Review

Was schallt denn da durch meine Ohren? Ist das Marco Aros liebliches Stimmchen?
The Haunted sind zurück und widmen sich nach 18 Jahren Bandgeschichte wieder ihren Ursprüngen. Aber halt … setzen wir etwas früher an.

2011 schmissen The Haunted mit „Unseen“ ein Album auf den Markt, was mehr Gemüter als Schädel spaltete und aufgrund seiner offeneren und rockigeren Ausrichtung viel Lob aber auch deutliche Kritik erntete. Völlig zu Unrecht meiner bescheidenen Meinung nach, denn die Platte rockte einen ganzen Sommer lang durch meine Anlage.
Nun, drei Jahre später, hat Peter Dolving (Gesang) die Band wieder mal verlassen und nahm Anders Björler (Gitarre) gleich mit. Somit verbleibt nur noch ein At The Gates’ler an der Saitenfraktion. Per M. Jensen (Schlagzeug) verließ die Band jedoch ebenfalls, weshalb kurzerhand Adrian Erlandsson nach vielen Jahren wieder zurückkehrte. Doch wieder zwei At The Gates’ler in der Band. Das Karussell dreht sich also. Den vakanten Gesangsposten übernahm folglich Marco Aro, der die Band nach seiner fantastischen Leistung auf „One Kill Wonder“ bereits im Jahr 2003 einmal verließ.

Was konnte man nach dem ganzen Besetzungs-hin-und-her und den Personalien, die man sich letztendlich ins Boot holte, denn nun erwarten?
Vermutlich mehr Metal, ja. Ob man sich mit den Reaktionen auf „Unseen“ unzufrieden zeigte und daher nach all der Entwicklung wieder einen Radikalschlag in Richtung alte Zeiten lostreten wollte, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedoch scheint es, als würde man Wiedergutmachung leisten wollen. Ansichtssache, ob das denn notwendig sei, jedoch ist ein Metalbrett der Stand der Dinge, den uns The Haunted anno 2014 präsentieren wollen.

Bereits auf der im Januar veröffentlichten EP „Eye of the Storm“ wurde deutlich, welchen Weg The Haunted ab jetzt wieder einschlagen wollen, und so finden sich auch alle drei Tracks der EP auf dem neuen Album wieder.

„Exit Wounds“ heißt es nun, das neue Langeisen der Verfolgten, welches nach einem obligatorischen Intro umgehend mit „Cutting Teeth“ zeigt, was man die nächsten 45 Minuten zu erwarten hat: Brachial-Death-Thrash, ganz wie in alten Zeiten.
Doublebass und Snare auf die „1“ gepackt, schon rollt die Walze. „My Salvation“ setzt direkt dort an und da kommen auch schon die ersten At The Gates Nuancen. Erlandsson sitzt wohl kaum ohne Grund hinter den Kesseln.

Ob rotzig-punkig („Trend Killer“), Southern-Grooves à la Down („All I Have“) oder Slayer-Thrash („My Enemy“), man versucht zumindest nicht jeden Song gleich klingen zu lassen. Wer die Abwechslung sucht, findet sie in wohldosierten Häppchen. Wenn er denn genau hinsieht.

The Haunted (Copyright: The Haunted)

The Haunted (Copyright: The Haunted / Olle Carlsson)

Marco Aro reißt sich die Stimmbänder raus, als hätte es die letzten zehn Jahre nicht gegeben. Erlandsson scheint sich für das neue At The Gates Album aufwärmen zu wollen und die Saitenfraktion schraubt Riffs in gewohnter Mischung aus Thrash und Schwedentod.

Der Fokus liegt eindeutig auf den ersten drei Alben, auch wenn hier und da etwas „rEVOLVEr“ durchscheint. Zum Schluss kommt sie dann doch noch mal, die Eingängigkeit. Mit „Ghost In The Machine“ setzen The Haunted zum Ende des Albums zumindest noch mal einen Refrain, der an das hymnenhafte „Unseen“ erinnert.

Das recht ansehnliche Artwork stammt übrigens von Andreas Pettersson, der, Überraschung, auch bereits „Made Me Do It“ und „One Kill Wonder“ visualisierte.

Spektakuläres oder Experimente sucht man auf dem Album vergebens, aber das ist auch nicht gewollt. Routiniert vorgetragenen Death-Thrash in drückendem Soundgewand, das sollte es werden und ist es auch geworden. Ob einem die Rückbesinnung nun zusagt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Der Blick auf alte Zeiten ist gut gemacht, aber der nächste Schritt nach „Unseen“ hätte für mich gern anders aussehen dürfen. In der Vergangenheit enttäuschte Fans der alten The Haunted sollten jedoch definitiv ein Ohr riskieren.

Tracklist

01 317
02 Cutting Teeth
03 My Salvation
04 Psychonaut
05 Eye Of The Storm
06 Trend Killer
07 Time (Will Not Heal)
08 All I Have
09 Temptation
10 My Enemy
11 Kill The Light
12 This War
13 Infiltrator
14 Ghost In The Machine

Details

The Haunted – Homepage
The Haunted – Facebook

Label: Century Media Records
Vö-Termin: 25.08.2014
Spielzeit: 40:08

Copyright Cover: Century Media Records



Über den Autor

Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison