Review

Das Collagen-Cover zu „In The Midst Of Hope And Nothingness“ sagt schon alles über das Album aus, welches die Schweden Heart On My Sleeve auf ihre Hörer loslassen: Immer agierend zwischen Euphorie und endloser Hoffnungslosigkeit. Musikalisch und textlich steigert man sich immer wieder in diese Gefühle hinein, wobei Hardcore, Indie und ein ordentlicher Anteil Screamo aufeinandertreffen.

Nach einigen EPs einen derart einschneidenden Longplayer zu veröffentlichen, ist schon eine Leistung, zumal sich Heart On My Sleeve doch sehr speziell geben. Besonders deswegen, weil eine Menge Persönlichkeit in die Musik zu fließen scheint. Was zur Folge hat, dass die Band durchaus mehr kann, als nur apathisch die Gitarren in den hohen Lagen zu malträtieren.

Bereits die eisernen Akkorde zu Beginn von „So I Ran With Scissors“ bezeugen, dass sich Heart On My Sleeve auf einen eingängigen Sound fokussieren können. Das soll aber nicht heißen, dass sie sich in den atmosphärischen Extremen verlieren, allerdings reizen sie jeden Ton ihrer Melodien voll aus, nur um sich danach wieder dem bipolaren Charakter ihrer Musik hinzugeben.

Angeführt von einer weiblichen Stimme wird auch auf „In The Midst Of Hope And Nothingness“ schnell klar, dass das Geschrei im Vordergrund steht. Dennoch könnte der hysterische Gesang auf den einen oder anderen zunächst abschreckend wirken. Es ist nämlich Teil des Konzepts, so viel Verzweiflung wie möglich in die Stimme zu bekommen, so viel dass es manchmal schon schwerfällt, das Ganze zu genießen. Im Kontrast dazu gibt es allerdings Platz für Spoken Words, um die neun Songs wieder auf den Boden zu bringen.
Wer sich mit dem Gesang nicht abfinden möchte, sollte nicht verzweifeln, denn oft spielt man sich die Bälle zwischen weiblichem und männlichem Organ hin und her. Dies eröffnet Heart On My Sleeve neue Wege.

Vielleicht mag man sogar einige klischeebehaftete Songtitel wie „Home Is Where The Heart Is“ oder „What Doesn’t Kill You (Will Damage You)“ belächeln, dennoch steckt meistens viel mehr dahinter, als nur ein weiterer oberflächlicher Emo-Song. Dann steht zumeist die Abwechslung im Vordergrund, vor allem weil Heart On My Sleeve scheinbar nie stehen bleiben und den Hörer immer weiter in ihren Kreislauf aus harten Rhythmen und betörenden Melodien ziehen.

Heart On My Sleeve (Copyright: Heart On My Sleeve)

Heart On My Sleeve (Copyright: Heart On My Sleeve)

Gegen Ende schwächt die Platte etwas ab, da die Band sich dann doch in den monotonen Passagen ihrer Musik verliert. Auffallend deswegen, weil zunächst der Ideenreichtum im Vordergrund stand. Ein wenig Melodramatik muss natürlich immer sein, aber durch die verschiedenen Breaks wurde sie bis hierhin frisch und nicht allzu abgedroschen gehalten.

Auf „In The Midst Of Hope And Nothingness“ treibt man den Sound immer wieder auf eine neue Spitze, so als würde es nie einen Punkt geben, ab dem es wieder bergab geht. „In The Beauty Of It All“ zeigt auch, dass Heart On My Sleeve sich nicht in eine Ecke stellen lassen, da sie sich ihres Stils bewusst sind und ihn regelmäßig weiter ausbauen. Als erstes Album wird die Band ihren Anhängern hiermit etwas Bleibendes hinterlassen.

Video

Trackliste

01 This Failure Is Not On Me
02 So I Ran With Scissors
03 Vicious Circle
04 What Doesn’t Kill You (Will Damage You)
05 He Wishes For The Cloths Of Heaven
06 A Tale Of Two Hearts
07 In The Beauty Of It All
08 Home Is Where The Hurt Is
09 I Hate It When You’re Here, But I Miss You When You’re Gone

Details

Heart On My Sleeve – Facebook

Label: Walking Is Still Honest Records / Through Love Records / Tell Whilhelm Records / Middle Man Records
Vö-Termin: 06.07.2015
Spielzeit: 38:00

Coypright Cover: Through Love Records



Über den Autor

Christopher