Review

Nach dem unglücklichen „Zombie“-Experiment namens „Infected“ besinnen sich Hammerfall auf der neuen Scheibe „(r)Evolution“ wieder auf ihre Stärken und ihren ursprünglichen Sound. Und das ist gut so!

Daher wundert es nicht, dass sogleich eine reine Power Metal Hymne mit typischen Hammerfall-Chören den Silberling eröffnet.
„Hector’s Hymn“, so der Name des Openers, zu dem bereits ein Musikvideo produziert wurde, welches ihr am Ende des Artikels sehen könnt, brilliert mit schnellem, akzentuiertem Riffing und mehrstimmigem, melodischem Refrain. Gleich zu Beginn lädt also schon ein einprägsamer Song zum Mitsingen und Headbangen ein.

Ein in allen Belangen typischer Hammerfall-Track, der an „Glory to the Brave“-Zeiten anknüpft, ertönt unter dem Titel „Bushido“ aus den Boxen, die spätestens jetzt aufgedreht werden wollen. Ein Ohrwurm ist geboren, obwohl die Strophen immer wieder durch ein schleppenderes Tempo das Gas aus dem Refrain nehmen. An Dynamik büßt der Song dadurch nichts ein, vielmehr arbeiten die Strophen in „Bushido“ gelungen auf den sich entladenden Chorus hin.

Mit einem getragenen Anfang trumpft der Titeltrack auf. Auch in „(r)Evolution“ steigern sich die Strophen zum Refrain hin in Sachen Härte und Tempo. Überraschenderweise überzeugen aber hier gerade diese mehr als der Chorus, der mit seinen Gangshouts eher etwas gewöhnungsbedürftig für Hammerfall-Verhältnisse ausgefallen ist. Nachdem noch ein Gitarrensolo und ein Break platziert wurden, ist „(r)Evolution“ quasi auch schon vorbei. So kurzweilig kommt einem der Titel jedenfalls trotz der 4:25 Minuten Spieldauer vor.

So originell der Titel „Live Life Loud“ auch gewählt ist, im Ergebnis kann das Lied im Vergleich zu den anderen starken Songs auf „(r)Evolution“ – und ohne nennenswerte Highlights – eher nur dem Mittelmaß zugeordnet werden. Schlecht ist „Live Life Loud“ nicht, aber entbehrlich.

Es wird düster in „Ex Inferis“, dessen Strophen ein cooler Groove zum gemächlichen Bangen verpasst wurde. Der hervorragende Songaufbau führt schließlich in einen dunkel anmutenden Refrain. Ein Experiment, das gelingt.

Mit „Winter is Coming“ geben sich die Schweden unauffällig und balladesk. Da der Track kurzweilige 3:49 Minuten dauert, könnte das Sprichwort zutreffen, dass in der Kürze die Würze liegt, allerdings hätte der Song „spannender“ ausfallen können. Auf emotionale Momente, die sich insbesondere in einer Melodiestärke ausdrücken, wird weitgehend verzichtet. Vielleicht wäre eine instrumentale Variante hier sogar die bessere Wahl gewesen.

„Origins“ und „Tainted Metal“ drücken das Gaspedal noch einmal durch. Während „Origins“ jedoch eingängig ausgefallen ist, mit abermals melodischem, mehrstimmig gesungenem Refrain und Ohrwurm-Charakter, kommt „Tainted Metal“ eher schlicht, beinahe einfallslos und wie unzählige Male bereits gehört daher. Schlecht sind beide Titel nicht, Hammerfall treten damit jedoch unauffälliger in Erscheinung als in vorherigen Songs.

Den Abschluss bildet schließlich „Wildfire“, ein extrem schneller Track, der mitunter an Sabaton erinnert und Tempo- sowie Melodiewechsel in der Mitte vorweist.

Hammerfall (Copyright: Hammerfall)

Hammerfall (Copyright: Hammerfall)

Nicht nur musikalisch besinnen sich Hammerfall mit „(r)Evolution“ auf ihre Wurzeln. Auch die Produktion legte man abermals in die Hände von Fredrik Nordström, der schon zum Sound-Gelingen vom Debüt „Glory To The Brave“ und dem Folgealbum „Legacy Of Kings“ beitrug. Und so kleiden sich die elf Songs des neuen Rundlings in eine 1A Produktion.
Ebenfalls vom Erstwerk bekannt ist der „Vater“ von Hammerfall-Maskottchen „Hector“ und Coverartkünstler Andreas Marschall. Besieht man sich das Coverartwork von „(r)Evolution“, so sind auch darin die Ursprünge Hammerfalls ersichtlich, denn auf ein Neues gibt sich Marshall hier die Ehre.

Letztlich ist auf „(r)Evolution“ zwar nicht alles Gold, was glänzt, denn immerhin befinden sich auch 2-3 mittelmäßige Tracks auf dem Album, aber der zombiefizierte Patient Hammerfall ist auf dem Weg der Besserung. Und so gelingen dem Quintett auch kleinere Experimente wie mit „Ex Inferis“ oder „Wildfire“. Die Stärken liegen natürlich vor allem in den schnelleren Titeln mit melodischem Refrain. Für das Album spricht zudem, dass Hammerfall die Titel recht kurzweilig angelegt haben und stets auf den Punkt spielen. Auf unnötige Breaks wird verzichtet, sodass „(r)Evolution“ insgesamt kompakt wirkt.
Fans greifen zu, solche, die es noch werden wollen, haben mit dem Album eine gute Gelegenheit, die Band von ihrer starken Seite kennenzulernen.

Video

Tracklist

01 Hector’s Hymn
02 (r)Evolution
03 Bushido
04 Live Life Loud
05 Ex Inferis
06 We Won’t Back Down
07 Winter Is Coming
08 Origins
09 Tainted Metal
10 Evil Incarnate
11 Wildfire

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 29.08.2014
Spielzeit: 49:41

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde