Review

Willkommen zum >Minnewar<

Harpyie hatten vor einiger Zeit eine Crowdfundig-Aktion auf Startnext für ihr neues Album gestartet. Diese Aktion wurde von den Fans so gut unterstützt, dass die Band damit zwei Alben produzieren kann. Ein Ergebnis ist nun das erste Cover-Album mit dem Titel „Minnewar“, das beim Label Metalville erscheint. Jenes führt das Ganze wie folgt näher aus:

Die Megalopolis ist der Austragungsort des traditionellen MINNEWARs, dem Sängerwettstreit. Hier werden nach alter Tradition renommierte Klassiker neu interpretiert und dabei aufs Schärfste gepimpt und modifiziert. Mittelalterliche Klänge treffen auf elektronische Beats, kraftvolle Dudelsäcke auf sägende Metal-Gitarren und klirrende Kettenhemden auf abgefahrene Cyberware.

Auf diese Art werden also Songs von Größen der Gothic- und Mittelalterrock-/Folk-Szene neu vertont; Saltatio Mortis und Mr. Hurley & die Pulveraffen haben gleich selbst bei jeweils einem Track mitgewirkt.

Die Tracks

Der Opener „Wenn ich tot bin“ stammt aber zunächst von der Folk-Band Luna Luna, welche bereits 1997 aufgelöst wurde. Harpyie beleben den Track, der sofort gute Laune vermittelt und zum Tanzen animiert, wieder neu. Dabei verschmelzen klassische Folk-Elemente mit hartem Rock-Sound zu einer ohrwurmtauglichen Version, die Aello mit seiner Stimme komplettiert.

Zusammen mit Mr. Hurley & die Pulveraffen wird aufgefordert: „Tanz mit mir“. Der Song stammt im Original von der allseits beliebten Folk-Band Faun und wird nun zu einem rockigen, ja fast schon Metal-tauglichen Song, der jedoch auch an Folk-Sounds keine Einbußen hat. Hinzu kommen unterschwellig Synthesizer-Sounds, die den Track teilweise futuristisch wirken lassen.

Beim „Spielmannsschwur“ von Saltatio Mortis hat selbige Band ebenfalls beim Cover mitgewirkt. Die Dudelsäcke lassen den Hörer in die mittelalterliche Welt eintauchen. Interessant ist hier die Paarung mit der Doublebass, die größtenteils bei Metal-Songs verwendet wird. Hier und da lassen sich erneut Synthesizer-Sounds erahnen.

An „Krabat“ von ASP hat sich die Band ebenfalls herangewagt. Die Violine klingt wie im Original, der Text in den Strophen wird hauptsächlich gesprochen und von harten Drumschlägen untermalt. Beim Refrain wurde die Melodieführung des Gesangs dann verändert, was nicht unbedingt schlechter anzuhören ist.

„Es gibt nur Wasser“ von Santiano wird zu einer dreckigen Shanty-Version gemacht, die zum Mitgrölen einlädt. Lobenswert ist hier das Spiel der Violine zu erwähnen, das sich virtuos und frech durch den Song zieht.

Von Letzte Instanz präsentiert man den Titel „Rapunzel“ in einer etwas härteren Folk-Rock Version. Ansonsten unterscheidet sich die Version von Harpyie aber kaum vom Original.

Ein absoluter Party-Song ist „Thekenmädchen“ von Versengold. Hier mutiert der Track zu einem harten Rock-Song, der zum Headbangen verleitet. Die Folk-Instrumentierung kommt dennoch nicht zu kurz.

„Blau wie das Meer“ von Mr. Hurley & die Pulveraffen bekommt zunächst ein Intro mit Flöte und Akkordeon verpasst, welches dann um E-Gitarre, Drums und Streicher erweitert wird. Man vermutet im Anschluss gleich einen Shanty-Sound, doch weit gefehlt! Der Hörer bekommt am Anfang der ersten Strophe die volle Ladung Metal-Sound – gepaart mit Synthesizer-Klängen – um die Ohren gehauen. Die mildert sich jedoch im Laufe der Strophe ab, und so werden die Folk-Instrumente wieder in den Song eingebaut.

„Vollmond“ von In Extremo darf in der illustren Sammlung von Szene-Hits natürlich nicht fehlen. Der Originalsong wird um Synthesizer-Sounds erweitert und mutiert so zu einem fast schon futuristisch anmutenden Rock-Song.

Harpyie (Copyright: Harpyie)

Bei „Kleid aus Rosen“ von Subway to Sally wurde der mehrstimmige Gesang im Intro perfekt getroffen. Wenn man sich die instrumentale Einleitung genau anhört, kann man eine veränderte Melodieführung erahnen. Ansonsten unterscheidet sich nur die Härte der Gitarrenriffs vom Originaltrack.

Nach den eher fetzigen Songs gibt es zum Abschluss noch eine Ballade: „Willst du“ von Schandmaul. Ein wunderschönes Klavier-Intro, das mit Streichern und einer Flöte begleitet wird, lässt die Hörer in andere Sphären gleiten. Die Snare spielt einen marschähnlichen Rhythmus. Ab Minute 2:11 bäumt sich der Sound zu einem handfesten Rocksong auf, um sich dann – ab Minute 4 und bis zum Schluss – in einen Instrumentalpart mit Klavier und Marschtrommel aufzulösen.

Fazit

Harpyie haben für ihr Coveralbum „Minnewar“ eine exzellente Songauswahl getroffen. Die einzelnen Titel wurden auf ihre ganz eigene Art umgesetzt. Dabei wurden musikalisch neue Wege eingeschlagen, welche gerne weiter beibehalten werden dürfen. So darf man alles in allem wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Band diesen Sängerkrieg für sich entschieden hat.


Minnewar (CD Fanbox)

Video

Tracklist

01 Wenn ich tot bin (Luna Luna Cover)
02 Tanz mit mir feat. Mr. Hurley & die Pulveraffen (Faun Cover)
03 Spielmannsschwur feat. Saltatio Mortis (Saltatio Mortis Cover)
04 Krabat (ASP Cover)
05 Es gibt nur Wasser ( Santiano Cover)
06 Rapunzel ( Letzte Instanz Cover)
07 Thekenmädchen (Versengold Cover)
08 Blau wie das Meer ( Mr. Hurley & die Pulveraffen Cover)
09 Vollmond (In Extremo Cover)
10 Kleid aus Rosen (Subway to Sally Cover)
11 Willst du (Schandmaul Cover)

Details

Harpyie – Homepage | Harpyie – Facebook | Harpyie – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 25.06.2021
Spielzeit: 45:05

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem