Review

Harakiri For The Sky ist ein junges, 2011 gegründetes österreichisches Projekt zwischen Post Rock und Black Metal. Songwriter und Instrumentalist M.S. arrangiert und spielt rauen und melodiösen Metal und Texter und Vocalist J.J. baut um diese dichten Klangwände ein düsteres lyrisches Konzept. In den Fußstapfen des klassischen Black Metal mag die Stilrichtung Blackgaze kritisch beäugt werden, neugierige Blicke werden auf dem 2014 bei Art Of Propaganda erschienenen zweiten Longplayer „Aokigahara“ jedoch mit technisch einwandfreien 64 Minuten belohnt.

Einsam stimmt die Gitarre ein paar verlorene Töne zu einer sanft wogenden Melodie und zeichnet damit eine endlose Weite grauen Horizonts, die sich mit Einsatz des verzerrten Growlens in eine dystopische Klanglandschaft wandelt. So wird schon im Opener „My Bones To The Sea“ ein Sog aus treibenden Rhythmen und getragenen Riffs um den Hörer aufgebaut, der ihn immer tiefer in den Abgrund zieht: Schmerz und Verzweiflung bilden den textlichen Einstieg in das „Meer der Tränen“ – die Übersetzung für den titelgebenden berühmten Selbstmörderwald Japans.

Mit „Jhator“ folgt „betäubt und regungslos, blau und ausgeweidet“ ein energiegeladenes und doch alles andere als fröhliches Stück mit Gastsänger Seuche (Fäulnis). Nicht weniger als vier solcher Gastauftritte verzeichnet dieses Album; so tragen zusätzlich Cristiano (Whiskey Ritual), Torsten (Agrypnie) und Eklatanz (Heretoir) zur Klassifizierung als sogenannter „Suicidal Depressive Black Metal“ bei. Dieser Auswuchs einer Genre-Bezeichnung ist selbsterklärend, bleibt es thematisch doch durchgehend betont emotional, depressiv und suizidal, während musikalisch mit Screams und Blastbeatpassagen passend die härteren dunklen Wege beschritten werden.

Harakiri For The Sky (Copyright: Harakiri For The Sky, 2014)

Harakiri For The Sky (Copyright: Harakiri For The Sky, 2014)

So beschreit J.J. bei „Burning From Both Ends“ zusammen mit Torsten das Prinzip, sich aneinander aufzureiben, bis alle Energie verraucht ist und als einzig Positives am Schluss zu sagen bleibt „at least we tried“. Weitläufige Texte bauen deutliche Bilder auf, die besungene verlassene Hütte wird gewaltsam in den Kopf gezimmert und die kahlen kalten Wände erfüllen mit einer Beklemmtheit, die sich mit symphonischen Melodien einbrennt.

Gehämmert wird auch fleißig in „Nailgarden“. Riff für Riff erstreckt sich ein Garten aus rostigen Nägeln, Relikten und Reuemomenten. „Whoever has no home now, will not build one anymore.“ – Rilke würde diese apokalyptische Einöde sicher gefallen und am Ende genauso durch alle Wut und Enttäuschung zu Erwachen und Aufbruch, „farewell and parting“ finden.

In dieser charakteristisch atmosphärischen Klangfarbe bekommt auch Tears for Fears‘ „Mad World“ als Bonus Track einen neuen Anstrich und lässt voller Erwartung auf das bereits in Form einer Tracklist angekündigte Album „III:Trauma“ in die österreichischen Wälder blicken.

Video

Tracklist

01 My Bones to the Sea
02 Jhator
03 Homecoming: Denied!
04 69 Dead Birds for Utøya
05 Parting
06 Burning from Both Ends
07 Panoptycon
08 Nailgarden
09 Gallows (Give `Em Rope)

Details

Harakiri For The Sky – Facebook

Label: Art Of Propaganda
Vö-Termin: 21.04.2014
Spielzeit: 64:05 Minuten

Copyright Cover: Art Of Propaganda



Über den Autor

Maria
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Tunichtgut von Welt