentiert darauf vier Tracks, die sich gewaschen haben. Ob aber eine Veröffentlichung mit gerade mal vier Songs und einer Länge von knapp 30 Minuten die Hörer zufriedenstellen kann?

Zwar werden die Mädels aus Philadelphia als Doom-Kracher betitelt, doch das trifft es nicht ganz. Heavy Temple spielen einen Mix aus Stoner/Sludge Rock mit viel Funk-Einflüssen. Sie versprühen mit ihren lässigen Riffs und den catchy Drums einen sexy Vibe, während vor allem der leichte Funk/Soul-Anteil richtig Laune macht.

Der Sound ist rotzig und dröhnend. Das mag nicht jeder, doch die Kombination passt hier ziemlich gut. Man lässt sich viel Zeit für ausklingende Töne bzw. loopt man Riffs immer und immer wieder. Auch das gefällt nicht jedem, denn schnell kann dadurch Langweile aufkommen, die in diesem Fall jedoch nicht berechtigt ist, denn Heavy Temple verstehen es, den Spannungsbogen immer hochzuhalten.

„Key and Bone“ beginnt mit einem Klavierspiel immens langsam, um dann nach der Hälfte in Led Zep-artige Züge zu verfallen. Dabei lassen Heavy Temple ihren Instrumenten derart viel Platz, dass das Trio nach einer weitaus größeren Besetzung klingt.

Auch der Gesang wirkt sehr voll und geht unter die Haut. Frontfrau „High Priestess Nighthawk“ bringt so viel Rauch und Kneipenatmosphäre in die Tracks, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzuhören.

Mit „Ursa Machina“ wird es depressiver und tiefgründiger. Auch hier besteht die erste Hälfte eher aus einem Soundwust, der sich in lässigem Sludge entlädt. Abermals wird deutlich, dass die Truppe eines besonders gut kann: Riffs!

Heavy Temple (Copyright: Heavy Temple)

Das sich anschließende „Pink Glass“ erinnert schließlich an Queens of the Stone Age, die ebenfalls mit treibenden Drums und eingängigen Riffs schon viele Hörer auf ihre Seite gezogen haben. Mit diesem Track sollte es Heavy Temple dann auch spätestens bei euch geschafft haben.

Klar, wenn man „Chassit“ häufiger hört, werden sich Ermüdungserscheinungen zeigen. Bei der Länge der Titel ist das auch kein Wunder. Doch bis dahin hat man insbesondere mit „Pink Glass“ so richtig Spaß.

Als Abschluss serviert man mit „In The Court Of The Bastard King“ noch ein kleines Epos und auch den kürzesten Track der Platte. Der leicht dissonante Gesang gibt dem Song eine feine Note und alle Instrumente werden noch einmal gebändigt und für das Finale startklar gemacht.

Heavy Temple haben überzeugt. Ob es kleine Fills sind oder hier und da ein Bassdrop, die Meute kann definitiv Songs schreiben. Einzig die Länge der Songs sowie die geringe Anzahl an Titeln hinterlassen einen faden Beigeschmack. Stört euch das nicht, ist diese Rock Band was für euch!

Video

Trackliste

01 Key and Bone
02 Ursa Machina
03 Pink Glass
04 In The Court Of The Bastard King

Details

Heavy Temple – Facebook

Label: Ván Records
Vö-Termin: 26.05.2017
Spielzeit: 28:44

Copyright Cover: Ván Records



Über den Autor

Marcus
Marcus