Review

Darf es etwas blutig sein?

Diese Frage könnte man sich wohl bei dem neuen Album von Harpyie stellen, welches den Titel „Blutbann“ trägt.
Eins vorweg: Was draufsteht, ist auch drin. So zeigt schon das Artwork die in Blut badende Blutgräfin Elisabeth Báthory. Und auch die neuen zwölf Songs, darunter das besondere Schmankerl „Nachtfalter“, ein Duett mit ASP, zeugen von düsteren Thematiken, wie schon das Label Metalville mit folgenden Worten ankündigt:

Auf insgesamt 12 Tracks erwarten den Hörer schaurig schöne Geschichten über Vampire, Mörder und Geister. Es geht um Liebe, Tod und Angst, aber auch um Zusammenhalt und das Überwinden der eigenen Dämonen.
Auf BLUTBANN treffen wir auch auf viele bekannte Gesichter, wie Jack the Ripper, Edgar Alan Poe, den kopflosen Reiter und den aus „Königin der Verdammten“ bekannten Vampir Lestard.
Stets untermalt von dem wuchtigen und epochalen Folkmetal-Sound, den man von der Band in den letzten Jahren gewöhnt war, nur dass er dieses Mal passend zur Thematik noch etwas böser und aggressiver aus den Boxen dröhnt.

Die Tracks

„Böse“ eröffnet dann auch der Song „Blutadler“ das Album. Dieser behandelt thematisch eine Hinrichtungsform der Wikinger. Hier richtet sich der Protagonist aber selbst hin, um der Angebeteten seine Liebe zu beweisen. Musikalisch leitet man den Track mit Retro-Electrosound ein, ehe die Klänge der Drehleier einsetzen. Zu Beginn der ersten Strophe ist die Instrumentierung minimal und die Drums marschieren vorwärts. Beim Übergang zwischen Strophe und Refrain ist ein Klavier zusammen mit Synthesizersound zu hören, der eine weibliche Gesangsstimme begleitet. Im Refrain folgt ein immer wiederkehrender Klavierlauf; parallel dazu stellt der leidenschaftlich gesungene Part die Problematik der Beziehung sehr gut dar.

Das sich anschließende „Angst im Wald“ erzählt die Geschichte des „kopflosen Reiters“. Im Intro ist ein Zupfinstrument zu hören, das teils wie eine Gitarre, teils wie eine Geige klingt. Die Drehleier kommt nur sehr unterschwellig zum Einsatz. Dafür wechselt Frontmann Aello in den Strophen mehrmals zwischen Gesang und Sprechgesang. Diese vielen Wechsel wirken teilweise etwas irritierend, werden aber durch einen langen Instrumentalpart, bei dem die Instrumente aufeinander aufbauen, aufgelockert.

„Liebe auf den ersten Biss“ wird zunächst mit Klavier und wehmütigen Klängen der Geige eingeleitet, ehe auch die restlichen Instrumente gemeinsam einsetzen. Trotz des rockigen Folk-Sounds und der vollen Instrumentierung im Refrain vermittelt der Track eine schwere, melancholische Stimmung, die zudem von der Drehleier befeuert wird, die einen schweren, gefühlsgeladenen Sound hervorruft.

„Die Geister die ich rief“ serviert gleich im Intro schweren, harten Folk Metal-Sound. Dadurch geht das Klavier allerdings fast völlig unter. Ist im Refrain mehrstimmiger Gesang zu hören, bilden vor allem die Scream-Parts, die im rein instrumentalen Zwischenspiel zu hören sind, ein kleines Highlight. Diese hätte man gerne öfter im Song einbauen können. Trotz der harten Gitarrenriffs dümpelt der Song jedoch ein wenig vor sich hin.

Interessanter, aber zugleich schwerer zu fassen folgt „Dunkelschwarz“ mit harten Rocksounds, die von Klavier und Drehleier abgelöst werden, um dann wieder von schweren, harten Sounds übermannt zu werden. Die Aufteilung zwischen Strophe und Refrain ist aber schwer zu erkennen, da innerhalb der Parts mehrfach sowohl Instrumentierung als auch Tempo und Spielart wechseln. Auch musikalische Zwischenparts machen das Ganze nicht klarer.

Die „Gothic“-Hymne schlechthin haben Harpyie zusammen mit ASP geschaffen. „Nachtfalter“ ist der Soundtrack für alle Kinder der Nacht. Bereits das Intro bleibt mit seiner sehr eingängigen Melodie gleich im Kopf hängen und auch der Refrain schlägt ein wie eine Bombe. Unbedingter Anspieltipp!

In „Verräterisches Herz“ fallen vor allem die Parts auf, in denen fast ausschließlich Electro-Sound zu hören ist. Ob positiv oder negativ bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Harpyie (Copyright: Harpyie)

Spielerisch, düster und vorantreibend setzt „Fang mich ein“ das Album fort, ehe „Wir sind die Nacht“ als beinahe Instrumentaltrack für das atmosphärische Intro eines Films dienen könnte.

Passend dazu gibt es gleich im Anschluss den Titel „Vampir“. Ein vorantreibender Track von Anfang an, der an Tempo und Spannung im Laufe des Songs nichts verliert. Der Refrain ist durch den einprägsamen Text und die gekonnt gesteuerte Melodieführung extrem eingängig. Die Mehrstimmigkeit im Refrain lässt diesen sehr füllig wirken und animiert zum Mitsingen.

Noch etwas düsterer wird es im Titel „Okkult“. Trommelschläge und düstere Cello-Klänge leiten den Track ein. Ein einzelner Glockenschlag ist im Intro zu hören. In der Strophe bekommt man dann die volle Ladung Rocksound geboten, während der Gesang wieder mehr einer Art Sprechgesang gleicht.

Zum Schluss zeigt die Band mit „Ich glaub dir nicht“ noch, dass ihr auch leise Töne durchaus gut stehen.

Fazit

„Blutig, düster, aggressiv! So klingen HARPYIE anno 2022!“ – schreibt Metalville, und dem kann man nur beipflichten.
Harpyie haben teils vergessene Geschichten wieder zum Leben erweckt und führen die Hörer:innen musikalisch in eine gefährliche und geheimnisvolle Welt. Taucht ein in diese düstere, schaurige, blutige Welt und lasst euch von der Dunkelheit verschlingen. 

Wer jedoch Angst vor Vampiren oder anderen dunklen Gestalten hat, sollte sich die Fan-Box von „Blutbann“ zulegen. Dieser liegen Holzhammer und Pflock bei; man weiß ja nie, wann man einem Vampir über den Weg läuft.


Blutbann (CD Digipak)

Video

Tracklist

01 Blutadler
02 Angst im Wald
03 Liebe auf den ersten Biss
04 Die Geister die ich rief
05 Dunkelschwarz
06 Nachtfalter (feat. ASP)
07 Verräterisches Herz
08 Fang mich ein
09 Wir sind die Nacht
10 Vampir
11 Okkult
12 Ich glaub dir nicht

Details

Harpyie – Homepage | Harpyie – Facebook | Harpyie – Twitter | Harpyie – Instagram

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 28.01.2022
Spielzeit: 48:30

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem